Börsen am Mittag: Epcos im Abstiegsstrudel - DER SPIEGEL
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Börsen am Mittag Epcos im Abstiegsstrudel

Vor der Entscheidung der US-Notenbank halten sich die Anleger zurück. Aktien von Versicherern leiden unter Unwetterschäden und bei Epcos belastet der mögliche Rauswurf aus dem Dax.
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Frankfurt am Main – Verluste bei Technologiewerten und Versicherungstiteln haben den Dax am Montag tiefer in den roten Bereich gedrückt und damit den Höhenflug der Vorwoche zunächst wieder gestoppt. Der Index gab gegen Mittag 2,5 Prozent auf 3668 Zähler ab. Die Wachstumswerte am Neuen Markt bauten ihre Verluste aus. Der Nemax 50 verlor 1,3 Prozent und fiel damit wieder unter die Marke von 500 Punkten. Die vorbörslichen Barometer in New York standen leicht im Minus.

Fed-Enscheidung wirft ihre Schatten voraus

"Der Markt insgesamt bleibt vor der Zinsentscheidung der Fed nervös", sagte Aktienhändler Christian Schmidt von der Helaba. Die US-Notenbank Fed wird am Dienstagabend ihren Zinsentscheid bekannt gegen. "Davor wird keiner große Positionen eingehen wollen", ergänzte Schmidt. Die technischen Analysten der Bayerischen Landesbank schrieben in ihrer Tagesanalyse, die Zeit sei noch nicht reif, um Aktien zu kaufen. "Gegen eine nachhaltige Trendwende spricht nach wie vor der hohe Optimismus der Marktteilnehmer", hieß es. Üblicherweise beginnt ein nachhaltiger Kursaufschwung an der Börse, wenn die Marktteilnehmer überwiegend pessimistisch gestimmt sind.

Unwetter belasten Aktien der Versicherer

Unter Druck gerieten die Aktien von Versicherern. "Die massiven Schäden durch die Unwetter belasten das normale Versicherungsgeschäft", sagte ein Analyst. Das Papier der Allianz   verbilligte sich um 4,50 Prozent auf 128,72 Euro. Die Aktie der Münchener Rück   büßte mehr als drei Prozent auf rund 194 Euro ein.

Gerüchte, dass der Mutterkonzern Allianz   beabsichtigt, die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DrKW) zu verkaufen, konnten die Allianz-Aktie nicht beflügeln.

Die Aktie des Essener Energieunternehmens RWE   fiel nach Vorlage von Halbjahres-Zahlen um rund 2,40 Prozent. Im ersten Halbjahr 2002 habe das Unternehmen sein betriebliches Ergebnis um 8,7 Prozent auf 2,17 Milliarden Euro gegenüber dem Vorjahreszeitraum gesteigert, teilte RWE mit. Bei Strom, Gas, Wasser und im Umweltbereich habe das Plus bei 23 Prozent gelegen. Im Nichtkerngeschäft ging das Ergebnis hingegen um 46 Prozent zurück. Der Umsatz lag mit 27,7 Milliarden Euro um 3,5 Prozent über dem Vergleichswert des Vorjahres. "Die Zahlen waren sehr gut", sagte Aktienhändler Björn Fromkorth vom Düsseldorfer Handelshaus Lang & Schwarz.

Die schlechte Nachricht: Der Energiekonzern hat nach dem Verkauf seines DEA-Tankenstellen- und Raffineriegeschäfts seine Umsatzprognose für das laufende Geschäftsjahr zurückgeschraubt. Es werde nur ein leichter Anstieg erwartet, hieß es. Zuvor hatte RWE einen Zuwachs von "mindestens zehn Prozent" in Aussicht gestellt. Die Aktie gab zunächst rund ein Prozent auf rund 36 Euro nach.

Die Aktie des Nutzfahrzeugherstellers und Anlagebauers MAN   sank einen Tag vor Bekanntgabe von Zahlen um 4,65 Prozent auf 18237 Euro. "Marktteilnehmer rechnen mit einem Gewinneinbruch bis zu 70 Prozent", sagte ein Händler.

Gerüchte treiben Commerzbank-Aktie

Finanztitel reagierten uneinheitlich auf Marktgerüchte, wonach die HypoVereinsbank   auf Initiative der Münchener Rück die Commerzbank   übernehmen soll. Das Papier der Commerzbank stieg noch um rund ein Prozent und gehörte damit zu den wenigen Gewinnern im Dax. HypoVereinsbank verlor hingegen rund zwei Prozent auf 21,20 Euro.

MLP: Das Zocken geht weiter

Übernahmegerüchte und ein positiver Kommentar von Merrill Lynch hatten bereits am Freitag die Aktie von MLP   in der Spitze um bis zu 30 Prozent nach oben getrieben. Der Titel kletterte zuletzt um weitere 3,80 Prozent auf 17,15 Euro. Zudem gehen die Investoren davon aus, dass MLP im Dax verbleiben wird.

Lufthansa leidet unter schlechten US-Nachrichten

Aktien der Lufthansa   präsentierten sich 4,42 Prozent leichter auf 12,75 Euro. In der Nacht zu Montag hatte die Nummer sechs der US-Fluggesellschaften, US-Airways, Insolvenz angemeldet. Das Unternehmen beabsichtigt allerdings, den Flugbetrieb fortzuführen.

Technologietitel konnten zum Teil ihre Verluste reduzieren. SAP  , Infineon   und Siemens   notierten zwischen 2,50 und 3,60 Prozent leichter . Die Aktien der vom Dax-Rausschmiss bedrohten Epcos   gaben zuletzt mehr als fünf Prozent ab und waren damit schwächster Wert im Dax.

Nach der Absage des Bundes, Cargolifter   mit öffentlichen Mitteln zu unterstützen, ist die Aktie des insolventen Brandenburger Unternehmens um mehr als die Hälfte eingebrochen. Sie notierte am Montagmittag um rund 60 Prozent niedriger bei 0,43 Euro. Nach Ansicht eines Analysten müssen nun private Investoren für die Cargolifter AG gefunden werden. Diese würden aber eher bis zum Ende des Insolvenzverfahrens abwarten.

Tokio schließt mit dicken Verlusten

Die asiatische Leitbörse in Tokio schloss am Montag mit dicken Verlusten. Die japanische Notenbank hält die wirtschaftliche Lage in Japan für "nahezu stabilisiert". Damit behält die Bank von Japan in ihrem aktuellen Monatsbericht, der am Montag vorgelegt wurde, ihre bisherige Bewertung der Konjunkturlage bei. Sie warnte jedoch vor inzwischen höheren Risiken in der weltwirtschaftlichen Entwicklung sowie an den Aktien- und Devisenmärkten. Gerade letztere Einschätzung führte nach Ansicht von Marktbeobachter in Tokio zu den dicken Kursverlusten: Der Nikkei gab 2,5 Prozent auf 9747 Punkte ab.