Börsen am Nachmittag: Nur Verlierer im Dax - DER SPIEGEL
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Börsen am Nachmittag Nur Verlierer im Dax

Bei geringen Umsätzen haben die deutschen Aktienmärkte ihre Verluste ausgebaut. Nicht ein einziger Dax-Titel kann sich gegen den Abwärtstrend behaupten. Am Neuen Markt überrascht Kinowelt mit einem fulminanten Kursanstieg.
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Frankfurt am Main - Die Erholungstendenz der vergangenen Woche hat vorerst ein Ende gefunden. Der Dax ist nach Eröffnung der Wall Street tiefer ins Minus gerutscht und gab bis 16 Uhr um 2,7 Prozent auf 3660 Punkte nach. Der MDax notierte 1,1 Prozent schwächer auf 3381 Zählern. Am Neuen Markt verlor der Nemax 50 auf 490 Punkte, ein Minus von zwei Prozent.

"Es herrscht eine allgemeine Lustlosigkeit", sagte ein Aktienhändler. Die Marktteilnehmer hielten sich mit Engagements zurück und warteten auf die Rede des US-Notenbank-Chef Alan Greenspan am Dienstag. Hier erhoffen sie sich Hinweise auf die Entwicklung der amerikanischen Wirtschaft. Seit einigen Tagen gibt es ernst zunehmende Spekulationen großer Banken, die Fed könne schon morgen die Zinsen senken, um die Börsen zu stützen und ein erneutes Absinken der Konjunktur, den sogenannten "Double Dip" zu verhindern. Die Mehrzahl der Volkswirte rechnet jedoch nicht mit einem solchen Zinsschritt.

In den USA eröffneten die Börsen schwach. Der Dow Jones verlor innerhalb der ersten halben Handelsstunde um rund 1,5 Prozent auf 8611 Punkte. Der Nasdaq notierte auf 1295 Zählern, ein Minus von 0,8 Prozent. Im Mittelpunkt des Handels standen die Aktien der Fluggesellschaft US Airways  . Das Unternehmen hat am vergangenen Sonntagabend einen Konkursantrag gestellt und unter anderem mit den Folgen des 11. Septembers begründet. Die Terroranschläge hatten zu einer längeren Schließung des Reagan National Airport in Washington geführt. Dies ist der Hauptknotenpunkt von US Airways. US Airways sei am schlimmsten von allen Fluggesellschaften von den Auswirkungen des 11. September betroffen, erklärte das finanziell bereits schwer angeschlagene Unternehmen.

Versicherer unter Druck

Stark unter Druck gerieten im Dax die Aktien von Versicherern. "Die massiven Schäden durch die Unwetter belasten das normale Versicherungsgeschäft", sagte ein Analyst. Das Papier der Allianz   verbilligte sich um 4,2 Prozent auf 129,30 Euro. Die Münchener-Rück-Aktie   büßte 2,6 Prozent auf 196 Euro ein.

Die Aktie des in die Kritik geratenen Finanzdienstleisters MLP   notierte am Vormittag als einziger Wert im Plus, rutschte zuletzt jedoch auf 16,10 Euro, ein Minus von 2,5 Prozent.

RWE nach Zahlen im Minus

Die Aktie des Essener Energieunternehmens RWE   fiel um 1,8 Prozent auf 35,78 Euro. Vor Handelsbeginn hatte das Unternehmen die Zahlen zum ersten Halbjahr bekannt gegeben. Demnach stieg das Betriebsergebnis gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 1,996 Milliarden (pro forma) auf 2,169 Milliarden Euro. Der Umsatz stieg im selben Zeitraum von 26,737 Milliarden auf 27,679 Milliarden Euro.

Ein Händler meinte, auf den ersten Blick entsprächen die Zahlen den Erwartungen. Auf den zweiten Blick seien die Ergebnisse ohne Berücksichtigung des Kerngeschäft sogar besser als erwartet. Er betrachte die Zahlen mit Wohlwollen. Man werde sich am heutigen Handelstag nicht vollkommen vom Markttrend abkoppeln können, er rechne aber mit einer Entwicklung der Aktie über Marktniveau.

Gewinneinbruch bei MAN erwartet

Einen Tag vor Bekanntgabe der Zahlen für das zweite Quartal stand die Aktie des Nutzfahrzeugherstellers und Anlagebauer MAN   unter Abgabedruck geraten. Der Titel verlor 4,4 Prozent auf 18,31 Euro. Die Marktteilnehmer seien sehr nervös, sagten Händler. "Analysten erwarten bei MAN einen Gewinneinbruch bis zu 70 Prozent gegenüber dem Vorjahresquartal", sagte ein Händler einer Frankfurter Bank. Für das zweite Quartal erwarten die von AFX News befragten Branchenexperten einen Vorsteuergewinn zwischen sechs und 75 Millionen Euro nach 64 Millionen im Vorjahreszeitraum.

Cargolifter und Zementhersteller brechen ein, Kinowelt auf Höhenflug, Euro etwas fester

Cargolifter: Das Ende naht

Die Aktien des insolventen Luftschiffbauers Cargolifter   sind eingebrochen, nachdem das Bundeswirtschaftsministerium am Wochenende mitgeteilt hatte, keine öffentlichen Gelder für das Unternehmen bereitstellen zu wollen. Das im MDax notierte Papier kostete zuletzt nur noch 0,60 Euro, ein Minus von 42,3 Prozent.

Der Zusammenhang zwischen dem Kursverlust und den Meldungen vom Wochenende sei klar, sagte ein Händler in Frankfurt. Die Frage sei nun, wer nun als Geldgeber auftrete. Die Geschäftsidee des Unternehmens sei gut, allerdings hapere es an der Umsetzung und der Finanzierung. Das Papier müsse man derzeit nicht haben. Nach Ansicht eines Analysten könne man zur Zeit über die Zukunft von Cargolifter nur spekulieren. Es müssten private Investoren gefunden werden, diese würden aber eher bis zum Ende des Insolvenzverfahrens abwarten.

Abwärts ging es auch für die MDax-Aktien der Zementhersteller Dyckerhoff   und HeidelbergerCement  . Das Bundeskartellamt hat Presseberichten zufolge der deutschen Zementindustrie wegen Preis- und Quotenabsprache Bußgelder in Milliardenhöhe angekündigt. Das Papier von Dyckerhoff stürzte daraufhin um 11,5 Prozent auf 7,96 Euro ab. HeidelbergerCement verbilligte sich um 5,2 Prozent auf 38,73 Euro.

Kinowelt-Aktienkurs verdoppelt sich

Nach dem Comeback von Unternehmensgründer Michael Kölmel hat sich der Kinowelt-Aktienkurs am Neuen Markt zeitweise mehr als verdoppelt. Die Gläubigerbanken der insolventen Kinowelt   hatten sich am späten Freitagabend für die Übernahmeofferte einer Investorengruppe um Michael Kölmel und seinen Bruder Rainer entschieden. Der Kinowelt-Aktienkurs sprang daraufhin in Frankfurt zeitweise von 0,33 auf bis zu 0,74 Euro. Am Nachmittag lag er bei 0,65 Euro, ein Plus von 103 Prozent. Der Kinowelt-Firmensitz soll offenbar nach Leipzig verlagert werden.

Im Nemax 50 präsentierte sich die Aktie von CE Consumer   sehr stark. Das Papier legte einen Tag vor Bekanntgabe der Quartalszahlen um 7,7 Prozent auf 1,83 Euro zu.

Zukunft der DAB Bank ungewiss

Die Liste der Kursverlierer im Nemax 50 führte die Aktie der HypoVereinsbank-Tochter DAB Bank   an. Der Titel verlor 9,9 Prozent auf 3,75 Euro. "Die HypoVereinsbank zieht sich zurück", sagte ein Düsseldorfer Händler. Nun wird seit Tagen über die Zukunft der Bank spekuliert.

Nikkei gibt deutlich nach

Die Aktienbörse in Tokio hat am Montag schwach geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte sackte um 251,97 Punkte oder 2,5 Prozent ab und endete bei 9747 Punkten. Der breit angelegte Topix büßte ebenfalls deutlich um 20,89 Punkte oder 2,1 Prozent ein und endete beim Stand von 959 Zählern. Schwache Vorgaben der technologielastigen Nasdaq hätten die Kurse belastet, sagten Händler.

Die japanischen Technologiewerte verbuchten Verluste. Rohm   fielen um 220 Yen auf 16.270 Yen. Advantest   sanken 260 Yen auf 5470 Yen. Kyocera   verbilligten sich um 270 Yen auf 8380 Yen und Tokyo Electron   verloren 110 Yen auf 5150 Yen.

Im Halbleitersektor büßten NEC   um 21 Yen auf 647 Yen ein. Fujitsu   fielen um 21 Yen auf 605 Yen. Toshiba   verloren acht Yen auf 412 Yen und Mitsubishi Electric   sanken um acht Yen auf 417 Yen. Sony   fielen um 250 Yen auf 5130 Yen.

Euro klettert an die Marke von 0,98 Dollar

Der Kurs des Euro ist am Montag gestiegen. Die Europäische Zentralbank (EZB) setzte den Referenzkurs bei 0,9780 (Freitag: 0,9729) Dollar fest. Der Dollar kostete damit 1,0225 (1,0279) Euro.

Zu anderen wichtigen Währungen legte die EZB die Referenzkurse für einen Euro auf 0,6386 (0,6355) Pfund, 116,53 (117,17) Yen und 1,4618 (1,4588) Schweizer Franken fest.