Börsen am Nachmittag Vollbremsung bei DaimlerChrysler
New York/Frankfurt am Main - Der Dow Jones startete 0,2 Prozent fester, während der Technologieindex Nasdaq Composite mit einem Zuwachs von 0,7 Prozent in den Handel ging. Der Dax verringerte daraufhin seine Verluste auf 1,5 Prozent und notierte bei 4860 Punkten. Am Neuen Markt konnte der Nemax 50 mit Hilfe einer festen Nasdaq seine Verluste komplett egalisieren und notierte bei 1090 Punkten um den Vortagesschluss.
DaimlerChrysler enttäuscht
Größter Verlierer im Dax war am Nachmittag DaimlerChrysler mit einem Verlust von mehr als fünf Prozent. Die schwache Automobilkonjunktur hat deutliche Spuren in der Bilanz des deutsch-amerikanischen Autokonzerns hinterlassen. Wie das Unternehmen am Mittwoch bekannt gab, sank der Umsatz binnen Jahresfrist von 162 Milliarden Euro auf 152,9 Milliarden Euro. Die Dividende soll auf ein Euro gekürzt werden, hieß es. Im Vorjahr hatte das Unternehmen noch eine Dividende von 2,35 Euro ausgeschüttet.
Ciscos Info-Panne stärkt den Markt
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Die Technologietitel in Dax und Nemax erholten sich jedoch leicht, nachdem Cisco kurz vor Eröffnung der US-Börsen bekannt gegeben hatte, seine Umsatz- und Gewinnprognosen zu übertreffen. Cisco legt nach US-Börsenschluss seine Zahlen vor, sah sich jedoch zu der frühen Mitteilung gezwungen, nachdem ein internes Schreiben vorab öffentlich geworden war.
Auch der positive Ausblick des Herstellers von Netzwerk-Hardware Sun Microsystems sorgte für gute Stimmung an der Nasdaq. Die Aktien des US-Mobilfunkanbieters Nextel legten ebenfalls zu, nachdem das Unternehmen im abgelaufenen Quartal mehr als 500.000 Neukunden gewinnen konnte. Mit dem freundlichen Handelsbeginn ist die Serie von drei Tagen mit Kursverlusten erst einmal unterbrochen. Auch der im Dow Jones notierte Getränkekonzern PepsiCo startete behauptet. Das Unternehmen hat ein Ergebnis für das vierte Quartal vorgelegt, dass im Rahmen der Prognosen lag.
Produktivität steigt, doch Unsicherheit bleibt
Die Erholung im Dow Jones fiel mit 0,2 Prozent etwas bescheidener aus, obwohl die Konjunktur auf gutem Wege ist. Vor Handelsbeginn hat das US-Arbeitsministerium unerwartet starke Zahlen zur Arbeitsproduktivität im vierten Quartal vorgelegt. Allerdings wiegt die Verunsicherung über die Bilanzierungsmethoden großer US-Unternehmen nach wie vor schwer. Die Experten von Dellbrück Asset Management betonten, die Bilanzierungsunregelmäßigkeiten würden nach wie vor einen "erheblichen Belastungsfaktor" darstellen.
Herabstufungen drohen
Belastend könnte sich außerdem eine Studie der Rating-Agentur Moody´s auswirken. Ihr zufolge ist die Kreditwürdigkeit der börsennotierten US-Unternehmen im Januar diesen Jahres weiter zurückgegangen. Dieser Trend werde sich im laufenden Jahr fortsetzen werde. Der Dow Jones werde möglicherweise noch bis auf ein Niveau von 8.800 Punkten fallen, ergänzten die Analysten von Merrill Lynch. Eine neue Kursrallye sei erst wieder ab März oder April diesen Jahres zu erwarten.
Autotitel belasten Dax
Die Zahlen von DaimlerChrysler belasteten auch Volkswagen und BMW , die jeweils 2,5 Prozent abgaben. Zu den Verlierern im Index gehörten am Nachmittag auch SAP, Bayer , und BASF mit Verlusten von 2,3 Prozent.
Defensive Titel sind gefragt. Zu den wenigen Gewinnern zählten die Aktien der Deutschen Post sowie die Papiere der Pharmakonzerne Fresenius und Schering . Grund für das Kursplus bei der Post sind nach Händlerangaben Presseberichte, nach denen die Post möglicherweise mit großen Umstrukturierungen Kosten sparen will.
Infineon profitiert von Cisco
Infineon-Aktien haben ihre Verluste am Nachmittag auf 0,5 Prozent begrenzt. Der Titel hatte im frühen Handel zunächst von anhaltenden Gerüchten um eine mögliche Zusammenarbeit mit dem südkoreanischen Wettbewerber Hynix profitiert. Allerdings sei noch nicht entschieden, ob Hynix mit Infineon oder einem anderen Wettbewerber kooperieren werde, sagte ein Händler.
Lufthansa-Aktien verzeichneten mit minus 1,8 Prozent deutlichere Verluste. Die Fluglinie rechnet noch mit einer längeren Flaute bei den Passagierzahlen. "Bis wir das Niveau der Zeit vor dem 11. September erreichen, dürften noch mindestens eineinhalb Jahre vergehen", sagte Lufthansa-Bereichsvorstand Ralf Teckentrup dem Anlegermagazin "Die Telebörse". Für großen Optimismus sei es aber zu früh.
ProSieben erholt sich nach den Zahlen
Die Aktien der im MDax notierten ProSiebenSat.1 stiegen am Mittwoch zeitweise wieder zweistellig. Marktbeobachter erklärten die Kursgewinne mit den besser als erwartet ausgefallenen Geschäftszahlen. Der Ergebnisrückgang sei mit einem Minus von 27 Prozent weniger dramatisch als befürchtet ausgefallen, sagte ein Analyst. Analysten hatten mit einem Minus von rund 45 Prozent gerechnet. Der Umsatz habe den Erwartungen entsprochen. Auch der positive Ausblick des italienischen Medienkonzerns Mediaset habe die Aktie beflügelt. Ein Frankfurter Händler verwies auf die deutlichen Kursabschläge vom Vortag. "Der Titel erholt sich nun."
Neuer Markt: Atmen mit der Nasdaq
Der Neue Mark hat am Mittwoch seine Unselbständigkeit erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Mit der festen Eröffnung der US-Technologiebörse erholten sich auch die deutschen Wachstumswerte, um anschließend mit dem ersten Zittern an der USA wieder zurückzufallen.
Zocker spielen mit Carrier1
Zu den wenigen Werten, die sich in einem schwachen Marktumfeld behaupten konnten, zählten die Biotechnologie-Unternehmen Lion Bioscience und Evotec . Lion Bioscience hatte am Morgen Zahlen im Rahmen der Erwartungen vorgelegt. Der Zockerwert Carrier1 legte nach dem Kurseinbruch der Vortage am Mittwoch wieder zweistellig zu. Auch EM.TV (plus zwölf Prozent) ist immer mal wieder für Kurskapriolen gut.
Euro schwächer, Nikkei auf 18-Jahres-Tief
Die Aktienbörse in Tokio hat unterdessen ihre dramatische Talfahrt am Mittwoch fortgesetzt. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte gab um 54,75 Punkte oder 0,6 Prozent nach und ging mit 9420 Punkten beim tiefsten Stand seit 18 Jahren aus dem Markt. Der Euro hat am Nachmittag erneut nachgegeben. Gegen 15.30 Uhr kostete die Devise in Frankfurt 0,8646 Dollar.