Börsen am Vormittag: Infineon unter Druck - DER SPIEGEL
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Börsen am Vormittag Infineon unter Druck

Die deutschen Aktienmärkte starten schwach. Technologiewerte leiden vereinzelt unter negativen Analystenkommentaren. Am Neuen Markt machen Thiel ein wenig Boden gut.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Aktienmärkte sind nach einem positiven Wochenschluss leichter in den Handelstag gestartet. Zunächst lasteten die späten Verluste der Wall Street vom Freitag auf den deutschen Aktienindizes. Der Dax gab am Montag bis 9.45 Uhr 1,2 auf 4328 Zähler ab. Die Wachstumswerte am Neuen Markt tendierten ebenfalls schwächer. Der Auswahl-Index Nemax 50 fiel um 1,1 Prozent auf 600 Punkte.

Die Aktien der Deutsche Telekom geriet nach kräftigen Zugewinnen am Freitag (plus 6,15 Prozent) am Montag zunächst unter Druck und gab 1,40 Prozent auf 9,37 Euro ab. Neben einer technischen Gegenreaktion machten Händler zudem den vergleichsweise hohen Tarifabschluss für die Kursverluste verantwortlich. Ab Juli werden 125.000 Beschäftigte der Telekom 4,1 Prozent mehr Lohn und Gehalt erhalten. "Das ist schon sehr hoch", sagte ein Händler. Am Markt gebe es zudem Spekulationen, dass in Paris die France Telecom "re-verstaatlicht" werden könnte. "Das könnte unter Umständen interessant sein, wenn sich die Branche wirklich nicht erholt", sagte ein Händler. Nun werde es natürlich auch Spekulationen um die Deutsche Telekom geben.

Unter den Technologiewerten notierten Siemens   1,32 Prozent leichter auf 59,98 Euro. Siemens-Chef Heinrich von Pierer rechnet für 2002 weiterhin nur mit einem mäßigen Branchenwachstum bei Mobiltelefonen. Ein Händler sagte, diese Aussage sei natürlich nicht positiv, andererseits aber auch nicht überraschend. Die Siemens-Konkurrenten hätten sich bisher nicht anders geäußert.

Die Analysten von Goldman Sachs haben am Morgen ihre Prognose für den Gewinn je Aktie bei Infineon   sowohl für dieses als auch das kommende Jahr gesenkt. Allerdings bestätigten die Experten die Titel des Chipherstellers auf ihrer Empfehlungsliste. Infineon fielen um rund zwei Prozent auf 15,67 Euro. Zudem hatte die Investmentbank Credit Suisse First Boston das Kursziel für die Aktie auf 18 von 28 Euro gesenkt. Epcos   hielten ihre Verluste mit rund einem halben Prozent auf knapp 33 Euro in Grenzen. Schwächer notierten auch SAP   mit Verlusten von 1,80 Prozent 97,50 Euro.

Adidas  -Aktien rutschten um 0,20 Prozent ab. "Adidas als Hauptsponsor der WM und der deutschen Mannschaft ist jetzt nicht mehr jeden Tag auf dem Bildschirm", sagte ein Händler. Außerdem werde es einige Gewinnmitnahmen geben, nachdem Adidas am Freitag kräftig zugelegt hatte.

Unter Druck stand die Aktie der Deutsche Post  , die sich um 2,22 Prozent auf 12,80 Euro verbilligte. Der Deutsche Paketdienst (DPD) will nach einem Bericht der Tageszeitung "Die Welt" den Konkurrenzkampf mit der Deutschen Post verschärfen. Ab diesem Montag bietet der DPD neben dem klassischen Paketversand für Geschäftskunden auch Expresslieferungen an und zielt damit auch auf die Aktivitäten der Post-Tochter DHL Worldwide Express.

Negative Analystenkommentare belasteten die Aktie des Einzelhandelskonzern Metro  . Der Titel verlor 1,41 Prozent auf 30,71 Euro. Das US-Investmenthaus Goldman Sachs hat Händlern zufolge die Prognose für den Gewinn je Aktie für das laufende Jahr nach Goodwill-Abschreibungen um 3 Prozent gesenkt.

Am Neuen Markt konnten Thiel Logistik   nach dem dramatischen Kursrutsch des Vortages (minus 20 Prozent) punkten. Die technische Gegenreaktion mit einem Plus von sechs Prozent hielt sich allerdings in Grenzen. Offenbar ist der Wert nach den vielen Abstufungen von Investmentbanken und Kreditinstituten nicht einmal mehr für Zocker interessant.

Dialog Semiconductor setzten ihre Talfahrt fort und gaben nach Verlusten von zehn Prozent am Freitag weitere zehn Prozent auf 1,50 Euro ab. Das Unternehmen rechnet wegen der anhaltenden Schwäche des Halbleiter- und Mobilfunkmarktes für das zweite Quartal mit einem Umsatzrückgang und einem höheren Verlust im Vergleich zum Vorquartal.

Wall Street liefert schwache Vorgaben

Wall Street liefert schwache Vorgaben

Die Kursverluste der wichtigsten amerikanischen Aktienindizes sprechen Bände. Der Dow Jones gab in den vergangenen drei Monaten rund elf Prozent ab. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, rutschte gar um 20 Prozent ab. Und der S&P 500 verlor knapp 14 Prozent. Bilanzskandale á la Enron, Tyco, Worldcom und zuletzt auch noch Xerox hinterlassen ihre Spuren.

Corporate America, also das Vertrauen in eine korrekte und transparente Unternehmensführung, ist stark ramponiert. Dazu addieren sich wachsende Zweifel an einer konjunkturellen Erholung der US-Wirtschaft. Das US-Verbrauchervertrauen als ein möglicher Indikator ist im Juni so stark gefallen wie seit Terroranschlägen des 11. September nicht mehr.

Zumindest aus charttechnischer Sicht sehen Analysten die US-Aktienindizes vor einer Korrektur - wenn, ja wenn den keine neuen Bilanzskandale die Märkte erschüttern sollten.

Hatte sich der Dow Jones trotz der Hiobsbotschaften von Xerox am Freitag zunächst noch wacker geschlagen, rutschte das Börsenbarometer dann im späten Handel doch mit 0,3 Prozent in die Verlustzone. Auch der Nasdaq Composite gab einen Großteil seiner Gewinne wieder ab und schloss mit einem kleinen Plus von 0,3 Prozent. Diese Abwärtstendenz werden die deutschen Aktienmärkte am heutigen Montag wohl nachvollziehen.

Die asiatische Leitbörse in Tokio präsentierte sich am Montag schwächer. Der Nikkei schloss 0,3 Prozent leichter auf 10.595 Punkte.

Neue Konjunkturdaten könnten Stimmung aufhellen

Von Unternehmensseite stehen diese Woche keine herausragenden Nachrichten an. Die Wall Street bleibt am Donnerstag wegen des Nationalfeiertages geschlossen und am Freitag wird nur verkürzt gehandelt. Dennoch könnten zumindest neue Konjunkturdaten wieder ein wenig Ordnung in die von Misstrauen und Skandalen geschröpften Aktienmärkte bringen.

So berichten schon heute die Einkaufsmanager in den USA aber auch in Deutschland und Europa über die Entwicklung im verarbeitenden Gewerbe. Zwei Tage später folgt dann der Dienstleistungssektor. Am Dienstag erwarten die Börsianer die Absatzzahlen der Autokonzerne für den Monat Juni. Am Freitag stehen die Arbeitsmarktdaten ebenfalls für den Monat Juni an.

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird in dieser Woche nach Einschätzung von Marktexperten die Leitzinsen nicht senken, denn der im Vergleich zum Dollar starke Euro hält die importierte Inflation gering. Die Gemeinschaftswährung lag am Montagmorgen in Lauerstellung zur Dollarparität und notierte bei 0,9940 Dollar.

Nach dem Skandal um den einstigen Wall-Street-Liebling und Telekom-Höhenflieger Worldcom   kommt die Tagung zu Corporate Governance gerade recht. Auf der "Ersten Deutschen Corporate Governance Kodex-Konferenz" in Berlin soll vom 2. bis zum 3. Juli intensiv über Fragen zur Unternehmenssteuerung und -kontrolle diskutiert werden. Redner werden unter anderem der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Josef Ackermann, und Theodor Baums, Aktienrechtsexperte von der Universität Frankfurt sein.

Mit Bilanzfälschungen hatte es Worldcom geschafft, für das Jahr 2001 und die ersten drei Monate dieses Jahres Gewinne auszuweisen, während in Wirklichkeit bei ordnungsgemäßer Verbuchung von laufenden betrieblichen Kosten Verluste angefallen wären.

Wenig Erfreuliches dürfte es nach Ansicht von Marktbeobachtern von der Spar Handels-AG geben. Das Einzelhandelsunternehmen wird am Donnerstag Bilanz ziehen. Das erste Halbjahr 2001 wurde mit einem operativen Verlust nach Fremdanteilen in Höhe von 78,3 Millionen Euro abgeschlossen. Schwarze Zahlen wolle das Unternehmen 2003 wieder schreiben.

Hauptversammlungen stehen dagegen am gleichen Tag bei den Neuer-Markt-Unternehmen CE Consumer   Electronic und Kontron   Embedded Computers an.