Börsen: Devisenbeben lässt Kurse abstürzen - DER SPIEGEL
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Börsen Devisenbeben lässt Kurse abstürzen

Der schwache US-Dollar löst an den Aktienmärkten einen Kurssturz aus. Im Sog der Auto- und Finanztitel ist der Dax unter die psychologisch wichtige Marke von 3500 Punkten gefallen.
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Hamburg/Frankfurt am Main - Nach längerer Zeit ohne nennenswerte Nachrichten kocht die Gerüchtküche an den Börsen wieder. Geradezu elektrisierend wirkte die Nachricht, die japanische Notenbank könnte ihre Stützungskäufe für den Dollar einschränken. Schätzungen zufolge haben die Wechselkurswächter allein in diesem Jahr bereits für knapp neun Billionen Yen (70 Milliarden Euro) US-Dollar gekauft, um den Greenback bei der Marke von 116 Yen zu halten. Doch diese Marke wird nur zu halten sein, wenn die Interventionen weiterhin entsprechend groß bleiben.

Daran, dass der Dollar stark und der Yen schwach bleibt, ist vor allem Japans Export orientierte Wirtschaft interessiert - umso mehr, als erst jüngst die ersten ermutigenden Konjunktursignale seit langer Zeit registriert worden sind. Bei einem zu starken Yen aber könnte das noch fragile Wachstum empfindlich gestört werden.

"Japans Wirtschaft ist gerade von der Beatmungsmaschine herunter genommen worden", erklärte Nieal Kimberley von der Bank von Tokyo-Mitsubishi, "und das Land wird eine zu deutliche Stärkung des Yen nicht wollen, ganz egal was die Amerikaner sagen. Es wäre ein zu großes Risiko für die Exporteure und für den Nikkei."

Zwar erwarten Marktexperten kurzfristig noch keine grundlegende Änderung der japanischen Devisenpolitik, doch die Umstände werden jedenfalls mittelfristig zu einem Kurswechsel führen, davon sind die Experten überzeugt. "Die Politik des starken Dollar ist beendet", sagt Stephen Jen, Devisen-Experte bei Morgan Stanley in London.

Schon wird öffentlich die Frage diskutiert, wie lange der Einsatz dafür noch gerechtfertigt ist. So plädierten bereits einige Vertreter der sieben führenden Industrienationen (G7) für flexiblere Wechselkurse zwischen den großen Volkswirtschaften. Zwar benennen sie in ihrer offiziellen Stellungnahme einzelne Länder nicht, Analysten interpretierten die Äußerungen jedoch als direkte Kritik an der japanischen und chinesischen Wechselkurspolitik.

Konsequenz des möglicherweise neuen Kurses war am Montag eine kräftige Aufwertung des Yen wie auch des Euro gegenüber dem US-Dollar - die ihre Wirkung auf die Investoren nicht verfehlte. In Japan gingen zum Wochenbeginn die Kurse in den Keller. Nach der Kursrallye der vergangenen Wochen gab der Nikkei   am Montag knapp 500 Punkte oder mehr als vier Prozent auf 10.475 Zähler ab. Nach den massiven Kursverlusten vom Montag fiel der Nikkei damit auf den niedrigsten Schlussstand seit dem 29. August. Die Gewinne der zweiwöchigen September-Rallye wurden innerhalb eines Tages ausradiert.

In seinem Kielwasser die anderen Indizes: Der Dax   gab bis zum Nachmittag um 3,2 Prozent auf 3465 Zähler ab. Besonders die vom Export abhängigen Autowerte BMW  , DaimlerChrysler   und Volkswagen   gerieten unter Druck.

In New York eröffneten die Börsen ebenfalls schwächer. Im frühen Handel notierte der Dow Jones   rund 1,3 Prozent leichter auf 9522 Zählern, der Nasdaq Composite   gab um 1,9 Prozent auf 1868 Punkte nach.

Gegenüber dem Yen fiel der US-Dollar am Montag zeitweise mit 111,3 Yen auf den tiefsten Stand seit 33 Monaten (Dezember 2000).

Beobachter sehen in den deutlichen Kursverlusten am deutschen Markt auch eine "überfällige Korrektur". Der Dax   hat seit März mehr als 60 Prozent zugelegt. Auch der gefürchtete Börsenmonat September konnte den Höhenflug der Indizes bislang nicht stoppen. US-Unternehmen haben mit ihren jüngsten Ergebnissen in jüngster Zeit eher positiv überrascht. Doch die Stimmung sei so nervös, schätzen Experten, dass bereits vereinzelte enttäuschende Meldungen ausreichen würden, um die Investoren zu Gewinnmitnahmen zu veranlassen.

Besonders groß ist diese Gefahr bei Technologie- und Versicherungswerten, die in den vergangenen Monaten kräftig zugelegt hatten: Allianz  , Münchener Rück   und Infineon gerieten bereits am Montag unter die Räder.

Händler warnen nun vor einem allzu deutlichen Abrutschen unter die 3500-Punkte-Marke. Dies könnte nach Ansicht von Charttechnikern zu einer Kurskorrektur bis in den Bereich von 3300 Punkten führen.