Börsen-Kolume: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolume Dax-Geflüster

So richtig überzeugend ist die Auferstehung der Old Economy noch nicht. Aber tiefe Skepsis gegenüber so mancher Hightech-Luftblase am Neuen Markt ließ den einen oder anderen guten alten Industriewert im Dax-Bereich wieder auferstehen.
Von Stefan Wolff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - "Gewinnwarnung“ blieb auch in dieser Woche das Alarmwort Nummer eins, während der überraschende Zinsschritt der Europäischen Zentralbank erstaunlich gut verdaut wurde.

Sinkende Umsätze beim US-Softwareriesen Oracle reichten aus, um SAP gehörig unter Druck zu setzen. Dabei geht es wohlgemerkt nicht um Verluste, sondern lediglich um nach unten korrigierte Prognosen. Schon ein paar Prozentpunkte reichen da aus, um kurzfristig orientierte Anleger in Panik zu versetzen.

Das treibt dann natürlich auch die Köche an die Herde der Gerüchteküche. Dem Waldorfer Softwarehaus wurde denn auch prompt das Süppchen gereicht, dass SAP ebenfalls in den Strudel sinkender Umsätze und Erträge geraten sei. Und während andere Unternehmen prompt noch nicht endgültige Zahlen veröffentlichten, hieß es trotzig aus der SAP-Konzernzentrale, man werde erst zum Berichtsdatum auch wirklich berichten. Dem Kurs tat das nicht gut.

Eher hatten in dieser Woche jene Unternehmen Chancen, die das Lied vom Sparen anstimmten. So sorgten Spekulationen um weniger Kraftwerke bei den Energieversorgern RWE und e.on für Furore, während sich Siemens mit dem Plan einer schlankeren Personalstruktur vom Abwärtssog der Hochtechnologie-Werte befreien konnten.

Weiter auf der Überholspur befanden sich auch die Automobile. Deutlich gestiegene Absatzzahlen in den USA ließen die Papiere aufleben. So konnte Porsche den Absatz im September um sage und schreibe 40 Prozent steigern. Hier allerdings war nur ein kurzfristiger Effekt zu beobachten. Bei Aktienpreisen deutlich über 4000 Euro ist Porsche für die meisten privaten Anleger ohnehin fast so unerschwinglich wie die Sportwagen aus Stuttgart.

Deutlich solider sieht es da bei Volkswagen aus. Hier ging es ebenso kontinuierlich bergauf, wie bei BMW, die sogar ein neues Jahreshoch markierten. "Bitter nötig", befinden viele Börsianer. Denn auch nach diesem Hoch gelten Autoaktien als hoffnungslos unterbewertet. So spiegle die Marktkapitalisierung von DaimlerChrysler nicht mehr den Wert des Unternehmens, sondern nur noch den Konzerngewinn wider.

Wie lange die Geschäfte mit deutschen Karossen in Übersee brummen, ist fraglich. In den USA blieb der Zinsschritt erwartungsgemäß aus. Zwar gab es die üblichen Warnungen vor Inflationsgefahren seitens der US-Notenbank, aber für höhere Leitzinsen reicht dies nicht. Ohnehin gehen einige Marktbeobachter inzwischen davon aus, dass die US-Konjunktur keine sanfte Landung hin bekommt. Sie sehen vielmehr Rückschläge nach der Boomzeit. Und das dürfte auch die Begeisterung amerikanischer Autofahrer für Karossen made in Germany deutlich bremsen.

Überraschend hingegen die Zinserhöhung der EZB. Nach den Interventionen zugunsten des Euro und der ohnehin renditetreibenden Umstellung vom Mengen- auf den Zinstender schien den meisten Experten ein solcher Schritt im Vorfeld als übereilt. Erstaunlich schnell wurde dann Duisenbergs Maßnahme als unschädlich für die europäische Konjunktur eingestuft. Dennoch wurden prompt die Zocker auf den Plan gerufen, die durch massive Euro-Verkäufe die Notenbanker offenkundig einem weiteren Härtetest unterziehen wollen.

Spielplatz für Spekulanten bleiben auch die ins Zwielicht geratenen Werte des Neuen Marktes. Nach dem Absturz legten Aktien des Pleiteunternehmens Gigabell eine erstaunliche Aufwärtskurve hin, um dann wieder abzustürzen. Auch Infomatec gerieten erneut in den Strudel massiver Verkäufe. Für den soliden Privatanleger mit mittel- bis langfristigem Horizont bleibt nichts als Unsicherheit.