Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Allerdings befindet sich die Börse noch in Lauerstellung. Denn wer das endgültige Startsignal wann bläst, scheint noch unklar. Sicher ist offenbar nur, dass die schlechten Nachrichten, die den vermeintlich goldenen Herbst vermiesten, so langsam verdaut sind. Es ist die Zeit, sich Unternehmensdaten sorgsam anzusehen und die Spreu vom Weizen zu trennen.
Vorerst rechnen Börsianer noch einmal mit einer breiten Konsolidierung. Die Umsätze, die den Aufschwung der vergangenen Tage trugen, waren dünn. Setzen müssten sich die Kurse, damit es auf breiterer Basis aufwärts gehen kann, heißt es. Denn eine Hausse auf tönernen Füßen hat in diesem Jahr schon einen Crash auf Raten begünstigt.
Zurück zur Realität also. Dafür spricht zumindest die Besonnenheit, mit der Quartalsdaten vom Handel aufgenommen wurden. Die Deutsche Bank eröffnete den Reigen mit um 140 Prozent gesteigerten Gewinnen in den ersten neun Monaten des Jahres. Allerdings konnten Papiere des Branchenprimus die Kollegen nicht mitziehen, weil diese keine überzeugende Darbietung zeigten.
So führte der Gewinnrückgang bei der Dresdner zu dem Schluss, dass sich Deutschlands Nummer drei noch nicht gefangen hat nach der geplatzten Fusion mit der Deutschen. Analysten vertreten die Meinung, die Dresdner habe sich in Europa noch nicht richtig positioniert.
Gewinneinbrüche verzeiht die Börse selten, aber bei Adidas machten die Händler mal eine Ausnahme. Hier ließ man sich von den guten Prognosen für die zweite Jahreshälfte 2001 überzeugen. Ein Kursaufschlag auf Bewährung, denn die weiteren Kennzahlen des Sportartikelherstellers dürften genau beobachtet werden.
Immerhin aber werden Vorhersagen wieder erhört, auch wenn sie positiv sind. Denn dass im Deutschen Aktienindex zum Wochenschluss wieder Technologie-Werte gefragt waren, kam nicht von ungefähr. Der Chip-Hersteller Intel wartete mit herausragenden Verkaufsaussichten auf, was die Siemens-Töchter Epcos und Infineon in den Bann zog. Das alles deutet darauf hin, dass die Panik endgültig von den Standardwerten gewichen sein könnte.
Auch wenn Hightech im Dax wieder gefragt ist, heißt das noch lange nicht, dass alles im grünen Bereich ist. Die Pleite von Gigabell hat Anleger eine Menge Geld gekostet. Das Frankfurter Internet-Unternehmen wurde filetiert, da Jippii lediglich Kunden und Angestellte übernahm. Die Aktien erhielten die Finnen nicht, eine dubiose Geschichte. Denn das Management erfuhr eigenen Angaben zufolge nicht, ob die Aktienmehrheit tatsächlich noch beim ehemaligen Gigabell-Chef liegt, oder ob bereits Rechte an dritte vergeben wurden. Das Jippii-Management ging sogar soweit zu sagen: "Niemand weiß, wo die Aktien sind." Die Schulden wollten die Finnen (verständlicherweise) nicht übernehmen. Und so verbleiben Gigabell als "Unwert", wie der Konkursverwalter einräumte. Aktionäre, die bei über 120 Euro eingestiegen sind, stehen nun vor einem Trümmerfeld. Ein Gerippe kann am Aktienmarkt nicht schwimmen.
Und die nächste Pleite ließ nicht lange auf sich warten. Ein eher unbedeutendes Softwareunternehmen, Teamwork, wurde aus dem Handel genommen. Das schützt Teamwork-Anteilseigner, nicht aber Aktionäre der Konkurrenz. Gedys und MB Software ließen kräftig Federn. Die tiefe Skepsis am Neuen Markt hält an. Anleger setzen nach den Schockwellen zunehmend auf Qualitätspapiere, ein Trend, der voraussichtlich auch in der kommenden Woche Schule machen wird.