Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Frankfurt am Main - Wie schlecht geht es Chrysler? Das war neben dem Hightech-Frust die Hauptfrage unter Börsianern. Einst galt Daimler als "weißer Rabe" unter den Autoherstellern, weil der Konzern fast immun gegen konjunkturelle Dellen schien. Die Ehe mit Chrysler schien der größte Wurf in der Geschichte zu sein. "Im Himmel geschlossen" jubelte Konzernchef Schrempp, doch bei den Aktionären herrscht Katzenjammer.
Seit Fusionsvollzug haben sich DaimlerChrysler nicht etwa verdoppelt, wie vielleicht anzunehmen war, sondern halbiert. Der traurige Höhepunkt, das vorläufige Jahrestief, kam exakt zum zweiten Jahrestag der Erstnotiz von DaimlerChrysler. Wohlgemerkt, bevor die Katze aus dem Sack gelassen wurde. Fast schon herbei gesehnt wurde die Gewinnwarnung für das vierte Quartal von Chrysler, denn die Ungewissheit erwies sich als schlechter Kursmakler.
Einige Banken setzten den Konzern auf die Beobachtungsliste. Die Kreditwürdigkeit der Stuttgarter wankt. Offensichtlich, so sehen es Experten, hat man bei Daimler die Schwierigkeit, mit Chrysler ins Massengeschäft einzusteigen, unterschätzt.
Die Führungskrise bei den Amerikanern kommt zu einer Zeit, da die US-Autohersteller ohnehin mit einem abkühlenden Konsumklima kämpfen muss. Immenser Preisdruck ist die Folge und der trifft Chrysler zu einem Zeitpunkt, zu dem das Unternehmen neue Modelle auf den Markt bringt und noch nicht verkaufte alte ohnehin zu Niedrigpreisen losschlagen muss. Eine Restrukturierung kann dauern, sagen Analysten.
Doch der Patient scheint heilbar, wenn eine Modelloffensive bei Chrysler sich nicht nur auf den amerikanischen Markt konzentriert. Bislang gingen Chrysler-Modelle oft haarscharf am internationalen Geschmack vorbei.
Kaum Aussicht auf Besserung deutet sich dagegen am Neuen Markt an. Die vielen verfehlten Prognosen und damit einhergehenden Einbrüche rissen nicht ab. Eine neue Qualität erreichte der Anleger-Frust als die Staatsanwaltschaft eingriff. Zwei Manager des Augsburger Softwarekonzerns Infomatec wanderten hinter Gitter. Grund genug für die Betreiber der Internet-Seite "Nemwax", Infomatec zur "Sau des Tages" zu küren. Die Homepage rechnet mit den Gurken am Neuen Markt ab, nach dem Motto: "Der Anleger schlägt zurück."
Das allerdings kann Aktionäre kaum trösten, denn Pflichtmitteilungen gelten als wichtige Informationsquelle, auch wenn sie von unerfahrenen börsennotierten Unternehmern in jüngster Zeit leider allzu oft als Spielwiese missbraucht wurden. Das Ende des Vertrauens könnte aber auch das Ende der gerade erblühenden Aktienkultur in Deutschland bedeuten.
In diesem grottenschlechten Umfeld geht am Montag erst mal die Post ab. Beim Gelben Riesen sehen Experten mittelfristig allerdings kaum Gewinnchancen. Die Post nenne sich zwar "Logistikkonzern", heißt es, mache aber ihr Hauptgeschäft mit den Briefen. Das Monopol werde aber fallen, die Portopreise sinken. Allerdings könnte der fast schon vorprogrammierte Aufstieg in den Deutschen Aktienindex durchaus für haussierende Kurse sorgen. Das lief bei der Telekom, Epcos und Infineon ähnlich.
Dass Deutsche Aktien nicht völlig out sind, hat das Bankhaus Morgan Stanley bewiesen. Epcos und Quiagen wurden in den Morgan Stanley Capital Index (MSCI) aufgenommen. Das Marktbarometer gilt als Benchmark, also als Vergleichsmaßstab, vor allem für Fondsmanager. Ein bisschen Phantasie bleibt.