Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Wo ist sie denn nun, die Rallye? Viel Hoffnung wurde auf das neue Jahr gesetzt, doch dann setzte sich die Erkenntnis durch, dass ein schnöder Datumswechsel nicht ausreicht, um die Stimmung zu verbessern. Dabei sind die Rahmenbedingungen allein schon wegen niedrigerer Zinsen in den USA gar nicht mal schlecht.
Von Stefan Wolff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Greenspan zog am zweiten Handelstag des Jahres die Reißleine. Hätte die US-Notenbank nicht überraschend die Zinsschraube gelockert, der Jahresauftakt wäre komplett zum Desaster geworden.

Binnen weniger Minuten mutierte der Absturz zur Super-Hausse. Bis dahin hatten die Kurse am Neuen Markt über 20 Prozent verloren. Auch mit den unverändert belassenen Zinsen im Euroraum lässt es sich nach Marktmeinung gut leben. Eine Inflationsrate von 2,9 Prozent ist für niedrigere Zinsen ein Hemmschuh, vor allem, da die EZB die Marschrichtung 2,0 herausgegeben hat.

Aber niedrigere Zinsen machen noch keine Trendwende. Die Arbeitsmarktdaten in den USA fielen auf den ersten Blick gar nicht so schlecht aus. Die Arbeitslosigkeit blieb unverändert, die Löhne sind sogar gestiegen. Das klingt mehr nach Inflationstendenzen als nach Rückschlägen. Und so fragten sich die rezessionsgläubigen New Yorker Broker: "Was weiß Greenspan, was wir nicht wissen?"

Die Antwort war schnell in einer vermeintlichen Bankenkrise gefunden. Die Bank of America hat sich mit T-Bonds verspekuliert, hieß es. Zudem sitze das ehrwürdige Haus auf faulen Krediten. Dementi nutzten wenig. Der gesamte Finanzsektor rasselte in den Keller.

Das gilt auch für den Neuen Markt. In dieser Stimmung glaubt man den Unternehmen nicht mehr. Zum Beispiel der Onlinebroker Consors. Gerüchte einer Gewinnwarnung wurden dementiert. Trotzdem gab's zweistellige Verluste. EM-TV bleibt nicht allein, widersprach der Fernsehrechtehändler Gerüchten, dass Medien-Mogul Leo Kirch von einem Engagement absehen könnte. Geholfen hat es nichts.

Am Neuen Markt notierte Firmen haben ja auch in der Vergangenheit kaum eine Gelegenheit ausgelassen, das Vertrauen ihrer Anleger zu zerstören. Den Preis für die am besten versteckte Gewinnwarnung gebührt in dieser Woche Endemann. Verklausuliert, irgendwo am Ende einer ellenlangen Pflichtmitteilung stand sie da. Selbst zweckoptimistische Neue-Markt-Gurus prangern solche Verschwiemelungen inzwischen an und raten dazu, solche Unternehmenstaktiken mit Verkäufen abzustrafen.

Gezogen haben nur die Standardpapiere. BMW fanden auf die Überholspur zurück, weil Analysten den Bayern zutrauen, auch bei gebremster US-Konjunktur in den Staaten erfolgreich zu sein. Autos dürften sich in der kommenden Woche wieder gesteigertem Interesse sicher sein. Die Detroit Motor Show lässt jede Menge Meldungen erwarten.

Um die Commerzbank rankten sich mal wieder Gerüchte. Der Großaktionär Cobra wolle seine Anteile an die Dresdner Bank verkaufen. Aber das sind Gerüchte, die dem "Witwe-Bolte-Prinzip" folgen. Wofür man besonders schwärmt, wenn es wieder aufgewärmt.