Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Ganz anders ist das bei der Telekom. Eine Mauer des Schweigens gibt Spielraum für Spekulationen. T-Aktien fielen auf ein Zwei-Jahrestief. Zugegebenermaßen sind die Probleme bei der Telekom nicht nur hausgemacht. Für den Absturz sorgte in dieser Woche auch der Börsengang des Mobilfunkanbieters Orange, der gehörig floppte. Seit dem Debüt dümpelt das Papier deutlich unter den Ausgabepreisen von 9,50 Euro (Privatanleger) und zehn Euro (Institutionelle). Das warf ein schlechtes Licht auf den geplanten Börsengang der Telekom-Tochter T-Mobile.
In ganz Europa gerieten Telefonaktien unter Druck, nicht nur die der Orange-Mutter France Telecom. Auch British Telecom, Nokia und Alcatel kamen unter die Räder. Von der Deutschen Telekom hieß es lediglich, man sei gut positioniert und durchaus flüssig. Das allerdings zweifelte die Ratingagentur Moodys an und stufte auch die Kreditwürdigkeit der France Telecom herab.
Als Sahnehäubchen präsentierte Voicestream Jahreszahlen. Die Verluste wurden mehr als vervierfacht. Das war ebenfalls kein gutes Omen für T-Aktien. Schließlich will die Telekom den Mobilfunkanbieter kaufen, und die Aussicht auf einen Klotz am Bein ließ die Anleger nicht gerade jubeln. Rücktrittsgerüchte rankten sich um Telekom-Chef Ron Sommer. Die wurden zwar heftig dementiert und gelten als unwahrscheinlich, weil der Großaktionär Bundesrepublik hinter dem Vorstand steht, sorgten aber für Unruhe. Eine klare Strategie könnte Abhilfe schaffen. Die hohen Umsätze, mit denen in dieser Woche auf die Telekom eingeprügelt wurde, deuten auf einen klaren Abwärtstrend.
wetterwendische Hightechbranche
Als wetterwendisch erwies sich im übrigen die gesamte Hightechbranche. SAP legten einen wahren Höhenflug hin, um dann zum Wochenschluss wieder abzusacken. Ähnlich erging es auch Infineon, Epcos und Siemens. Dabei deutete während der Donnerstagssitzung der US-Technologiebörse Nasdaq vieles auf einen sonnigen Ausklang in Frankfurt. Nachbörslich aber kam es knüppeldick.
Der weltgrößte Glasfaserhersteller Nortel revidierte die Prognosen für das vergangene Jahr so gründlich, dass die Papiere nach Handelsschluss um 20 Prozent einbrachen. In Tokio folgten Titel von Furukawa Electric, am deutschen Neuen Markt gerieten Adva Optical Networks unter die Räder.
Als würde das alles nicht reichen, tappten die Börsianer zur Wochenmitte auch noch in die Bärenfalle. US-Notenbankchef Alan Greenspan erzählte in seiner Rede nicht viel neues, schürte aber auch keine weiteren Zinssenkungsfanatsien. US-Erzeugerpreise weckten dann tot geglaubte Inflationsängste zu neuem Leben.
wachsende Unsicherheiten durch Bomben auf Bagdad
Zu allem Überfluss folgten die Bomben auf Bagdad. Als habe Bush junior seinem Vater versprochen, dessen Mission zu einem Ende zu führen, gibt sich der neue Präsident kriegerisch. Wenn die Säbel rasseln, bedeutet dass im Zeitalter der New Economy nicht mehr steigende Kurse, sondern wachsende Unsicherheiten.
Auch in der kommenden Woche ist wenig Klärung in Sicht. Viel wird erneut von US-Konjunkturdaten abhängen, die nach dem Presidents Day am Montag in die Märkte tröpfeln werden.
Spannend dürfte sich auch das weitere Rennen um die Formel 1 gestalten. Die Börsianer sind skeptisch. Nach dem Einstieg von Leo Kirch bei EM-TV wurde der Auftaktjubel von 30 Prozent Kursplus schnell wieder aufgezehrt. Bernie Ecclestone, der Chef des Rennzirkus ist gegen eine Kirch-Beteiligung, weil die Statuten der Formel 1 Fernsehsender als Anteilseigner ausschließen. Er will vermeiden, dass Schumi unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Pay-TV seine Runden dreht. Den Ausgang des Scharmützels sollten Anleger allerdings als Zuschauer beobachten. Wegen der ungeklärten Finanzlage von EM-TV raten Händler: "Finger weg."