Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Eon hüllt sich in Orange, hat sein Image von Veronica Ferres Formen formen lassen und auf diese Weise kaum noch was gemein mit dem kraftvoll-deutschen Auftritt als Veba und Viag. Jetzt redet man auch nicht mehr über einen Mischkonzern oder einen Versorger, jetzt redet man über ein Powerhouse. Dass die Imagekampagnen von der Historie ablenken, mag man bedauern. Doch Eon erfreute die Märkte vorige Woche immerhin mit substanzstarken Zahlen: Um 37 Prozent war das Betriebsergebnis im ersten Quartal gestiegen.
Und die alte Preussag heißt zwar noch so, hat aber nichts mehr mit preussischem Stahl zu tun, schleppt noch eine Energie- und Logistiksparte mit, will aber bis 2002 80 statt derzeit 50 Prozent seiner Umsätze mit der Touristik machen. Vielleicht kommt dann ein neuer Name wie High and fly AG auf den Kurszettel. Doch der zeigte zum Wochenschluss auch ohne solche Schnörkel um mehr als drei Prozent anschwellende Preussag-Kurse.
Die Oldies der deutschen Unternehmenslandschaft werden auch nächste Woche Börsenthema sein: Wella etwa, der Darmstädter Kosmetikkonzern, der wieder einen Vertreter der Mehrheitseigentümer-Familie an die Aufsichtsratsspitze bekommt. Am Dienstag ist Hauptversammlung, dann kommen Quartalsergebnisse. Und Analysten erwarten, dass die Darmstädter eine schon fünfjährige Tradition fortsetzen, wonach die operativen Ergebnisse schneller als der Umsatz wachsen. 15 Prozent Kursgewinn in den nächsten sechs Monaten traut die DG Bank dem Papier zu.
Und dann kommt, mehr als 60 Jahre nach ihrer Gründung, die alte Flughafen Frankfurt AG ins Rampenlicht der Börse, auch unter neuem Namen, den sie der eigenen Branche entliehen hat, als Fraport. Am kommenden Wochenende soll die Preisspanne für die Aktie bekannt gegeben werden. Fraport hat sich mit allerlei kapitalmarktfreundlichen Maßnahmen auf den Börsengang vorbereitet: Der größte Kunde, die Lufthansa, die zusammen mit ihren Star Alliance-Partnern bald 70 Prozent der Flughafengebühren in die Kasse von Fraport zahlt, hat höheren Gebühren zugestimmt, sodass Fraport sein wichtiges Geschäftsfeld Aviation, also den Flughafenbetrieb, aus den roten Zahlen führen konnte. Zudem kommen alle Aktien aus einer Kapitalerhöhung und nicht von den Alteigentümern Bund, Land Hessen und Stadt Frankfurt.
Fraport bekommt bei erwarteten Emissionskursen zwischen 39 und 47 Euro für die bis zu 26,1 Millionen Aktien zwischen einer und 1,2 Milliarden Euro in die Kasse. Damit lässt sich schon einkaufen gehen. Fraport will sich an weiteren Flughäfen im In- und Ausland beteileiligen. Hannover, Hahn und Saarbrücken gehören schon zur Familie, Athen, Lima und Hongkong mehr oder weniger eng auch. Viele Banken sind im Emissionskonsortium, ihre Analysten dürfen deshalb nichts über die Emissionschancen sagen. Hinter der Hand hört man natürlich nur Positives. Auch dass der Bund seine künftig 18 Prozent an Fraport verkaufen will, sollte nicht auf den Kurs der neuen Aktien drücken, so wie das derzeit bei der Post der Fall ist. Schließlich erhöhten solche Verkäufe den Streubesitz, also den kommenden Maßstab für Indexgewichtung, behaupten Analysten ermutigend.
Auch mit einem anderen Unternehmen, das den Staat geprägt hat und das ihm noch maßgeblich gehört, verbinden sich Kurshoffnungen: Man mag es kaum glauben, aber die Rede ist von der Deutschen Telekom. Die technischen Gründe, die das Papier derzeit kaum über 26 Euro hinauskommen lassen, nämlich die erwartete Verkaufswelle für die Telekompapiere, die die derzeitigen Voicestream-Aktionäre für diesen amerikanischen Mobilfunkanbieter als Bezahlung bekommen, diese technischen Gründe liefen bald aus, meint etwa Frank Rothauge vom Bankhaus Sal. Oppenheim. Zweistellige Wachstumsraten im operativen Geschäft, sinkende Kosten im Mobilfunk, nachlassende Schulden und damit Zinslasten durch Beteiligungs- und Immobilienverkäufe manche Analysten können die Kurschancen der Telekom gar nicht hoch genug loben. Rothauge sieht den Kurs in einem Jahr bei 40 Euro, seine Kollegin Petra Heist von der Hypovereinsbank legt noch ein, zwei Euro Kurschance drauf. Wer sich im Sommer 1999 und im Frühjahr 2000 am zweiten und dritten Börsengang der Telekom zu knapp 40 und 60 Euro beteiligt hat, der könnte jetzt Morgenluft wittern: Noch einmal zulangen und so den Durchschnittskurs der Telekom-Aktien im Depot verbilligen. Wenn es so kommt, wie erwartet, könnte dieser Durchschnittskurs in einem Jahr am Markt zu erzielen sein.
Man muss derzeit schon so auf Einzelwerte schauen. Denn die Gesamtlage ist eher grau. Fünf Zinssenkungen in Amerika haben nicht nur die Entschlossenheit der dortigen Notenbank gezeigt, dem konjunkturellen Abschwung entgegenzusteuern, sondern sind zugleich Ausweis dafür, dass die Notenbank die Lage als schlimm einschätzt. Andererseits ist der Dow Jones-Index mit gut 11.300 Punkten seinem Allzeithoch von gut 11.700 Zählern aus dem Januar vorigen Jahres schon wieder sehr nahe. Nicht auszuschließen also, dass die FED eine neue Blase erzeugt. Steigende Renditen am langen Ende der Zinskurve deuten darauf hin, dass den nackten Zahlen nach derzeit das schlechteste aller Szenarien vorliegt: Nachlassendes Wachstum bei steigender Geldentwertung kein gutes Umfeld für die Börse.