Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Der Duft von Weißwürsten und Bier hing am Vatertag über dem Parkett, doch selbst der konnte die Händler an der Frankfurter Börse nicht in besondere Kauflaune versetzen.
Von Michael Braun (ausgeschieden)
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Der Feiertag und der umsatzschwache Freitag ließen die Kurse etwas vor sich hin dümpeln. Und auch wenn in der kommenden Woche in Deutschland kein Feiertag ansteht, die Wall Street bleibt am Montag wegen des Memorial Day geschlossen. Und dann ist auch in Frankfurt meist tote Hose.

Denn Amerika allein zieht in diesen Tagen die Kurse nach oben, aber nach den Konjunkturdaten aus den Vereinigten Staaten ist auch dort mit einer Erholung noch nicht zu rechnen. Allenfalls die Hoffnung auf weitere Zinssenkungen kann da die Stimmung beflügeln und dann auch über den Atlantik schwappen. Die deutschen Werte allein aber bringen derzeit nicht das große Prickeln. Eines der soliden Unternehmen lädt in der kommenden Woche seine Aktionäre zur Hauptversammlung: Linde steht aber auf den Kauflisten einzelner Banken. Dass das Unternehmen mit seinen Sparten Kühltechnik, Gase und Fördertechnik und Anlagenbau langweilig sei, das hält dessen Management für ungerecht. Linde-Finanzvorstand Hero Brahms meinte unlängst, Linde sei nicht so charismatisch wie die schnellen "Aufsteiger und Runterfaller", doch der Wind an der Börse habe sich gedreht, jetzt zählten nachhaltige Ertragskraft und Wertsteigerung.

Die Spannung, die der Commerzbank-Aktie noch anhaftete, ist seit der Hauptversammlung auch gewichen: Die Aktionärsvereinigung Cobra ist von der Giftschlange zum zahmen Wurm mutiert, sie will dem neuen Vorstandschef Klaus-Peter Müller angeblich den Start nicht schwer machen. Doch andere Gründe scheinen dahinter zu stehen: Die Cobra kann ihr Aktienpaket von offiziell knapp 10 Prozent nicht so schnell losschlagen wie erhofft, vor allem in absehbarer Zeit keinen Gewinn daraus einstreichen. Wenn aber die Cobra aufgibt, dann ist auch erst einmal die Übernahmefantasie aus der Commerzbank-Aktie heraus.

Aus München werden im Lauf der Woche Neuigkeiten zur Umstrukturierung in der deutschen Allfinanzlandschaft erwartet: Münchner Rück und Allianz, die beiden einst so unzertrennlichen Schwestern, werden bei ihrer Bilanzvorlage der Öffentlichkeit wohl auch mitteilen, wieweit ihre Pläne gediehen sind. Die Münchner Rück will den Erstversicherer Ergo stärker integrieren, die Allianz dürfte nähere Details zum Stand der Übernahme der Dresdner Bank machen.

Der Stromkonzern RWE wird über das dritte Quartal und damit die ersten neun Monate des laufenden Geschäftsjahres berichten. Weil die Strompreise stabil geblieben sind und sich die Essener gleichzeitig um eine kräftige Kostensenkung bemühen, dürfte der Umsatz um knapp 30 Prozent auf 45 Milliarden Euro steigen und das Betriebsergebnis um knapp ein Drittel auf 2,84 Milliarden Euro, meint die DG-Bank. Ein weiteres Unternehmen aus dem Ruhrpott, ThyssenKrupp berichtet über die erste Hälfte des Geschäftsjahres, und auch hier erwarten die Analysten ein Ergebnis nach Steuern, das mit 236 Millionen Euro um 38 Prozent höher liegen dürfte.

Von der Börsenstimmung der kommenden Woche wird es auch abhängen, ob die Fraport-Aktie, das Papier des Frankfurter Flughafens, bei den Anlegern gut ankommt: Von Montag an kann die Aktie gezeichnet werden, geplant ist ein Bonus für Frühzeichner, die bis zum kommenden Freitag zeichnen müssen. Das aber dürfte auch ein wenig von den Erfolgen in der Tarifauseinandersetzung der Lufthansa mit ihren Piloten abhängen: Denn sollte die Schlichtung misslingen, gibt es wieder Streik bei der Kranichlinie, und das wirkt sich auch auf das Geschäft des Flughafens aus.