Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Gleich zweimal in dieser Woche riefen die Händler "Chip, Chip, hurra" und stiegen bei Halbleitern ein. Doch die so heiß ersehnte Wende am Aktienmarkt blieb aus. Es bleibt bei flauem Geschäft und richtungslosem Gestochere.
Von Stefan Wolff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Der dröge Feiertagshandel am Pfingstmontag setzte dabei gleich zum Wochenauftakt den Tiefpunkt. An Privatanleger richtet sich die Börse mit ihrem Angebot und natürlich an die ausländischen Investoren. Schließlich müssen die ja sowieso arbeiten, argumentieren die Börsenoberen.

Doch die internationalen Spieler wissen genau, wann in Deutschland die Räder still stehen. Große Geschäfte bleiben da in der Schublade. Wer sein Geld gut anlegen will, investiert nicht in einen engen Markt, weil er Kursverzerrungen befürchtet. Da werden ein paar einzelne Überhänge im Depot abgebaut, kleinere Fehlposten eingedeckt. Mehr nicht.

Auch private Anleger sind an normalen Werktagen besser beraten. Vor allem das hoch gelobte Computerhandelssystem Xetra offenbart bei kleinen Umsätzen seine Schwächen. Vom Neuer-Markt-Wert Visionix wurde am Pfingstmontag auf Xetra ein einziges Papier gehandelt. Der Preis stieg um über ein Prozent. Bei einem anderen Wert reichten zwei verkaufte Papiere für einen Kurssturz um sechs Prozent. Wo Menschen und nicht Bits regieren, passiert so etwas nicht.

Leider wurde das Geschäft auch nach Pfingsten nicht prickelnder. Händler befürchten schon, dass sie direkt ins Sommerloch stürzen, ohne dass noch etwas geschieht, und Schuld daran soll unter anderem der Euro sein. Die akute Schwäche der vergangenen Wochen hätte eigentlich als Einstiegssignal gewertet werden müssen, vor allem von ausländischen Investoren. Denn neben dem erhofften Börsenumschwung würden satte Währungsgewinne herausspringen, wenn es denn so liefe wie es laufen soll.

Doch daran glauben die Anleger in Übersee nicht. Frankfurter Börsianer sind der festen Überzeugung, dass sich Investoren aus dem Angelsächsischen nur deshalb zurückhalten, weil sie weiter sinkende Eurokurse befürchten. Europäische Anleger hielten sich dagegen im Ausland zurück, weil sie auf einen sinkenden Dollar hoffen, hört man.

Die Crux ist nur, dass das New York nicht kratzt. Die Wall Street führt ein sehr viel effektiveres Eigenleben als andere Marktplätze, schon allein, weil der Aktionärsanteil in der Bevölkerung sehr viel höher ist als anderswo. Ohne das Ausland läuft dagegen an der deutschen Börse wenig.

So wird klar, warum deutsche Akteure auf den Chicagoer Einkaufsmanager-Index mehr geben als auf das Euro-Bruttoinlandsprodukt. Zweimal stiegen die Händler auf eine vermeintliche Chip-Hausse ein. Erst beflügelte ein Unternehmen namens Xilinx die Fantasie, am Freitag war es Intel. Deutsche Hochtechnologie war jeweils so lange schwer gefragt, bis eine schlechte Nachricht aus Übersee den Traum wieder platzen ließ.

Schließlich mutiert die Zeit der Quartalsberichte mehr und mehr zur Zeit der Beichte. Die Unternehmen müssen eingestehen, dass sie die gesteckten Ziele verfehlt haben. Das Ganze wird gepaart mit Konjunkturdaten, die alles andere als fröhlich stimmen. Gestiegene Arbeitslosenzahlen in den USA und rasant steigende Lohnstückkosten deuten auf ein Dilemma: Die Konjunktur bockt, die Preise steigen.

Damit befindet sich US-Notenbankchef Alan Greenspan in einer ähnlichen Zwickmühle wie EZB-Chef Wim Duisenberg, an dessen Demontage ja momentan fleißig gearbeitet wird. Dabei scheint die Politik der ruhigen Hand Erfolg versprechender als Zinssenkungen, nur um den Aktienmarkt zu stimulieren. Denn diese Waffe sticht nicht, wenn die Käufer ohnehin streiken.

Ein Strauß von US-Konjunkturdaten dürfte in der kommenden Woche mal wieder die Zinssau über das Parkett treiben. Vom Fraport-Börsengang am Montag hängt ab, ob man auch mal wieder den hausgemachten Geschichten vertrauen kann.