Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Danke Herr Esser. Sie haben Ihren Aktionären versprochen, dass der Kurs der Mannesmann-Aktie weiter steigt. Sie lehnen sich dabei weit aus dem Fenster. In 18 Monaten soll das Papier 350 Euro kosten, war von Ihnen zu hören. Gut. Ich nehme Sie beim Wort. Darf ich im Juni 2001 mit meinen Aktien nach Düsseldorf kommen? Ich kann Ihnen aber auch einfach meine Bank-Verbindung nennen, und wir tauschen schon am Montag Geld gegen Aktien. Mit 300 Euro bin ich zufrieden. Sie realisieren dann, wenn es soweit ist, den zusätzlichen Gewinn. Steuerfrei.
Im Ernst, ist Klaus Esser, der Chef von Mannesmann, einfältig oder verzweifelt? Wie kann ein gestandener Vorstandsvorsitzender, den Kurs seiner Aktien so exakt vorhersagen? Immerhin weist das Papier schon für das laufende Jahr ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 400 auf. Ein stolzer Preis.
Die Handy-Manie geht zwar noch weiter, aber irgendwann sind auch hier die rasanten Zuwachsraten vorbei. Die Margen sinken und die Kosten für neue Kunden, beispielsweise durch Übernahmen, steigen. Die Telekommunikations-Hausse ist eine Seifenblase. Irgendwann wird sie platzen. Das sehen auch einige Fachleute in den Investmentabteilungen der Banken so. Warten wir ab, wann diese Einschätzung auch publiziert wird. Es besteht daher überhaupt kein Grund, der ausgebrochenen Kaufpanik verzweifelt hinterher zu laufen.
Ein Dank geht in dieser Woche auch an die CDU. Nein, nicht wegen der Spenden-Affäre, sondern weil Friedrich Merz, der Haushaltsexperte der Partei, eine Besteuerungslücke ausgemacht hat. Er fordert, dass Aktiengewinne versteuert werden müssten. Das ist sicherlich eine gute Idee. So wird aus dem zarten deutschen Finanzmarktpflänzchen schnell eine verdörrte deutsche Eiche.
Am Neuen Markt werden zur Zeit die Mauerblümchen entdeckt. Dazu gehören auch die Software-Titel, sie profitieren vom großen Walldorfer Bruder SAP, der eine erfreuliche Aufhol- und Rekordjagd hingelegt hat. Mir ist eine Akie besonders aufgefallen. Die Umsätze waren monatelang eher gering. Doch auf einmal gehen die Umsatzzahlen nach oben. Gemeint ist die Aktie von Softmatic. Am Freitag wurden beispielsweise auf dem Parkett 84.889 Aktien gehandelt, bei 41 Preisfeststellungen. Am Donnerstag waren es 41.178 bei 30 Geschäften.
Wohlgemerkt, im Parketthandel. Dort hat niemand Einsicht in das Orderbuch des Maklers. Daher weiß nur der Makler, wie die Orderlage ist. Anders im Xetra-System. Da kann jeder Marktteilnehmer sehen, wieviele Stücke angeboten werden, und zu welchem Preis.
Es sind offenbar große Kaufaufträge im Markt. Warum ? Schließlich wollte die Aktie monatelang niemand haben. Sie stürzte nach der Emission bis auf 11 Euro 90 ab. Am Freitag ging sie mit 21 Euro 50 aus dem Handel, ohne eine einzige Unternehmensnachricht. Daher liegt die Vermutung nahe, dass hier jemand etwas weiß, was die vielen Kleinanleger noch nicht wissen. Das könnte mal wieder ein Fall für die Börsenaufsicht werden.