Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Jetzt sind sie aufgewacht, die Anleger. Sie haben einmal nachgerechnet und festgestellt, dass angesichts der gestiegenen Zinsen das Risiko am Aktienmarkt größer geworden ist. Der Dax ist am Freitag dann auch auf Wanderschaft gegangen - nach Süden, wie es im Börsenjargon heißt. Die 7000-Punkte-Linie konnte er nicht halten, ein schlechtes Zeichen für die Psychologen unter den Börsianern.
Von Christoph Kieler
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Die WestLB, die Bank mit den Billig-Flügen für bestimmte Politiker, stellt in einer Analyse fest, dass der Markt überbewertet ist. Die Düsseldorfer rechnen mit einer Korrektur. Auf Jahressicht soll der Dax bei rund 7200 Punkten liegen. Das wären rund 200 Punkte mehr als Freitag. Also muss die Devise weiter lauten: Geld zusammenhalten und abwarten oder Positionen in Staatsanleihen aufbauen. Am Rentenmarkt winken immerhin mehr als fünf Prozent und die sind garantiert. Das ist nicht viel, stimmt. Aber dafür sicher.

Sicherer als der künftige Kurs der Mannesmann-Aktie. Vorstandschef Klaus Esser hatte vergangene Woche nocht angekündigt, der Kurs werde auf 350 Euro steigen. Am Freitag gehörte Mannesmann erst einmal zu den Tagesverlierern so wie die Konkurrenz aus Bonn, die Deutsche Telekom. Bei der Telekom sieht es nämlich bei den Gewinnen gar nicht mehr "magenta" also rosig aus.

Die Anleger haben allerdings erst mit einem Tag Verspätung auf die schlechten Nachrichten reagiert. Die Telekom will jetzt gegensteuern: Schon für Dienstag ist eine Pressekonferenz angekündigt. Da wird es wohl Informationen über den geplanten Börsengang der Töchter geben.

Die Spezialisten von Morgan Stanley Dean Witter sehen die Software-Branche im Aufwind. Vor allem SAP. Die Analysten sind von der Internet Plattform mySAP.com überzeugt. Die Aktie wurde hochgestuft, Kurziel 800 Euro. Im laufenden Jahr soll der Gewinn pro Aktie bei 6,90 Euro liegen. Das wären etwa 1,20 Euro mehr als für 1999 geschätzt werden.

Am Neuen Markt wechseln die Favoriten täglich. Die Nemax All Share konnte die Woche auf Rekordniveau beenden. Dabei reagieren gerade die Technologie-Werte normalerweise besonders heftig auf steigende Zinsen. Verkehrte Welt. Die Gefahr eines Absturzes wird bei diesem Irrsinn jedenfalls täglich größer.

Bei den Nebenwerten vor allem bei den kleinen, die im Smax enthalten sind, keimt immer wieder Hoffnung auf. Demnächst erhalten sie sogar eine eigene Internetseite. Die wird smartcaps.com heißen. Eine Idee des PR-Hauses Charles Barker aus Frankfurt. Die Agentur beschäftigt sich schon länger mit kleinen Werten und bescheinigt diesen ein großes Potenzial. Bislang vergeblich. Ob das daran liegt, dass diesen Unternehmen einfach die Fantasie fehlt? Schaut man sich den Smax einmal genauer an, dann stellt man fest, dass hier der gute alte Mittelstand vertreten ist. Hier trifft sich Maschinenbau und Bekleidungsindustrie, woher sollen also die Wachstumsgeschichten kommen. Mit vielen Aktien aus diesem Bereich konnte man in den letzten Jahren sein Vermögen nahezu vernichten. Abwarten, ob eine Internetseite dies ändern wird. Die URL "smartcaps.com" ist aber noch nicht freigeschaltet. Bisher erhält man nur eine file not found-Meldung.