Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - So golden jedenfalls ist noch kein Handschlag in der deutschen Management-Geschichte gewesen. Klaus Esser, oberster Feldherr bei der verlorenen Abwehrschlacht gegen Vodafone, fällt weich und allen Aktionären ein Stein vom Herzen. So hatten das die Aktionärsschützer nun auch nicht gemeint. "Er hat einen guten Job gemacht", hatten sie in der vergangenen Woche Klaus Esser noch bestätigt, ihm auf die Schulter geklopft und leise Adieu gehaucht. Dass Esser in den nächsten vier Jahren 60 Millionen Mark kassiert, ist allerdings auch den Aktionärsschützern dann doch etwas zu happig. Dazu der Abschiedsschmerz von der Mannesmann-Aktie. Als Dax-Schwergewicht hatte sie den Index jahrelang maßgeblich beeinflusst und zuletzt monatelang Dax- und Anlegern spannende Zeiten beschert. Am Freitag 17.30 Uhr läutete dem Dax-Wert Mannesmann dann das Totenglöckchen. Dass die Aktie auch noch im Minus schloss, macht die Sache kaum besser. Weil der Firmensitz von Vodafone-Mannesmann künftig im Ausland liegt, fliegt die Mannesmann-Aktie aus dem Dax. Und weil nicht nur bei Börsianern gelegentlich die Regel gilt: "Aus dem Auge aus dem Sinn", rechneten alle mit einem kräftigem Kursrutsch. Aber ähnlich wie bei Vodafone wäre es Mannesmann fast ein letztes Mal gelungen, alle an der Nase herumzuführen. Die Aktie nämlich stieg an ihrem letzten Tag im Dax zeitweise um sieben Prozent und ließ viele von einem Mysterium sprechen. Alle hatten sie auf ein Minus gesetzt. Eine Aktie, die aus dem Dax fällt, fällt aus vielen Fonds heraus, die den Dax nachbilden.
"Verkaufen" lautete die Empfehlung und wie so oft lagen die Profis daneben. Erst wenige Minuten vor Börsenschluss fiel das Mannesmann-Papier ins Minus und im übrigen in die Bedeutungslosigkeit. Mannesmann ist tot. Es lebe Vodafone.
Reichlich Leben herrschte erneut am Neuen Markt. Ein Wochenplus weit jenseits der Zehn-Prozent-Marke ist so abenteuerlich, dass eigentlich schon bald etwas passieren muss. Kursfeuerwerke von bis zu 200 Prozent Plus an einem Tag gibt es in kaum einem anderen europäischen Börsensegment. Und selbst die biedere Sachsenring AG; einst der erste börsennotierte Wert aus Ostdeutschland, katapultierten sich durch ein Joint-Venture mit DaimlerChrysler binnen Tagesfrist um knapp 50 Proeznt nach oben. Dazu kommt der Run auf alles, was für Medien und Internet stehen könnte. Nicht umsonst ist die Pro-Sieben-Aktie - im M-Dax notiert - zuletzt um über zehn Prozent gestiegen. Time Warner und AOL lassen als große Vorbilder grüßen.
Und gegrüßt hat diese Woche auch Telekom-Chef Ron Sommer. Er weihte in Berlin die Hauptstadt-Repräsentanz ein, der Kanzler lächelte milde und Sommer, der alte Fuchs, nutzte die Gunst der Stunde. Er bot allen Schulen kostenlose T-Online-Internet-Anschlüsse an. Das ist mehr als eine freundliche Geste. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Sommers Rechnung jedenfalls wird aufgehen. Die Schüler, so sie nicht längst zuhause am Netz hängen, werden die T-Online-Kundenzahl kräftig nach oben treiben. Das nennt man vorausschauende Kundenpflege. Die nämlich kann gar nicht früh genug beginnen. Abgesehen davon hat der Telekom die angekündigte Preisoffensive im Online-Bereich mit sogenannten Flat Rates, also Pauschalangeboten für einen Monat, an der Börse bisher kaum etwas gebracht außer einem Minus beim Kurs. Aber der liegt derzeit ohnehin jenseits von Gut und Böse und treibt allen, die einst über die Telekom-Aktie gespottet haben, nachträglich die Tränen in die Augen.
Die einzige Bombe übrigens, die diese Woche platzte, war auch noch echt. Sie versetzte das Banken- und Börsenviertel von New York am Freitag in Angst und Schrecken. Die Kurse haben das diesmal jedenfalls nicht geschafft.