Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Fusion beschlossen - Aktionäre vergrault. Deutsche-Bank-Chef Rolf Breuer und der Chefbanker der Dresdner, Bernhard Walter, dürfen sich gratulieren. So kräftig ist selten ein frisch vermähltes Fusionspärchen an der Börse verprügelt worden.
Von Maya Dähne
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Immerhin hatten die Anleger damit in der abgelaufenen Börsenwoche ein Gesprächsthema und vertrieben sich durch die neuesten Entwicklungen in der deutschen Banken- und Versicherungslandschaft elegant die Zeit bis zum lang ersehnten Start der Infineon-Aktie.

Die Ohrfeige des Analysten ist die Herabstufung einer Aktie. Zu viel bezahlt, zu viel geopfert und zu wenig Perspektive geboten. Das Urteil der Analysten fiel verheerend aus. Die niederländische ABN Amro rechnete den Mißerfolg der Deutschen Bank sogar auf Heller und Pfennig zusammen. Sechs Milliarden habe Breuer de facto aus dem Fenster geworfen und obendrein ohne Not die bankeigene Goldgrube, die DWS-Fondstochter, an die Allianz verschleudert.

Es war nicht die Fusion an sich, die den Branchenkennern die Tränen in die Augen trieben, es waren die Modalitäten dieses Mega-Deals, die bei Deutschlands Vorzeige-Instituten zu einem nachgeholten Winterschlussverkauf an der Börse führten. So hatten sich das die erfolgsverwöhnten Banker nicht vorgestellt.

Immerhin gibt es auch Gewinner dieser Fusions-Party. Die HypoVereinsbank und die Commerzbank tauchen plötzlich wieder auf den Empfehlungslisten der Analysten auf. Die GZB-Bank rät, Finanzwerte "an schwachen Tagen" nachzukaufen und die Berenberg-Bank spricht von neuer "Phantasie in der Finanzbranche".

Die ist bei einer Aktie wie der Allianz gar nicht notwendig. Mit der Fondstochter DWS darf sich Deutschlands größte heimliche "Bank" eine besonders farbenprächtige Feder an den Hut stecken. Sollte obendrein die beabsichtigte Steuerreform tatsächlich Erträge aus Beteiligungsverkäufen vor einem allzu heftigen Hinlangen des Staates bewahren, dann ist die Allianz auch bei einem Kurswert von derzeit über 400 Euro nachgerade ein Schnäppchen.

Wer es preiswerter haben möchte schaut sich bei den Verlierern dieser Tage um. DaimlerChrysler, RWE, Bayer, aber auch trotz momentaner Kurszuwächse Fresenius Medical Care stehen bei den Commerzbank-Experten auf der Einkaufsliste. Und die BfG-Bank setzt noch BASF, Degussa Hüls, MAN und Thyssen-Krupp dazu. Die Papiere all dieser Unternehmen haben sich gegen den Trend entwickelt und 15, teilweise 20 Prozent seit Jahresbeginn verloren. Da ist für Optimisten und Pessimisten gleichermaßen was dabei: Die Optimisten hoffen, dass der Gesamtmarkt weiter nach oben geht und dadurch großes Potential bei den zurückgebliebenen Werten besteht. Und die Pessimisten glauben, dass der Gesamtmarkt ohnehin demnächst zusammenbricht und die zurückgebliebenen Werte dann weniger hart getroffen werden könnten.

Metro oder auch Karstadt-Aktien allerdings sind spätestens seit den Gewinnwarnungen von Procter & Gamble oder Dial Corp. in den USA endgültig in die Verlierer-Ecke verstossen worden.

Spannend bleibt die Frage, wer nach der Fusion von VEBA und VIAG sowie Deutscher und Dresdner auf die freigewordenen Plätze im Dax folgt. Anleger, die trotz 30facher Überzeichnung Infineon-Papiere erhalten haben, sollten zumindest solange mit dem Verkaufen warten, bis Infineon im Dax Platz genommen hat. Andere Aspiranten sind neben der Beteiligungsgesellschaft WCM der Highfligher EM.TV, der bei weiter steigendem Börsenwert demnächst locker so ehrwürdige Adressen wie DaimlerChrysler oder Volkswagen in die Tasche stecken könnte.

Und wer wissen will, was der Neue Markt macht, der muß auf die Aktie von Intershop gucken. Keine zwei Jahre nach dem Börsengang will der Softwareanbieter ein Zweitlisting an der Nasdaq in New York. Wenn es klappt ist Intershop nicht nur einen Kauf wert, sondern steht dann auch noch einträchtig gemeinsam neben Ikonen wie Intel, Dell, IBM oder auch Microsoft auf einem Kurszettel. Das wäre wirklich eine Börsen-Karriere.