Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Am Aktienmarkt ist derzeit vor allem eines gefragt: starke Nerven. Zwar haben die Kursschwankungen bereits seit Monaten zugenommen. Doch ein derart rasantes Auf und Ab wie zur Wochenmitte löste auch bei erfahrenen Börsianern Kopfschütteln aus. Kommentar auf dem Parkett: "Der Markt spielt verrückt."
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Hamburg - Für Anleger war dabei alles drin. Wer die Nerven verlor und seine Aktien nach dem ersten Kursrutsch verkaufte, muss sich über Verluste ärgern. Wer dagegen zum richtigen Zeitpunkt einstieg, darf sich über satte Gewinne freuen. Und wer einfach nur Ruhe bewahrte, für den endete die Woche fast auf dem gleichen Niveau wie vor sieben Tagen.

Am Freitagnachmittag lag der Deutsche Aktienindex mit 7500 Punkten kaum ein Prozent unter dem Schluss der Vorwoche. Am Neuen Markt, der besonders durchgeschüttelt wurde, verbuchte der Nemax-50 sogar einen Wochengewinn von 100 auf 7533 Punkte.

Was dazwischen lag, werden viele Anleger so schnell nicht vergessen. Zum Wochenbeginn verloren die Aktien der so genannten New Economy - vor allem aus Telekommunikation, Medien, Technik - stark. Am Mittwoch stand die New Yorker Wall Street dann vor einem Crash, als der Nasdaq-Index vorübergehend um mehr als 13 Prozent abstürzte. Dann aber machte er die Verluste noch vor Handelsschluss fast vollständig wieder wett. So heftig hatten die Kurse an einem einzigen Börsentag noch nie zuvor geschwankt.

In Frankfurt sahen die Börsianer am Donnerstag, was sie sehen wollten: Entwarnung. Der Neue-Markt-Index Nemax-50 gewann fast 900 Punkte und damit mehr als 13 Prozent, den höchsten Tageszuwachs in der dreijährigen Geschichte. Reihenweise legten Technologieaktien um 30 Prozent und mehr zu. "Wir spielen schon wieder das alte Monopoly für Erwachsene", sagte Aktienhändler Günter Burgold von der BHF Bank fast schon resignierend.

Die Investmentbank Lehman Brothers Aktien mahnte zur Vorsicht. Die jüngste Rotation aus den Aktien der New Economy hin zu traditionellen Branchen reiche noch nicht aus, um die Überbewertung der Technologietitel zu korrigieren. Dies gelte umso mehr, als auch die traditionellen Aktien im Vergleich zu festverzinslichen Anlagen um 8 bis 10 Prozent überbewertet seien.

Mitten in die nervöse Stimmung hinein platzte am Mittwoch die Nachricht, dass Deutsche und Dresdner Bank ihre Fusion abblasen. Dennoch gehörten die Aktien der gescheiterten Fusionsbanken zu den Gewinnern der Woche.

Zu den Verlierern gehörte die Aktie der Deutschen Telekom. Die T-Aktie wurde dafür bestraft, dass die Telekom die Preisspanne für die Aktie ihrer Internet-Tochter T-Online niedriger ansetzte als erwartet. Auch in der nächsten Woche kann die T-Online-Aktie noch für 26 bis 32 Euro gezeichnet werde.

Die Anleger müssen sich auf eine weitere rasante Börsenwoche einstellen. Es kämpfen die Bullen gegen die Bären, die Old gegen die New Economy, die Angst gegen die Gier. Nichts wäre schlimmer, als den nächsten Ansturm zu verschlafen. Denn während der Hausse seit Oktober dürften einige das Gefühl gehabt haben, Chancen verpasst zu haben. Dieser Ansatz bringt kaum den von der Korrektur erhofften "Realitätssinn" an die Börse zurück.