Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Was haben sie gezittert die glücklichen T-Online-Roberts unter den Anlegern. Am Ende der Woche der Wahrheit schloss Ron Sommers jüngster Spross dann immerhin elf Euro über dem Ausgabepreis. Was vor zwei Monaten ein Debakel gewesen wäre, wird nun als epochaler Sieg gefeiert. Wer jetzt unken will, kann anführen, dass die Wochen der Wahrheit vermutlich erst noch kommen. Denn das, was in der kurzen Börsenwoche hierzulande passierte, war kein Crash. Das war kein Absturz. Das war ein kleiner Schuss Wasser in den Wein der allzu gierigen Aktienenthusiasten. Der Dax jedenfalls dürfte seinen Boden noch nicht einmal berührt haben. Das generelle Gerede von Kaufkursen wird demnach vor allem von jenen betrieben, die ihre eigenen Aktienwerte möglichst schnell wieder aus dem Keller hieven wollen.
Im Keller ist mittlerweile auch ein so honoriger Wert wie die DaimlerChrysler-Aktie angekommen. Von vielen Bankhäusern nahezu verzweifelt seit Monaten zum Kauf empfohlen scheinen einzig die DaimlerChrysler-Manager selbst mit ihrem üppigen Aktien-Optionsprogramm für leitende Mitarbeiter an dem Papier interessiert zu sein. Dabei plant Schrempp wie immer in großen Dimensionen. Die Nummer eins soll der Konzern werden. Ach, hätte er doch geschwiegen. Denn noch während Jürgen Schrempp auf der Hauptversammlung die Zukunft entwarf, sackte der Kurs erneut um fast vier Prozent. Da darf ein Vorstandsvorsitzender schon mal beleidigt sein, weil ihn und seine Visionen offenbar niemand versteht. Dass die Aktie Ende vorigen Jahres mal fast dreistellig notierte, scheint vielen Kleinanlegern so weit weg zu sein wie ein Mercedes der S-Klasse der eigenen Garage.
Weit weg ist auch SAP in diesen Tagen von selbstgesteckten Zielen und Kursen besserer Zeiten. Trotz durchwachsener Zahlen steigt die Aktie erst rasant, um anschließend wieder da zu landen, wo sie eine Woche zuvor gestartet war. Deutlich mehr als der Gesamtmarkt ist das SAP-Papier bei der allgemeinen Kurskorrektur verprügelt worden. Über 450 Euro von alten Höchstständen entfernt ist die Dax-Mimose zwar noch immer kein Schnäppchen aber eine mögliche Langfristanlage ist sie gewiss.
Als solche gilt auch die Deutsche Telekom. Und wenn Ron Sommer weiter nur redet und in den USA nicht endlich tatsächlich aktiv wird, dann dürfte der Telekom-Kurs beizeiten noch deutlicher abrutschen. Er denke beim Thema USA an eine Akquisition hatte Sommer verkündet. Der Telekom-Aktionär hört es wohl, allein es fehlen Taten. Gut möglich, dass Aktionäre beim Thema Telekommunikation demnächst nicht mehr an die Telekom denken. Die spanische telefonica beispielsweise gilt als günstige Alternative, die ihren Fuß immerhin in die Tür zum lateinamerikanischen Markt gestellt hat.
Damit wären wir bei Udo Lindenberg. Der Panikrocker gab diese Woche die Devise für den Börse aus: Auch das Proletariat kann dabei sein. Udos Segen also haben wir. Konkrete Empfehlungen allerdings ist auch Udo Lindenberg schuldig geblieben. Beim Blick auf den Neuen Markt, der im Augenblick so alt aussieht wie selten, kann man den Panikrocker verstehen. Das Proletariat kann dabei sein. Muss aber nicht. Zumindest nicht jetzt. Es kommen bald bessere Zeiten.