Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Keine goldenen Zeiten für Autobauer. DaimlerChrysler dümpelt irgendwo im nirgendwo. BMW säuft der Motor und das Image ab und Volkswagen muß zusehen, dass trotz der gläsernen Fabrik in Dresden das Anlegervertrauen nicht in tausend Scherben zerbricht. Und da wäre als Sahnehäubchen ja noch der Euro, über den die Börse tuschelt.
Von Maya Dähne
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Hamburg - Umfragen können ja so nützlich sein. Jetzt wissen wir - forsa sei dank - das die Intelligenz weiter auf den Euro vertraut. Abitur macht eurogläubig. Dabei kommt es wirklich knüppeldicke: der künftige Notenbankchef Trichet muß demnächst vor den Kadi. Die Euro-Druckereien streiken und hierzulande fällt dem CSUler Michael Glos nichts dümmeres ein als die Behauptung: Der Euro macht die Deutschen ärmer. Siemens-Aktionäre dürften das anders sehen. Bayer-Anteilseigner sicher ebenso. Ein Cent pro Euro weniger sind zehn Millionen Euro Gewinn mehr in der Konzernkasse. Euroschwäche? An der Börse kichern sie heimlich über das allgemeine Wehklagen. Und Infineon-Aktionäre kichern mit. Für sie hat sich der Einstieg in die Welt der Halbleiter als Erfolgsleiter erwiesen. Der Kurs ist ordentlich die Perspektive offenbar so gut, dass sich die Deutsche Bank nicht genierte, ihre eigene Prognose um läppische 100 Prozent höher anzusetzen. Man wird sich ja noch mal verrechnen dürfen.

Infineon also hui, Telekom dagegen pfui. Zumindest ausgerechnet an dem Tag, als Ron Sommer als stolzer Oberprimaner der Welt erklärte, dass UMTS die Zukunft sei und die Telekom gerade in Großbritannien das Ticket für die Zukunft gelöst habe brach der Kurs zusammen. Das verstehe wer will. Sicher war das Ticket für 13 Milliarden Mark kein echtes Schnäppchen. Dafür sitzt die Telekom jetzt aber auf der Insel in der ersten Reihe. Beste Plätze also. Nur hierzulande hat's keiner gemerkt. Die Vereins- und Westbank denkt da anders. Sie empfiehlt all jene Unternehmen, die jetzt um die deutschen UMTS-Lizenzen buhlen und zum besten Freund von Kassenwart Eichel werden. Telekom, Telefonica, Mobilcom. Viag sind potentielle Kandidaten für UMTS ebenso wie fürs eigene Depot.

Überhaupt steht nach wie vor die spannende Frage im Raum, ob es nun High-Tech-Titel oder die von Schweiß und Schmierfett umhauchten Old-Economy-Werte sind, die ins Depot gehören. Die Conmerzbank rät zu Bewährtem, Preussag nach dem Motto: Gereist wird immer. RWE und Adidas Salomon. Dazu Fresenius Medical Care und mal wieder DaimlerChrysler. Beim Blick auf den DaimlerChrysler Kurs allerdings entsteht der Eindruck, dass deutsche Anleger wohl noch nie so hartnäckig die gebetsmühlenartigen Empfehlungsoden von Banken und Analysten ignoriert haben. Und wer ins Ausland geht, stolpert als kursorientierter Anleger zwangsläufig wieder über Nokia. Alle, die darauf gewartet haben, dass diese Aktie günstiger wird, dürften sich ärgern. Gerade ist das Papier nach traumhaften Quartalszahlen auf ein neues Allzeithoch geklettert. Anleger mit Traute könnten über Microsoft nachdenken. Trotz oder wegen der Zerschlagung. Der Kurs ist niedrig, das Risiko hoch. Höher jedenfalls als das des Konkurrenten Apple, der trotz eines gigantischen Kursniveaus als Kauftitel gilt. Wers noch spekulativer mag schaut sich am Neuen Markt um und denkt über Ixos nach. Schlechte Zahlen, ein Kursrutsch der sich gewaschen hat aber eine treue Fangemeinde, die an Ixos glaubt. War noch was? Richtig. Am Freitag ist Hauptversammlung bei SAP. Da dürfte die Dax-Mimose wieder ins Wanken geraten. Es ist halt Frühling und die Kurse schlagen aus.