Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Deutsche Anleger haben schon langweiligere Börsenwochen erlebt, Telekom-Aktionäre einmal ausgenommen. Denn ausgerechnet die Volksaktie wird gerade von der wankelmütigen Analystenschar zum großen Langeweiler erklärt: Bis zur Ausgabe der dritten Tranche Telekom-Aktien wird in Sachen Zukäufe nichts mehr passieren. Ron Sommers Träume von Land der unbegrenzten Möglichkeiten haben also Grenzen bekommen, der Kurs fiel unter die Marke von 70 Euro.
Nicht viel geht derzeit auch für DaimlerChrysler. Die asiatischen Pläne von Jürgen Schrempp scheint niemand so richtig begreifen zu wollen. Da mutet es geradezu symbolisch an, dass der Konzern der Deutschen Fußball-Nationalmannschaft als Hauptsponsor erhalten bleibt. Doch zwei Verlierer zusammen machen eben keinen Gewinner. Wobei die DaimlerChrysler-Aktie im Gegensatz zur Ribbeck-Truppe wenigstens viel Potenzial und trotz ernüchternder Kurse eine treue Fangemeinde unter den Analysten hat.
Wenn wir schon über Fußball reden: Auch Siemens geht jetzt auf den Bolzplatz. Der High-Tech-Konzern wirbt demnächst auf den Leibchen von Lazio Rom und dürfte sich die 50 Millionen Mark für drei Jahre Leibchen-Garantie locker leisten können. Denn die Taschen sind nach den mustergültigen Börsengängen von Epcos und Infineon so schwer gefüllt, dass der Konzern kaum noch laufen kann. Siemens jedenfalls ist weiter ein Kauf. Und was für die Mutter gilt, trifft auch auf die beiden schönen Töchter zu. Infineon dürfte unmittelbar vor dem Sprung in den Dax und einer mittelfristig glänzenden Zukunft stehen.
Halbleiter boomen eben, und da schneiden sich auch andere Unternehmen ein Scheibchen vom Gewinn ab. SZ-Testsysteme ist so ein Wert. Der Laden hat die jüngsten Turbulenzen am Neuen Markt nahezu spurlos überstanden, klettert langsam aber beständig nach oben und ist nicht nur für die Analysten der Hamburger Berenberg-Bank ein nicht mehr ganz geheimer Geheimtipp.
Das gilt übrigens auch für die Geschichten über das "Kleine Arschloch". Wer darüber lachen kann, ist vielleicht beim herausgebenden Frankfurter Eichborn-Verlag gut aufgehoben. Der geht am 9. Mai an die Börse. Für 12 Euro ist eine Aktie - im Börsensegment Smax notiert - zu bekommen. Wer es etwas solider mag sollte sich bei handfesten Titeln aus dem Dax bedienen. RWE und Preussag stehen weiter auf der Empfehlungsliste der Commerzbank. Die Investmentbanker von Goldman Sachs prognostizieren der Lufthansa einen anhaltenden Höhenflug.
Und wo wir schon bei Perspektiven sind, darf SAP nicht fehlen. Neuer abenteuerlicher Höhepunkt in Sachen Kursziel ist ein Wert von 1400 Euro, den ein allzu optimistischer "Börsenexperte" in die Welt posaunte. Bis es soweit ist, dürften deutsche und britische Börse längst verschmolzen sein und sich endgültig auf einen Namen geeinigt haben, der nicht schon seit 1988 von einem Computermagazin geführt wird.