Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Die Idee klingt bestechend gut. Sperrige Güter sollen schnell durch die Luft transportiert werden - mit einer Art Zeppelin. Cargo Lifter hängt diesem Traum seit einiger Zeit nach. Das Unternehmen will die Zigarre wieder zu einem gewohnten Bild am Himmel machen. Aber für derartige Visionen fehlt es an Phantasie in einem Hightech-Markt, der doch schwer zur Ader gelassen wurde.
Bisher nämlich ist nur die heiße Luft da, mit der man Zeppeline nicht füllen sollte. Wann die Luftschiffe ihre Fahrt aufnehmen und ob der Markt groß genug ist, da klaffen die Meinungen weit auseinander. Während die einen schon Cargolifter mit der Hindenburg vergleichen, verweisen andere auf das immense Marktpotential. Aber Erwartungen sind in der Vergangenheit zu oft enttäuscht worden. Es folgte Das Unvermeidliche: Der Ausgabepreis lag bei 15 statt der erhofften 18 Euro, der erste Kurs wurde bei kümmerlichen 15,50 festgestellt. Seither dümpelt das Papier unter Ausgabepreis.
Ein ganz schlechtes Signal ist es auch, wenn der Kapitän eines Schiffes als erster zu den Rettungsbooten rennt. Das Augsburger Softwarehaus CPU enttäuschte die Experten mit Quartalsverlusten in Höhe von über fünf Millionen Euro. Das allein wäre schon Grund für Abschläge um gut und gerne zehn Prozent gewesen. Aber dann erklärte auch noch der Vorstandschef seinen Rücktritt. Die Begründung "aus familiären und gesundheitlichen Gründen" verhallte ungehört. Normalerweise ist dafür auch am Kapitalmarkt Verständnis genug da. Im momentan höchst nervösen Umfeld brachen CPU um 30 Prozent ein.
Und trotzdem steigen sie wieder, die Aktien am Neuen Markt. Fortunecity und Freenet hießen die Favoriten. Und während man bei Freenet, einem Anbieter Eines kostenlosen Internet-Zugangs noch auf steigende Kundenzahlen verweisen konnte, gerieten Börsianer bei der Online-Community Fortunecity in Erklärungsnot. Die Aktie sei optisch billig, hieß es. Dies allerdings verbunden mit der Warnung, man Wisse auch nicht, wer von den unzähligen Internet-Firmen am Ende eines kannibalischen Verdrängungswettbewerbs übrig bleiben werde.
Anlass für die kräftigen Gewinne zum Wochenschluss waren - wieder mal - Konjunkturdaten aus den USA. Wobei die oft strapazierte Formel "viele Arbeitslose - gut für Aktien" in ihrer verkürzten Form menschenverachtend wirkt und schlicht falsch ist. Niemand freut sich über viele Arbeitslose, sondern darüber, dass die Wirtschaft in den USA nicht mehr ins Unermessliche brummt. Die Zinspolitik der US-Notenbank scheint also ein "Soft Landing", eine sanfte Landung nach langem Höhenflug, hin zu bekommen. Damit ist eine weitere Zinserhöhung nicht nötig, der Dollar verliert als Anlagewährung an Attraktivität. Daraus ziehen die Händler das Kurspotential.
Die Katerstimmung der vergangenen Woche ist jedenfalls vorbei. Der Dax hat Es wieder über die 7000-Punkte-Linie geschafft, der Nemax 50 stieg binnen fünf Tagen um gut 1000 Punkte. Die Konsolidierungsphase scheint vorbei, wobei Händler Rückschläge insbesondere am Neuen Markt nicht ausschließen. Viel hängt Davon ab, ob nun die privaten Anleger auf den Zug springen. Bleiben die aus, könnte es spätestens im August wieder rutschen.
Gelegenheit zum Aktienhandel ist ja reichlich vorhanden. Die ersten Gehversuche an einem Feiertag und zwischen 17.30 Uhr und 20 Uhr waren allerdings mau. Deutsche Fondsmanager klappten ihre Bücher auch am Freitag um 18 Uhr zu, so war zu vernehmen. Und die US-amerikanischen Großinvestoren, die die Börse locken will: "Wahrscheinlich beim Mittagessen", vermutete ein Händler.