Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Die Flaute hat so ziemlich alle Bereiche der Börse erfasst. Der dritte Börsengang der Telekom ließ den Glamour der vergangenen Auftritte des rosa Riesen vermissen, wenn man von den gewohnten magenta-farbenen Würfel auf dem Börsenvorplatz mal absieht. T-Aktien schlossen mit 63,50 Euro am Freitag auf dem rabattierten Ausgabekurs vom Montag.
Zu großzügig soll Ron Sommer vor allem Fonds und andere Großanleger bedacht haben. Auch einige Privatanleger dürften beim Blick in ihr Portfolio nicht schlecht gestaunt haben, vor allem als T-Online-Kunden, die noch einmal zusätzlich bevorzugt wurden. Als jedenfalls der Zahltag fürs Aktiengeschäft nahte, setzte eine Verkaufswelle ein.
Es gab zu wenig Nachrichten im Vorfeld des Börsengangs, monieren Experten. Sie warten auf den großen Wurf in drei Wochen, solange ist der Konzern zum Schweigen verdammt. Dann, so die Forderung, müsse eine globale Strategie her. Ansonsten fehle der T-Aktie schlicht die Phantasie.
Für Phantasie und damit einhergehende Kurssprünge sorgten bislang traditionell die Schlagworte "E-Commerce" und "Internet". Doch davon merkt man gar nichts mehr. Die Aussage "wir wollen auch ins Web" fruchtet nicht mehr. Das bekamen am härtesten die Aktionäre der Kaufhauskette Karstadt zu spüren. Gute Gewinne konnte der Einzelhändler vorweisen. Allerdings wurden die Erwartungen für das laufende Jahr zurückgeschraubt, das allein ist schon Grund für leichte Abschläge.
Die Internet-Strategie gab dem Kurs dann jedoch den Rest. "Halbherzig", lautete das Urteil, denn Karstadt will in fünf Jahren weniger in den elektronischen Handel investieren, als Konkurrent Metro in 24 Monaten. Große Sprünge sind damit nicht zu machen, sagen Experten. Karstadt-Papiere jedenfalls brachen seit Bekanntgabe der Pläne um 25 Prozent ein.
Unausgegorene Pläne sind eine Geldvernichtungsmaschine erster Qualität. Einen Katalog ins Internet zu stellen, reicht lange nicht mehr. Ganz ohne "New Economy"-Phantasie muß ein neuer Riese in der Luftfahrt auskommen. Die EADS ist ein klassischer Industriewert, der sich für den Börsengang vor allem durch den Start des A3XX Wind unter den Flügeln erhofft. Die Emittenten setzen auf langfristiges Wachstum und verbinden ihr Papier mit dem doch arg strapazierten Begriff "Volksaktie".
Zuletzt hatte man sich bei Comdirect von diesem Begriff distanziert. Zu Zeiten der Mega-Haussen am Neuen Markt galten Langfrist-Anleger sowieso als Warmduscher unter den Aktienkäufen. Einige Turbulenzen später allerdings scheint diese Spezies wieder in den Fokus zu rücken.
In Mode scheint es indes zu kommen, bei Börsengängen mit verdeckten Preisschildern zu operieren. Nachdem Telekom-Chef Ron Sommer erfolgreich die Katze im Sack verkauft hatte, hält sich nun auch die EADS bedeckt. Es wird jedoch damit gerechnet, dass der Preis eng am Kurs der Aerospatiale Matra liegen soll.
Vielleicht sind langfristig orientierte Anlagen tatsächlich eine gute Sache, vor allem in Zeiten, in denen der Neue Markt in Lethargie versinkt. Hier wird vor allem mit Zinssorgen argumentiert, obwohl Volkswirte nach den jüngsten Konjunkturdaten aus den USA eher nicht mit einem solchen Schritt rechnen. Überhaupt wird viel auf eine gewisse Friedenspflicht verwiesen, denn im Präsidentschaftswahlkampf hält sich die Fed traditionell mit geldpolitischen Maßnahmen zurück.