Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Das Schweigen von Telekom-Chef Ron Sommer zur Strategie mündete im Vertrauensverlust, und Anlegerschützer wittern bereits ein Komplott gegen ihre Zunft. Die Banken hätten den Kurs der Telekom künstlich getrieben, um möglichst viel Geld in die Taschen des Bundes fließen zu lassen. Der dritte Börsengang der Telekom würde somit eine Art Soli für die Haushaltssanierung beeinhalten.
Auf keinen Fall jedoch sollten frustrierte Anleger Verluste in Kauf nehmen und nun verkaufen, sagen Experten. Vor allem für jene, die zum Höchstkurs um 104 Euro eingestiegen seien, gelte die Devise: Augen zu und durch. Das kann hart werden, aber im Sog haussierender europäischer Telekomwerte ist eine Erholung möglich.
Auf harte Proben werden immer wieder auch Freunde des Neuen Marktes gestellt. Metabox-Aktionäre mußten mit ansehen, wie ihr Papier von knapp 50 Euro peu à peu auf 19 Euro absackte und sich dann auf 30 Euro erholte. Am Mittwoch kam es zur Explosion. Der Produzent von Internet-Set-Top-Boxen, mit denen TV und www verknüpft werden, soll 1,8 Millionen dieser Kästen nach Skandinavien liefern. Metabox schossen um über 60 Prozent in die Höhe und legten am Freitag noch einmal 15 Prozent drauf.
Damit haben die Analysten einen neuen Liebling gefunden. Ihr Urteil: Strong buy trotz des nun stolzen Preises von 133,50 Euro. Aber Achtung, bei dem Deal handelt es sich bisher nur um eine Absichtserklärung. Es finden sich also doch immer wieder Perlen am Neuen Markt, aber sie verstecken sich gut.
Generell verstecken sich die Optimisten. Denn das Argument, dass der Aktienmarkt nur einen Tag nach einem nicht erfolgten Zinsschritt in den USA wieder von Zinsängsten belastet wird, erscheint auch den Börsianern auf dem Frankfurter Parkett als eher fadenscheinig. Denn die Strategie von Alan Greenspan erscheint vielen wie ein offenes Buch. Einen Schritt noch im August oder Oktober und dann ist Ruhe. Daran ist nichts furchterregendes, sagen Händler, von denen einige schon das Gute in höheren Zinsen sehen. Denn wenn die Notenbanken die Freiheit haben, bedeutet das nichts anderes, als das Unternehmen gute Gewinne erwirtschaften, die Arbeitslosigkeit auf dem absteigenden Ast ist.
Aber an Zauder-Märkten verhallen solche Signale ungehört. Auch in der kommenden Woche, die sich als voraussichtlich nachrichtenarm präsentiert, dürfte eine Sommer-Rallye wohl kaum gestartet werden. Positive Signale könnte die Fusion von Dresdner und Commerzbank setzen. Angeblich will man ja in den kommenden Tagen entscheiden, ob eine Hochzeit Sinn macht. Das große Fragezeichen steht hinter Commerzbank-Großaktionär Cobra, der dem Vernehmen nach eher auf internationale Partnerschaften setzt und inzwischen als zerstritten gilt.
Wenn es zur Annäherung kommt, so wird sie vorsichtig erfolgen. Sanft werden sich die Kandidaten umgarnen, denn ein weiteres geplatztes Aufgebot kann sich die deutsche Banklandschaft allein aus Image-Gründen nicht leisten.