Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Wenn sich die Braut einmal nicht traut, dann ist das zu verschmerzen. Zwei gescheiterte Ehen in der Bankenlandschaft sind dagegen fast schon ein Debakel. Wobei die Börsianer bei der Dresdner das grüne Band der Sympathie zerschnitten haben, die Commerzbank allerdings fast ungeschoren davon kommen ließen.
Von Stefan Wolff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Wie man einen Zusammenschluss ganz unprätentiös vollzieht, das bekamen die beiden Frankfurter Großbanken von der Konkurrenz aus Bayern vorgeführt. Mit der Bank Austria verfolgt die HypoVereinsbank strikt ihre Strategie, "Bank der Regionen" zu bleiben und damit zu wachsen. Dabei traten die beiden Finanzhäuser wie gleichberechtigte Geschäftspartner auf. Keiner ließ seine Größe heraushängen. Es ging auch nicht darum, Töchter zu filettieren oder einen Sieger zu präsentieren, sondern ums Geschäft.

Ganz anders bei dem Versuch der Eheanbahnung zwischen Dresdner und Commerzbank. Hier scheiterte das Vorhaben an "Bewertungsfragen", angeblich, weil die Commerzbank in diesem Duo nicht 40 Prozent wiegen wollte. Dennoch teilten die meisten Branchenbeobachter die Meinung von Dresdner Bank-Chef Fahrholz. "Es nicht versucht zu haben, wäre eine Unterlassungssünde gewesen", hatte er nach dem Scheitern der Gespräche mit der Commerzbank gesagt.

Der Preis für den Versuch ist allerdings hoch. Denn das Image der Dresdner Bank liegt am Boden, das grüne Band der Sympathie scheint zerschnitten. "Die Dresdner gilt nun als nicht vermittelbar", sagen Analysten. Hinzu komme, dass das Betriebsklima im Bankturm der Dresdner nun am Boden liege.

Natürlich hat die Nummer drei der deutschen Großbanken die fehlgeschlagene Eheanbahnung mit der Deutschen noch nicht verdaut. Die immensen Halteprämien, die das Haus für ihre Top-Leute gezahlt hat, belasteten das Halbjahresergebnis. Einen Exodus werden die Prämien trotzdem nicht verhindern können. Denn durch die Finanzspritze von ganz oben haben sich die ohnehin schon fürstlich bezahlten Investmentbanker lediglich für ein halbes Jahr gebunden.

Kommt also nicht bald Ruhe in den Karton, dann haben die Mitarbeiter der Dresdner zu früh die Sektkorken knallen lassen. Denn dass sich etwas verändern wird, scheint klar. Die Dresdner eifert dem Branchenprimus nach, wird also wahrscheinlich nach dem Modell der Deutschen ihr Privatkundengeschäft ausgliedern, um sich ganz auf die großen Fische zu konzentrieren.

Eine nicht unerhebliche Rolle dürfte dabei der Allianz zukommen, die als Großaktionär bei den gescheiterten Fusionskandidaten Deutsche und Dresdner schon vom Aufstieg in die Liga der Allfinanzkonzerne träumen durfte, nun aber Gefahr läuft, die Geduld mit ihrer 20-Prozent-Beteiligung an der grünen Bank zu verlieren. Einige Branchenkenner munkeln schon von einer drohenden Zerschlagung der Dresdner, die ja über durchaus interessante Filetstücke verfügt, wie zum Beispiel das Investmenthaus Kleinwort Benson.

Bei der Commerzbank war ohnehin klar, dass Großaktionär Cobra eher einen internationalen Merger vorzieht. Auch wenn durch Stimmrechtsentzug der Würgegriff der Investorengruppe gelockert wurde: Die Commerzbank gilt weiterhin als der heißeste Übernahmekandidat.

Heiß wurde es in dieser Woche mal wieder für die Hightech-Aktien. Ausgerechnet der absolute Liebling europäischer Anleger erschütterte mit seinem Kurssturz die Börsen der Welt. Der finnische Mobilfunkhersteller Nokia schraubte die Gewinnerwartungen für das dritte Quartal herunter. Ein weiterer Dämpfer für Verfechter eines ungebremsten Wachstums.

Ganz anders bei der Telekom. Der Gewinnrückgang im ersten Halbjahr führte gar zu einem leichten Kursaufschwung der angeschlagenen T-Aktie. "Wer in diesen Zeiten in dieser Branche die Gewinne steigert, für den ist der Zug abgefahren", hieß es bei einem Analysten. Schließlich sei die Zeit der Investitionen angebrochen.

Was nur bedingt für die Internet-Aktien gilt. Hier reduzierte der Software- und Internet-Anbieter Fantastic die Umsatzerwartungen um 30 Prozent. Der Absturz auf 7,10 Euro erfolgte im gleichen prozentualen Umfang. Umso bitterer ist für einige waghalsige Anleger, dass das Papier scheibchenweise von fantastischen 53,50 Euro herunter geprügelt wurde.

Für etwas Licht in der schattigen Börse sorgten schließlich VW-Aktien. Der Wolfsburger Konzern gab einigen Investoren mit seinen Halbjahreszahlen Vertrauen in die Old Economy zurück. Mal sehen ob die BMW-Zahlen in der kommenden Woche weiter helfen.