Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg Inzwischen rechnen einige Börsianer sogar mit einem Börsencrash, vor allem am Neuen Markt. Aber auch Staatspapiere erscheinen nicht mehr sicher. Sollte der Euro längere Zeit unter der 90-Cent-Marke verharren, könnten ausländische Investoren im großen Stil Staatspapiere abstoßen.
Es ist wohl die Enttäuschung über die ausgebliebene Sommerrallye, die die Stimmung am Aktienmarkt vermiest. Einige Marktteilnehmer verharren in Bewegungslosigkeit. Sie wollen im Falle eines Absturzes bei Hightech-Aktien die Perlen vom Boden aufklauben. Aber massive Kaufzurückhaltung endet nicht selten in einer Hausse, wenn sich denn einige Menschen finden, die mit Käufen die Kurse antreiben.
Nach wie vor bedrückt momentan jedoch die Gewinnwarnung des Börsenlieblings Nokia. Andere Unternehmen werden folgen, heißt es. Selbst real existierende gute Quartalszahlen halfen da nicht. Epcos zum Beispiel verloren am Berichtstag über zehn Prozent. Auch bei der Old Economy brachten Händler lieber ihre Gewinne in Sicherheit. In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres verdiente die Deutsche Bank mehr als im gesamten Vorjahr. Was will man mehr?
Mehr Geschäft erhoffen sich die Telefonanbieter, wenn sie eine der begehrten UMTS-Lizenzen erhalten. Die deutsche Auktion startete schleppend. Erst am Freitag wurde die Zehn-Milliarden-Mark-Grenze übersprungen. Optimisten dürften ihre Erwartungen, dass der Bund bis zu 120 Milliarden einnimmt, deutlich zurückschrauben. An Spekulationen in dieser Höhe hat sich Hans Eichel nie beteiligt. Er dürfte zufrieden sein, wenn nach der letzten Bieterrunde die glorreichen Sieger, wie inzwischen erwartet wird, gut 50 Milliarden Mark in seine Kasse spülen.
Am Aktienmarkt fieberten die Händler nur an den ersten beiden Tagen richtig mit. Favoriten wurden im Kurs gehoben. So richtige Kapriolen gab es jedoch erst, als man im Hause Mobilcom fast einen Eklat heraufbeschwor. Die Regulierungsbehörde befand am Ende aber das Interview von Mobilcom-Chef Gerhard Schmidt als keine regelwidrige Absprache. Schmidt hatte gesagt, er würde sich über eine Kooperation mit Debitel freuen, falls der Konkurrent leer ausgehe. Ganz davon abgesehen, dass diese Sätze nicht sonderlich neu sind und auch schon weit vor Beginn der Auktion fielen die Disqualifikation zweier Bieter hätte ein ungewollt schnelles (und damit billiges) Ende der Auktion verursacht.
Auf billigere Kurse können sich einige Unternehmen aus dem Nemax 50 gefasst machen. Am Dienstag gibt der Arbeitskreis Aktienindizes bekannt, wer absteigen muss und wer die begehrten Plätze in den Top-Börsenbarometern einnehmen wird. Im Nemax 50 sind bis zu zehn Unternehmen von der Verbannung bedroht. Der Index gilt als hoffnungslos veraltet. Einige dort noch gelistete Firmen sind sogar schon bei Börsenumsatz und Marktkapitalisierung unter Platz 100 abgesackt.
Im Deutschen Aktienindex sind Adidas und Karstadt vom Abstieg bedroht. Eines der beiden Unternehmen könnte von dem Finanzdienstleister MLP ersetzt werden. Aber neben den harten Zahlen zählen auch nicht genau benannte Ermessensfaktoren. Den Börsianern jedenfalls ist der Dax jetzt schon zu branchenlastig. Den wahren Aktienmarkt spiegle der Dax nicht wieder.
Ob der Aktienmarkt in der kommenden Woche wieder zum wahren Geschäft übergeht, hängt entscheidend davon ab, wie Unternehmensdaten aufgenommen wird. Die Halbjahressaison tritt in die Hochphase.