Börsen-Kolumne: Dax-Geflüster - DER SPIEGEL
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Börsen-Kolumne Dax-Geflüster

Zumindest an den leichten Kursaufschlägen am Donnerstag ließen die Börsianer erkennen, dass sie erleichtert waren, den Milliarden-Poker um die UMTS-Lizenzen endlich hinter sich zu haben. Die Hightech-Party endete am Aktienmarkt mit einem Riesenkater.
Von Stefan Wolff
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg – Sechs Lizenzen mit je zwei Frequenzblöcken waren schon für 67 Milliarden Mark erhältlich gewesen. Jetzt haben die Bieter fast 33 Milliarden Mark draufgesattelt, inklusive der Zusatzfrequenzen. Dabei ist es den großen Spielern nicht gelungen, die Zahl der Konkurrenten zu begrenzen. Selbst das im Vorfeld als chancenlos eingestufte Gemeinschaftsunternehmen der spanischen Telefonica mit Sonera kann mitmischen im deutschen UMTS-Markt, auch wenn Branchenexperten ob fehlender Kunden und nicht vorhandener Infrastruktur nicht gerade mit einem starken Auftritt rechnen. Hohes Konkurrenzaufkommen wird es fast unmöglich machen, die hohen Auktionspreise und die noch folgenden milliardenschweren Investititionen an die Kunden weiter zu geben.

Den Kunden kann es freuen, wenn er denn überhaupt die neue Technik will. Oder falls er sie überhaupt angeboten bekommt. Denn die Gerüchte sind nicht tot zu kriegen, dass die Unternehmen schon auf neue, billigere Technik setzen. Dass sie UMTS nur gekauft haben, um die Konkurrenz auszuschalten. Das allerdings wäre dann eine wirklich teure Tasse Tee, eine großzügige milde Gabe zur Haushaltssanierung, die allerdings quasi zur Steuerfreiheit bis zum Sankt-Nimmerleins-Tag für die „siegreichen“ Unternehmen führt.

Die Kursdellen für Telekom und Mobilcom kommen also nicht von ungefähr und könnten sich fortsetzen, falls nicht bald Strategien auf den Tisch kommen. Umso stärker honorierten die Marktteilnehmer den vorzeitigen Ausstieg von Debitel. Das Unternehmen, das sowieso schon auf eine Zusammenarbeit mit Mobilcom schielte, könnte nun von den „Siegern“ umgarnt werden und damit recht günstig in die neue Technik einsteigen. Die Folge war ein schöner Kurssprung bei Debitel-Papieren.

Lachender Dritter waren auch die Aktien der Telekom-Ausrüster. Siemens, Nokia und Alcatel zogen deutlich an, denn von den Milliarden-Investitionen werden sie ein gutes Stück erhalten. Um den Kunden die neue Technik schmackhaft zu machen, werden zwar die Netzanbieter die Endgeräte kräftig subventionieren, aber das stört natürlich den Hersteller nicht.

Ganz schlecht sieht es auch für die niederländische KPN aus, die für e-plus boten, und deren Kosten nun unverhofft explodieren. Denn Hutchinson Whampoa zog sich aus dem Konsortium zurück. Dem Mischkonzern aus Hongkong wurde die Angelegenheit schlicht zu teuer. Deutlich ehrenvoller zieht sich der Energiekonzern Eon aus dem heißen Mobilfunkgeschäft zurück. Die Anteile an Viag Intercom gehen an British Telekom. Eine strategische Entscheidung, die allenthalben begrüßt wird, da sich der aus aus der Fusion Veba/Viag hervorgegangene Konzern nun voll auf seine sogenannten „Kernkompetenzen“ konzentrieren kann.

Dem Kurs half es nicht, denn im Bereich der Kernkompetenz steht es nicht zum besten. Auch der Strommarkt ist heiß umkämpft, was sich bei Eon mit einem Gewinnrückgang auswirkte. Zweifel hegen Experten auch, ob die anstehende Verschmelzung der Eon-Chemie-Aktivitäten die gewünschten Synergieeffekte erbringen wird. Kaum nämlich hat der frisch vermählte Degussa-Hüls-Konzern die Fusion verdaut, kommt SKW Trostberg hinzu. Bei der Chemie allgemein wurde bemängelt, dass die Konzerne die steigenden Rohstoffkosten nur im begrenzten Umfang auf die Kunden abgewälzt werden konnte.

Die anhaltend rohen Ölpreise sorgen auch in der kommenden Woche für Diskussionsstoff. Als Inflationstreiber Nummer Eins werden sie eine nicht unerhebliche Rolle spielen, wenn der der Offenmarktausschuss der US-Notenbank am Dienstag über die Zinslage befindet. Dennoch sprechen viele Indikatoren für eine sanfte Landung der US-Konjunktur und damit gegen steigende Zinsen, zumal die Währungshüter Ölpreis-Effekte als nur temporär erachten.

Vielleicht kann auch Metro mit guten Halbjahreszahlen vom Abstieg aus dem Euro Stoxx 50 ablenken. Papiere der Konsumkette waren im Vorfeld der Entscheidung kräftig unter Druck geraten, hatten sich dann aber wieder erholt. Halbjahreszahlen legt auch Lufthansa vor. Hier allerdings hatten Zahlen der Air France im Vorfeld die Erwartungen zurück geschraubt.