Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg Die Auferstehung aus Ruinen kam gänzlich unerwartet, aber zumindest am Freitagvormittag recht heftig. Bei Kursen unter 44 Euro erklärten die Marktteilnehmer die Strafaktion nach der UMTS-Auktion für beendet. Telekom stiegen zwischenzeitlich um über sechs Prozent. Auch der Rating-Schock scheint verdaut. Eine Investmentbank hatte darauf aufmerksam gemacht, die Telekom könne an Kreditwürdigkeit verlieren, ein weiterer UMTS-Wermutstropfen. Doch auch nach der Versöhnung des Volkspapiers mit der Anlegerschaft, kam die Telekom nicht zur Ruhe.
Nur vier Monate nach dem Börsengang trennen sich die Wege von Wolfgang Keuntje und Robert T. Der Manager verläßt T-Online, aus persönlichen Gründen zwar, aber Spekulationen war nun Tür und Tor geöffnet. Schließlich wartet die Internet-Tochter am Donnerstag mit Halbjahreszahlen auf und natürlich fragen sich Marktbeobachter, ob da nicht schon im Vorfeld der Überbringer schlechter Nachrichten enthauptet wurde. Die Konzernmutter selbst steigt schon am Dienstag in den Ring, ebenfalls mit den Ergebnissen der ersten sechs Monate.
Die Diskussion um die teuren UMTS-Lizenzen geht also erst richtig los. So langsam nämlich kristallisieren sich die wahren Sieger im Kampf um die neue Technik heraus. Die Zulieferer aus der Telefonindustrie sind es, denen ganz ohne Milliardeninvestitionen ein Millionengeschäft winkt. Waren in der vergangenen Woche noch die Handy-Hersteller gefragt, ging es nun an die Kleinteile.
Davon profitierte die ganze Siemens-Familie. Aktien des Chip-Herstellers Infineon zogen ebenso an, wie Papiere des Herstellers elektronischer Bauteile, Epcos. Allerdings sollen bei Chips und Bauteilen auch US-amerikanische Investoren eifrig mit gemischt haben. Auf der Suche nach optisch günstigen Chip-Aktien seien sie auf den deutschen Markt gestoßen, hieß es.
Auch die Telekom-Anbieter selbst wurden erneut zum Spielball von Spekulationen. So hat das Bieterkonsortium um Mobilcom 16,5 Milliarden Mark für die UMTS-Lizenzen berappt. Bis zum Jahr 2010 sollen sich die zusätzlichen Investitionen auf 13 Milliarden Mark summieren, um leistungsfähige Netze zu errichten. Neue Kunden müssen also her, am besten ein ganzer Kundenstamm. Und den gibt es eben nur bei der Konkurrenz. Die Spekulationen, von Mobilcom selbst geschürt, klingen logisch, eigentlich haben die Börsianer auf eine solche Nachricht gewartet, seit Mobilcom-Chef Schmidt während der Auktion in einem Interview über eine mögliche Partnerschaft gesprochen hatte und sich damit fast aus dem Bieterverfahren kegelte. Ein Kauf von Debitel wäre die Konsequenz aus den Annäherungsversuchen. Allerdings dementierte man bei den Norddeutschen jegliche Fusions- oder Aquisitionsgespräche, weshalb nur Debitel von den Spekulationen profitierten.
Kein Echo fanden dagegen Gerüchte im Finanzsektor. Dass die Allianz die Dresdner übernimmt, um das Bankhaus zu filettieren, wurde als unwahrscheinlich erachtet und führte zu Kursdellen im gesamten Finanzsektor. Eine Renaissance erlebten dagegen Auto-Aktien. Für BMW gaben Experten als Kursziel 50 Euro heraus. Das allerdings klingt recht vermessen, bei Kursen unter 40. Auch Daimler-Chrysler und VW werden wieder als kaufenswert erachtet. "Das sind solide Aktien, die momentan zu einem günstigen Preis zu haben sind", sagen Händler. Ein guter Grund, die Autos von der Standspur zu schieben.
Gegen einen goldenen Herbst am Aktienmarkt sprechen die anhaltenden Zinsspekulationen. Zwar hat die Fed durch gleichbleibend lockere Zinsschrauben den Märkten etwas Luft verschafft, aber steigende Importpreise setzen die EZB unter Druck, die am kommenden Donnerstag tagt. Aber wie es auch kommt, an der Börse kann es ganz anders kommen. Einige Händler wünschen sich gar höhere Zinsen, damit der Euro wieder etwas auf die Füße kommt. Das klassische Aktiengift könnte also genauso gut zum Gegengift werden.