Börsen-Kolumne Dax-Geflüster
Hamburg - Die positive Grundstimmung ließ die Händler sofort wieder in alte Gewohnheiten zurück fallen. Hightech-Aktien wurden favorisiert, Standardwerte eher vernachlässigt. Die "New Economy" erhielt vor allem Impulse aus New York, aber auch europäische Einflüsse blieben nicht unbeachtet.
Einen klaren Wetterumschwung erwischten dabei Telekommunikationsaktien in der alten Welt. Trotz höherer Verlustprognosen ließ niemand mehr die Papiere im Regen stehen. Der Boden ist gebildet, so ist allenthalben zu hören. Etwas martialisch bezeichnen Händler Telekommunikationsaktien als "ausgebombt". T-Aktien schoben sich ebenso vor, wie die spanischen Kollegen von Telefónica. Auch die Töchter wurden nicht vergessen. T-Online zogen nach aktuellen Bilanzzahlen an. Die Verluste waren niedriger ausgefallen als erwartet. Branchenexperten empfehlen das als riskant eingestufte Papier als vorsichtige Beimischung fürs Depot. Das dürfte jene Anleger beruhigen, die beim Start leer ausgegangen waren und dann zu Höchstkursen eingestiegen sind.
Aber es hätte insbesondere am Neuen Markt auch ganz anders kommen können. Denn Nachrichten, wie sie vom Nemax 50-Wert Infomatec kamen, hätten unter anderen Rahmenbedingungen zu einem Kursgewitter über dem gesamten Segment geführt. Da halbiert das Software-Unternehmen mal eben die Umsatzprognosen, und zu allem Überfluss kamen noch Vorwürfe hinzu, Infomatec habe Pflichtmitteilungen gefälscht. Die Beschuldigungen reichten aus, um die betreuende Bank, die WestLB dazu zu bringen, das Handtuch zu werfen, das Mandat nieder zu legen. Den Absturz der Aktien und die drohenden strafrechtlichen Konsequenzen verdaute der Gesamtmarkt jedoch unbeeindruckt.
Der Befreiungsschlag an der Börse, von der EZB initialisiert, wirkte allerdings auch auf einige Standardwerte. Erleichterung bei E.on, nachdem der Konzern Fusionsgelüste mit der französischen Suez Lyonaise bestritten hatte. Auch wenn Insider behaupten, die Gespräche seien schlicht gescheitert, nahm man es nicht krumm. Denn eine Fusion käme zum falschen Zeitpunkt, heißt es. Weil E.on zu billig sind. Die Börse bewertet den Konzern momentan mit rund 42 Milliarden Euro. Der wahre Unternehmenswert wird mit 67 Milliarden Euro beziffert. Zudem befinde sich E.on im liberalisierten Preiskampf und damit unter Druck, während Suez in einem überregulierten französischen Strommarkt weiter ungestört Geld verdiene, heißt es. Richtig Stimmung brachte dann auch noch das Gerücht, E.on wolle zehn Prozent der eigenen Aktien zurück kaufen, um das Angebot etwas zu straffen.
Rückkaufprogramme kommen regelmäßig gut an an der Börse. Mehr Aktien auf den Markt zu werfen, gilt dagegen als verpönt. Denn mehr Aktionäre müssen sich die gleiche Dividende teilen, was den Anteilseigner nicht schmeckt. Wenn allerdings eine handfeste Vision hinter dem Kapitalbedarf steckt, dann verzeiht der Aktienmarkt. Die Commerzbank aber will lediglich mehr Aktien auf den Markt werfen, um den Anteil des Großaktionärs Cobra zu verwässern. Das will zumindest die Gerüchteküche wissen.
Der Würgegriff der Cobra wird zweifelsohne auch weiterhin den Markt beschäftigen. Aber auch der Blick an den Zinshimmel hat weiterhin seine Berechtigung. Eurostat veröffentlicht am Montag EU-Konjunkturdaten um am Donnerstag berichtet die Bank of England von ihrem Zinsbeschluss. Zu größeren Wolken dürfte dies aber voraussichtlich nicht führen.