Börsen Partystimmung nach der Panik
New York/Frankfurt - Der Dax schloss mit einem Plus von 2,3 Prozent auf 6434 Zähler. Der Nemax-50 legte innerhalb weniger Minuten von minus acht Prozent auf ein Plus von fast fünf Prozent zu. Beim Schlussgong hatte der Index satte 4,65 Prozent auf 2642 Punkte gewonnen. Nur der M-Dax schloss 1,4 Prozent schwächer auf einem Stand von 4642 Stellen.
Handelsverlauf auf den Kopf gestellt
"Die Zinssenkung war ein geschickter Schachzug von Seiten der FED. Dieser Schritt kam absolut überraschend und zum richtigen Zeitpunkt. Damit hat am Mittwoch keiner gerechnet. Es gab nicht einmal Gerüchte, die Zinssenkung war dann einfach da", so kommentierte ein Händler einer Frankfurter Großbank die Überraschung des Tages. Ob die ganze Sache nachhaltig sei, "wird sich morgen zeigen."
Tech-Titel drehten ins Plus
Der gesamte Handelsverlauf wurde auf den Kopf gestellt. Vor allem die Technologiewerte, die auch im Mittwochshandel zunächst deutlich abgeben mussten, gehörten urplötzlich zu den Gewinnern.
Die Siemens-Tochter Infineon, deren Aktie zwischenzeitlich erstmals unter den Ausgabepreis von 35 Euro gefallen war und lange die Verlierer anführte, ging mit einem Plus von 3,1 Prozent als viertstärkster Wert aus dem Handel. Epcos legten 0,4 Prozent zu; Siemens gewannen drei Prozent.
T-Aktie vorn
Stärkster Dax-Gewinner blieb die T-Aktie mit plus 8,7 Prozent. Aktienfonds hätten den Titel in der Erwartung gekauft, dass das Papier nach einer erfolgreichen Übernahme der amerikanischen VoiceStream kräftig steigen werden.
Atempause für Intershop
Im Nemax-50 gehörten Broadvision zu den stärksten Werten. Die Aktien der US-Softwarefirma zogen bis Handelsende um 14,75 Prozent auf 11,75 Euro an. Intershop, die im Tagesverlauf bis auf 7,16 Euro eingebrochen waren, gingen mit einem Aufschlag von 6,37 Prozent aus dem Handel. Am Dienstag war der Wert nach einer Gewinnwarnung für das vierte Quartal um 70 Prozent eingebrochen.
Einen kräftigen Turn-Around vollzogen auch die Papiere von D.Logistics. Bewertungssorgen und Gewinnmitnahmen hatten den Wert bis auf 30,10 Euro gedrückt, bevor sich die Aktie aufbäumte und 18,18 Prozent fester mit 45,50 Euro aus der Achterbahnfahrt ging.
Jubel an der Wall Street
Die Wall Street belohnte die völlig überraschende Leitzinssenkung mit starken Kursgewinnen. Die Technologiewerte verbuchten die mit Abstand stärksten Zuschläge. Der Nasdaq schoss bis kurz vor Handelsschluss um 13,6 Prozent oder 312 Punkte in die Höhe und notierte mit 2603 Punkten. Der Dow Jones legte um drei Prozent auf 10.964 Punkte zu.
Euro unter Druck
Der Euro reagierte mit einem Kursrutsch auf die US-Zinserhöhung. Ein Euro kostete bis gegen 21 Uhr 0,92975 Dollar nach 0,95170 am Vortag. Daraus ergibt sich für den Dollar zur D-Mark ein Kurs von 2,1037 Mark (2,0573). Am Nachmittag hatte die Europäische Zentralbank den Euro noch bei einem Referenzkurs von 95,30 Cents festgelegt.