Börsen-Rekorde Keiner traut der Rally
Hamburg - Mit einer Handvoll Börsenweisheiten lässt sich an den Kapitalmärkten schon einiges erreichen. Aktien kaufen, schlafen legen und als reicher Mann aufwachen, das empfahl zum Beispiel schon der Altmeister und Börsenweise André Kostolany. Doch Dax -Anleger haben offenbar einen leichten Schlaf. Obwohl sich an der Börse grundsätzlich alles in ihrem Sinne entwickelt und der Dax jetzt ein Fünfjahreshoch erreichte, bleiben sie wachsam und nehmen Gewinne schnell mit.
"Vereinzelt haben sich die Indikatoren verbessert, eine Euphorie ist dagegen überhaupt nicht feststellbar", sagt Conrad Mattern, dessen Firma Conquest Börsenstimmungen misst. "Viele Investoren sind immer noch teilweise gesichert oder haben primär mit Derivaten Investments aufgebaut, aus denen sie also auch schnell wieder rauskommen können."
Auf der realwirtschaftlichen Ebene sieht es gar nicht schlecht aus. Doch es hakt auf der psychologischen Seite: "Die Risikoneigung der Anleger ist von einem 20-Jahreshoch im Mai aktuell auf ein Zweieinhalb-Jahrestief gefallen", erklärt Karsten Stroh, der bei J.P. Morgan Asset Management das Aktienteam leitet. Seiner Meinung nach ist es an der Zeit, "wieder Aktienrisiko in das Portfolio aufzunehmen."
Wie geht es weiter? Eine Möglichkeit wäre, dass die Risikolust ähnlich gering bleibt - und die Börsen sich dementsprechend weiter verhalten entwickeln. Die zweite Möglichkeit: Die Risikoneigung steigt wieder und mit ihr die Kurse. Dafür spricht, dass viele Anleger bestimmte Mindesterträge erwirtschaften müssen. "Viele Investoren haben ihr Risikobudget im letzten Quartal nicht ausgeschöpft, was für das vierte Quartal zu erwarten ist", so Stroh.
Mit ihrer Zurückhaltung stehen die Deutschen nicht allein. Der französische CAC 40 und der englische FTSE 100 zeigen eine ganz ähnliche Entwicklung. Sie stiegen bis Mai, brachen dann ein und konnten ihre alten Jahreshochs erst jetzt wieder übertreffen.
Etwas anders ist die Lage in der Schweiz: Die Börse dort hat nicht nur ein Jahres-, sondern ein Allzeithoch erreicht und ist dennoch relativ günstig bewertet. "Die Gewinne der Schweizer Unternehmen haben sich in den vergangenen zehn Jahren deutlich schneller nach oben entwickelt als die Aktienkurse", erklärt Matthias Bussemer. Manager des Deka-Schweiz-Fonds. "Ziehen wir die Gewinnschätzungen für 2007 heran, weist der Schweizer Markt ein Kursgewinnverhältnis von etwa 15 auf. So tief war es in den letzten 15 Jahren nie", sagt er.
Womit wir wieder bei einer Börsenweisheit wären: Bloß nicht alle Eier in einen Korb legen.