Börsenanalyse Der Bulle taumelt
Hamburg - Der Markt ist angeschlagen. Nachdem der US-Technologieindex Nasdaq Composite mehrmals die psychologisch wichtige Marke von 2000 Punkten getestet hatte, rauschte er am Mittwoch Abend unter steigenden Umsätzen deutlich unter diese Marke. Besonders bei den Werten, die seit Jahresbeginn deutliche Gewinne verbucht haben, sind gut eine Woche vor dem dreifachen Verfallstag (Hexensabbat) an den Märkten die Verluste groß.
Verluste seit Jahresbeginn
Anleger schichten in defensive Branchen um oder geben Anleihen den Vorzug. Auch positive Nachrichten von Procter & Gamble oder Empfehlungen zum US-Chipsektor konnten nichts daran ändern, dass Investoren ihr Geld eher vom Aktienmarkt abziehen.
Charttechnisch sind die US-Indizes in schlechter Verfassung: Der S&P 500 hat den 50-Tage-Durchschnitt bei 1138 Punkten nach unten durchbrochen, und Dow Jones und Nasdaq Composite sind nach einer wochenlangen Seitwärtsbewegung aus ihrer Handelsspanne nach unten ausgebrochen.
Im Vergleich zum ersten Handelstag dieses Jahres notiert der Dow Jones 1,5 Prozent schwächer, während der Nasdaq Composite sogar rund zwei Prozent abgerutscht ist. Die Indizes notieren jeweils auf dem tiefsten Stand in diesem Jahr. "Die Nervosität steigt, zumal die jüngsten Konjunkturdaten nicht berauschend waren", sagte ein Händler.
Verkaufsdruck trotz guter Nachrichten
Der US-Arbeitsmarkt kommt nicht in Schwung, und das Handelsbilanzdefizit der USA ist im Januar auf einen Rekordwert gestiegen. Zum ersten Mal seit August sind sowohl die Exporte als auch die Einfuhren zurückgegangen. Dies lockt die Bären hervor: "Es gibt im Moment keine wirklich guten Nachrichten, und mittelmäßige nehmen Investoren zum Anlass, eine Pause einzulegen", meinte ein US-Analyst.
Heute werden in die USA die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung sowie die Einzelhandelsumsätze im Februar (14.30 Uhr) bekannt gegeben. Nach Ansicht von Händlern können nur deutlich verbesserte Zahlen den Abwärtstrend bremsen.
Dax unter 4000
Der Dax dürfte den späten Kurseinbruch in den USA nachvollziehen und heute im frühen Handel unter die Marke von 4000 Punkten fallen. Zu den größten Verlierern gehörten gestern BMW , Continental und die Deutsche Telekom , die zwar im Jahr 2003 in die schwarzen Zahlen zurückgekehrt ist, aber unter den Kosten des Maut-Debakels leidet und für das abgelaufene Jahr keine Dividende zahlt.
BMW: Umsatz leidet unter starkem Euro
BMW wird am Mittag seine Zahlen für das Jahr 2003 erläutern. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat die BMW Group nach Ansicht von Analysten trotz währungsbedingter Umsatzeinbußen das Ziel eines Gewinns auf Vorjahresniveau erreicht. Ungeachtet der Belastungen durch die Modelloffensive rechnen die Experten im Schnitt mit einem Ergebnis vor Steuern von 3,332 Milliarden Euro.
Im Vorjahr waren es 3,297 Milliarden. Beim Nettogewinn werden 2,014 (2,020) Milliarden Euro erwartet. Zum Umsatz hatte der Münchner Konzern schon im Januar 2,1 Prozent Rückgang auf 41,52 Milliarden Euro gemeldet und zur Begründung auf den starken Euro-Kurs verwiesen. Für dieses Jahr hat der Konzern weitere Absatzsteigerungen bei seinen Marken BMW, Mini und Rolls Royce in Aussicht gestellt.
HVB: Rückenwind für Kapitalerhöhung
Außerdem gibt die HypoVereinsbank ihre Eckdaten zur Bilanz 2003 bekannt. Nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" wird die Wiener AVZ-Stiftung entgegen ihrer ursprünglichen Absicht bei der Kapitalerhöhung der Bank doch mitziehen wird. Nach Informationen der Zeitung wird sie bis zu zwei Drittel ihrer Bezugsrechte ausüben und junge HVB-Aktien im Wert von bis zu 100 Millionen Euro zeichnen.
Aixtron und Celanese unter Druck
Aus der zweiten Reihe werden heute Zahlen von Celanese , Salzgitter Stahl , BB Biotech und Aixtron erwartet. Der Spezialmaschinenbauer Aixtron hat im abgelaufenen Jahr einen Umsatzeinbruch und einen Verlust von 19 Millionen Euro erlitten.
Die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) erwägt außerdem eine Herabstufung der Kreditwürdigkeit von Celanese . Durch die Übernahme durch den Finanzinvestor Blackstone werde die Verschuldung des im MDax notierten Chemiekonzerns weiter steigen, teilte S&P am Donnerstag in London mit.
Nikkei gibt deutlich nach
Die Börse in Tokio hat am Donnerstag nach den schwachen US-Vorgaben ebenfalls mit Verlusten geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 Standardwerte fiel um 136,20 Punkte oder 1,2 Prozent auf 11 297 Punkte. Der breit gefasste Topix gab um 0,7 Prozent auf 1120 Punkte nach.
Japan und China dürften sich angesichts des steigenden US-Defizits weiter aktiv gegen einen schwächeren Dollar stemmen. China gebe dem amerikanischen Druck nach einer Aufwertung seiner Währung nicht nach und werde seinen Wechselkurs "grundsätzlich stabil" halten, hieß es. Wie Zentralbankchef Zhou Xiaochuan am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mitteilte, sollen trotz leichter inflationärer Tendenzen auch die Zinsen vorerst unverändert bleiben.
Der Dollar notierte zum Yen leichter mit 110,53-55 Yen nach 111,30-33 Yen am späten Vortag. Der Euro gab trotz des steigenden US-Handelsbilanzdefizits zum Dollar nach und notierte am Morgen bei 1,2212 US-Dollar.