Börsenaufsicht Machtlos gegen Kursmanipulationen
Frankfurt am Main - "Europa droht auf diesem Gebiet in die Drittklassigkeit abzusinken", sagte der Präsident des Bundesaufsichtsamtes für den Wertpapierhandel (BAWe), Georg Wittich. Dieses Problem werde noch dadurch verschärft, dass "wir gerade in letzter Zeit eine bedenkliche Entwicklung feststellen müssen, nämlich die Gefahr von Kursmanipulationen über das Internet", so der BAWe-Präsident. Nach Medien-Recherchen hätten alle 15 EU-Länder zusammen weniger Fälle von Marktmanipulation erfolgreich verfolgt als die US-Aufsichtsbehörde allein. "Hier besteht dringender Handlungsbedarf", sagte Wittich.
Seinen Angaben zufolge arbeiten die europäischen Aufsichtsbehörden mit Hochdruck daran, Börsenregeln für die Überwachung des Wertpapierhandels zu vereinheitlichen. Dabei soll es neben der Verfolgung von Marktmanipulationen auch um einheitliche Vorschriften für die Börsenzulassung von Unternehmen gehen. Ein Emittent müsse künftig seine nationale Börsenzulassung "auch in anderen Ländern für eine Börsennotierung oder für ein öffentliches Angebot von Wertpapieren nutzen können".
Auch der Chef des Deutschen Aktieninstitutes, Rüdiger von Rosen, verlangte eine zügige Vereinheitlichung der europäischen Kapitalmarktvorschriften. Trotz der gemeinsamen Währung und der Europäischen Union gebe es "immer noch 15 nationale Rechtsordnungen, die im Bereich der Regelwerke für den Kapitalmarkt zum Teil erheblich differieren", kritisierte von Rosen. "Diesem regulatorischen Flickenteppich steht ein europäischer Kapitalmarkt gegenüber, dessen Akteure zunehmend grenzüberschreitend agieren."