Börsenauftakt Börsen im Minus
Frankfurt am Main Zum Handelsbeginn notierten die Frankfurter Börsen klar im Minus. Der Dax verlor 0,9 Prozent auf 6073 Zähler, der Nemax 50 sank ebenfalls um 0,9 Prozent auf 1670 Punkte.
Abwarten angesagt
Schwarzmalerei mag Gerhard Schröder nicht. 2,1 statt 2,8 Prozent Wachstum 2001 der Kanzler will sich die Performance seiner Regierungsarbeit nicht vermiesen lassen. "Schluss mit dem Jammern", lautet seine auf den Punkt gebrachte Grußbotschaft für die heute beginnende Hannover Messe.
Für Verzagtheit oder gar Resignation hat der Regierungschef kein Ohr. Die deutsche Wirtschaft befinde sich auf einem "robusten Wachstumskurs". Er erwarte deshalb ein "klares Signal der Zuversicht" einer "starken und konkurrenzfähigen Industrie", sagte Schröder. Ein neuer Teilnehmerrekord auf der Hannover Messe und erste Statements der Elektro- und Maschinenbau-Industrie mögen hier die starken Worte Schröders stützen.
Doch mit dem heute anstehenden Ifo-Konjunkturindex dürfte ein weiteres wenig erfreuliches Indiz der sich abschwächenden Wirtschaft im Euroraum bekannt werden. Experten rechnen mit einem weiteren Abstieg des Indexes von 94,9 auf 93,9. Dass EZB-Chef Wim Duisenberg indes am Donnerstag es seinem Kollegen der US-Notenbank gleich tun und die Leitzinsen senken wird, steht indes kaum zu erwarten. An der abwartenden Haltung des europäischen Währungshüters hat sich wenig geändert.
In der vergangenen Woche war es die überraschende US-Leitzinssenkung, die die internationalen Börsen beflügelt hat. Sie wirkte sich viel stärker aus als die Tatsache, dass einige US-Technologie-Konzerne die drastisch gesenkten Erwartungen zum Teil geringfügig übertroffen haben.
Nicht vergessen werden darf zum Beispiel, dass der Chip-Gigant Intel angekündigt hatte, der Umsatz für das laufende Quartal werde erneut unter den Erwartungen liegen. Der Netzwerkausrüster Nortel Networks hat nach Vorlage schwacher Zahlen erst gar keine Wachstumsprognose abgegeben. Der Vorstand des Softwarekonzerns Siebel Systems sprach ungeschminkt von einem unglaublich schwachen Markt. Einziger wirklicher Lichtblick waren IBM, die ihre Prognosen für das ganze laufende Jahr bestätigt hatten.
Wie steht es um die US-Wirtschaft wirklich?
Machen wir uns nichts vor: In der vergangenen Woche haben wir Quartalsergebnisse großer US-Konzerne gesehen, die im günstigsten Fall mal ein oder zwei Cents je Aktie über den in der Vergangenheit mehrfach dramatisch gesenkten Prognosen lagen. Zugleich hatten zahlreiche Konzerne vor allem aus dem Technologiebereich - in den vergangenen Wochen Massenentlassungen angekündigt. Insgesamt sind davon rund 240.000 Beschäftigte betroffen. Die US-Arbeitslosenquote ist von 3,9 Prozent auf 4,3 Prozent gestiegen.
Zu Recht fragen sich die Investoren, ob die Rallye angesichts der schwachen US-Konjunktur nicht zu weit gegangen ist, ob es sich nicht um eine klassische Bärenmarkt-Rallye handelt. Die bange Frage lautet: Was weiß Alan Greenspan, was wir nicht wissen?
Mehr Licht ins Dunkel der US-Konjunktur bringen am Dienstag Zahlen zum US-Verbrauchervertrauen. Donnerstag stehen die Zahlen zum Arbeitskosten-Index an, und zum Wochenschluss gibt es Zahlen zum Bruttoinlandsprodukt der USA im ersten Quartal. Schon jetzt wird gemunkelt, Greenspan könnte wegen vermutlich schwacher Zahlen erneut die Leitzinsen senken.
Zum Wochenschluss in den USA waren die Investoren jedenfalls auf Nummer sicher gegangen und nahmen die Kursgewinne zum Teil wieder mit. Dow Jones und Nasdaq fielen zum Wochenschluss mit rund einem Prozent ins Minus. Gleichwohl sprachen Händler von einer sich abzeichnenden Bodenbildung an den US-Börsen.
Leichte Rückschläge wollen Händler andererseits auch in dieser Woche nicht ausschließen, in der unter anderem Compaq, JDS Uniphase, Lucent und AT&T ihre Geschäftszahlen vorlegen werden.
In Deutschland müssen in dieser Woche die Deutsche Telekom und Infineon Farbe bekennen. Mit Zahlen warten auch Siemens, DaimlerChrysler, BASF und Bayer auf.
Die asiatischen Börsen zeigten sich nach Gewinnmitnahmen durch die Bank weg schwächer. Der Nikkei-Index der asiatischen Leitbörse in Tokio notierte 50 Punkte niedriger bei 13.716 Zählern.
Schlechte Nachrichten von Refugium und Team
An den deutschen Aktienmärkten muss heute das Neue-Markt-Unternehmen Refugium mit deutlichem Verkaufsdruck rechnen. Nach Presseberichten reicht das Geld bei dem angeschlagenen Altenheimbetreiber noch gerade acht Wochen. Refugium brauche mindesten 20 bis 30 Millionen Mark.
Ein schwacher Auftakt ist auch bei Team Communications zu erwarten. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hat einer unabhängigen Prüfung zufolge im Geschäftsjahr 2000 einen Verlust von rund 42,7 Millionen Dollar eingefahren. Im Vorjahr habe der Jahresfehlbetrag noch bei korrigierten rund 4,3 Millionen Dollar gelegen, teilte das Unternehmen in Los Angeles mit. Gleichzeitig sei der Umsatz von etwa 13,6 Millionen Dollar auf rund 14,9 Millionen Dollar gestiegen.