Börsenauftakt Der Absturz hält an
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte hängen einmal mehr am Tropf der US-Börsen. Nach erneut schwachen Vorgaben aus den USA eröffnen Dax (minus 1,2 Prozent) und die Wachstumswerte im Nemax 50 (minus 1,9 Prozent) im roten Bereich.
In den ersten Handelsminuten standen Technologietitel unter Druck. SAP, die bereits gestern mehr als zehn Prozent verloren hatten, gaben am Morgen weitere 3,3 Prozent auf 106,3 Euro nach. Epcos notierten 2,6 Prozent schwächer bei 60 Euro. Siemens rutschten 1,5 Prozent auf 106 Euro ab. Fianztitel gaben zwischen 0,3 und rund ein Prozent nach. Lediglich die Papiere der Deutschen Bank (minus 1,9 Prozent auf 79 Euro) notierten deutlich schwächer.
Die kurze Gewinnerliste führte die T-Aktie mit einem Plus von 1,8 Prozent auf 25,60 Euro an. Bei den Wachstumswerten im Nemax 50 standen lediglich vier Werte im grünen Bereich. Heyde notierten 2,7 Prozent im Plus bei immer noch schlappen 1,90 Euro und waren damit stärkster Wert. Der Chipkartenhersteller ACG gab um 29 Prozent auf 16 Euro nach. Die Staatsanwaltschaft Landshut hatte am Dienstag die Geschäftsräume des Chipkartenbrokers durchsucht.
US-Aktienmärkte schließen mit deutlichen Verlusten
Nach zahlreichen Gewinnwarnungen schlossen die US-Börsen mit einem dicken Minus. Die Blue Chips im Dow Jones verloren drei Prozent auf 9485 Zähler. Die US-Technologiebörse Nasdaq rauschte erneut in den Keller und schloss 6,2 Prozent auf 1673 Zähler schwächer als am Vortag.
Schlechte Nachrichten nach Börsenschluss
Nachdem allein gestern sieben große US-Technologieunternehmen Gewinnwarnungen herausgegeben hatten, wartete nach Börsenschluss auch Agile mit Hiobsbotschaften auf. Das Softwareunternehmen meldete einen Verlust je Aktie von 6 Cents und begründete dies mit der sich abschwächenden Konjunktur. Analysten hatten einen geringen Gewinn erwartet.
Das Internetunternehmen Cybersource gab nach vorläufigen Zahlen für das erste Quartal eine Umsatzwarnung heraus und rechnet nun mit rund zehn Prozent weniger Erlösen. Der Verlust je Aktie werde dennoch die prognostizierte Spanne zwischen 29 bis 31 Cents nicht sprengen. Zugleich wurde bekannt, dass der US-Finanzkonzern Citigroup Hunderte von Stellen streichen wird - ein weiterer Beleg für die Schwäche von Banken und Investmentbanken in den USA.
Die Welle der Gewinnwarnungen wird nach Einschätzung von Thomson Financial/FirstCall nicht abreißen. Das Forschungsunternehmen schätzt die Quote der Unternehmen, die für das erste Quartal Warnungen veröffentlichen, auf etwa 70 Prozent. Es geht deshalb von 200 bis 250 weiteren Ertragswarnungen in den nächsten zwei bis drei Wochen aus. Die Berichtssaison in den USA wird kommende Woche erst richtig in Gang kommen.
Umfrage: Ende der Talfahrt zum Greifen nahe
Vor diesem Hintergrund wirkt das Ergebnis einer Umfrage des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung geradezu euphorisch. Demnach sieht die Mehrheit der Analysten und Volkswirte deutscher Banken das Ende der Talfahrt am Aktienmarkt zum Greifen nahe. In den nächsten drei Monaten rechnen sie mit einer Erholung bei Dax und Stoxx 50, auf Sicht von sechs Monaten erwarten die Experten im Schnitt sogar ein Kursplus von gut zehn Prozent, schreibt die "Welt" in ihrer Mittwochausgabe. Den Nemax 50 sehen die Experten Ende Juni im Schnitt bei 2000 Punkten. Ende Oktober sollen es 2300 Zähler sein. Das sei gegenüber dem Stand von gestern, als der Nemax 50 zeitweise unter die Marke von 1300 Punkten fiel, eine Steigerung von 50 beziehungsweise 80 Prozent.
Allerdings liegen die Schätzungen der Banken hinsichtlich der weiteren Entwicklung des Nemax 50 zum Teil weit auseinander. Während die Commerzbank den Index Ende September lediglich bei 1755 erwarte, halte die Hamburger Sparkasse einen Punktestand von 3000 Punkten für möglich.
Börse in Tokio schließt fest
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Mittwoch trotz Verzögerung eines Not-Konjunkturpakets der Regierung fest geschlossen. Der Nikkei kletterte nach anfänglich deutlichen Verlusten wieder über die psychologisch wichtige Marke von 13.000 Punkten und verbuchte zum Handelsschluss einen Gewinn von 118 Punkten oder 0,9 Prozent bei 13.242 Punkten. Händlern zufolge hofft der Markt weiter auf das von der Regierung angekündigte Maßnahmenpaket zur Stützung der Wirtschaft.
Die Regierungskoalition konnte sich am Mittwoch nur auf einen Teil einigen. So will man den angeschlagenen Banken des Landes eine Zwei-Jahres-Frist zur Beseitigung ihrer faulen Kredite setzen. Für neu hinzukommende Problemkredite soll eine Drei-Jahres-Regelung gelten. Wegen Differenzen über Steuerreformen und einen Privatfonds zur Stützung der Börse wurde eine endgültige Entscheidung über das geplante Not-Konjunkturpaket nun auf diesen Freitag verschoben.