Börsenauftakt "Der Markt will nach oben"
Frankfurt am Main Das Standardwerte-Barometer Dax ging mit 5953 Punkten in den Handel und legte binnen weniger Minuten auf 5971 Punkte zu - ein Plus von 0,35 Prozent. Die psychologisch wichtige Marke von 6000 Punkten rückt damit wieder in greifbare Nähe. Gelungen war auch der Start des Neuen Marktes: Der Nemax 50 stand kurz nach Börseneröffnung bei 1536 Punkten - ein Aufschlag von 0,34 Prozent.
EZB-Chef Wim Duisenberg wollte den deutschen Aktienmärkten keine österliche Vorfreude bereiten. Trotz allen Drucks: Er bleibt der Chef im Ring und ließ die Leitzinsen unverändert. "Aufgeschoben ist nicht aufgehoben", hieß die Devise bei den Investoren. Sie vertrösteten sich auf die nächste Sitzung des EZB-Rates in zwei Wochen. Dann sollten es ihrer Ansicht nach allerdings schon 50 Basispunkte sein. Dass Dax und Nemax 50 trotzdem im Plus schlossen, spricht für die Stärke der Märkte, die nach einhelliger Meinung "jetzt nach oben wollen", heißt es.
Trotzdem bleibt die 6000-Punkte-Linie die Marke, unter die der Dax nicht dauerhaft fallen dürfte, um weiter nach oben streben zu können. Zugleich bleiben die deutschen Aktien weiter von der Entwicklung in den USA abhängig. Sollte etwa der Dow Jones seinen positiven Trend der vergangenen Wochen verlassen, könnte aus Sicht der Charttechniker das zarte Pflänzchen Aufwärtstrend beim Dax schnell wieder verblühen.
Wie wackelig die Situation in den USA ist, zeigen jüngste Schätzungen des Marktforschungs-Unternehmens First Call. Nach einer jüngsten Untersuchung fielen die Gewinne der Unternehmen im S&P 500 im ersten Quartal durchschnittlich knapp neun Prozent. Für das zweite Quartal erwartet First Call, das regelmäßig Umfragen unter Analysten durchführt, ein Minus von 7,1 Prozent. Erst im dritten Quartal sollen die Erträge um etwa ein Prozent klettern. Für das letzte Quartal des Jahres erwartet First Call ein Plus von immerhin 12,1 Prozent.
Das Haar, das die Experten uns in die Suppe legen, sind ihre Prognosen für den Technologiesektor. Für das erste Quartal wird ein Gewinnrückgang um 37 Prozent vorhergesagt. Im zweiten Quartal soll das Minus 36 Prozent betragen, dann 25 Prozent. In den letzten drei Monaten des Jahres soll der durchschnittliche Ertrag um ein Prozent unter dem Vorjahr liegen.
Einen aktuellen Beleg für diese Einschätzung lieferte gestern nach Börsenschluss Yahoo. Der Internet-Riese senkte seine Prognose für das zweite Quartal auf 2 bis 6 Cents je Aktie. Die Analysten waren von 6 Cents ausgegangen. Zugleich kündigte Yahoo an, 12 Prozent seiner 3500 Beschäftigten zu kündigen, um die Kosten zu senken.
Gleichwohl tendierten die Technologiewerte am Mittwoch in New York insgesamt fester. Die Nasdaq konnte seit vergangenem Donnerstag insgesamt rund 17 Prozent zulegen und ging gestern mit einem Plus von 2,5 Prozent auf 1899 Zählern aus dem Handel. Auch die Technologiewerte im Dow Jones zeigten sich fester, konnten aber nicht verhindern, dass der Index zum Handelsschluss sich um 0,9 Prozent schwächer auf 10.013 Punkte zeigte.
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat sich am Donnerstag weiter erholt. Der Nikkei-Index stieg um 177 auf 13.352 Punkte. Zu den Gewinnern gehörten vor allem Werte von Halbleiterherstellern, darunter Advantest, Tokyo Electron und Kyocera. Auch die Elektronikriesen Sony, NEC und Fujitsu wurden höher bewertet.
Unter Druck könnten heute die Aktien des Neue-Markt-Unternehmens von BB Biotech geraten. Die schweizerische Beteiligungsgesellschaft ist mit einem Verlust ins neue Jahr gestartet. Nachdem der Gewinn bereits im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen war, verzeichnete das Unternehmen im ersten Quartal 2001 einen Verlust von 1,39 Milliarden Schweizer Franken (1,78 Milliarden Mark). Wie die Gesellschaft am Donnerstag vor Handelsbeginne mitteilte, ist im ersten Quartal 2000 noch ein Gewinn von 0,74 Milliarden Schweizer Franken (0,96 Milliarden Mark) erzielt worden. Noch zu Jahresbeginn hatte sich die Gesellschaft äußerst optimistisch geäußert und von einem möglichen Rekordjahr gesprochen, da viele Biotechnologieunternehmen neue Medikamente auf den Markt bringen würden.