Börsenauftakt Metabox werden abgestraft
Frankfurt am Main Die deutschen Aktienmärkte starten im Plus und folgen damit den positiven Vorgaben aus New York vom vergangenen Freitag. Der Dax verbesserte sich bis 9.30 Uhr um 0,8 Prozent und durchbricht damit die Marke von 6200 Zählern auf 6223 Punkte. Die Wachstumswerte im Nemax-50 legten um 2,1 Prozent auf 1835 Punkte zu.
Technologiewerte im Dax führten zunächst die Gewinnerliste an. Die Papiere von Siemens verteuerten sich um rund 1,97 Prozent auf 81,65 Euro. Heute wird der in der Vorwoche angekündigte Aktiensplitt wirksam. Nach Presseberichten soll das US-Geschäft deutlich ausgebaut werden. Tochterunternehmen würden zusammengelegt. Epcos setzten sich mit Kursaufschlägen von 2,01 Prozent auf knapp 71 Euro an die Spitze des Index.
Zu den Gewinnern zählten auch die T-Aktie und die Anteilsscheine von SAP mit Kurszuwächsen von jeweils rund 1,4 Prozent.
Der Waschmittelkonzern Henkel konnte im ersten Quartal seinen Umsatz um neun Prozent und den Gewinn um rund zehn Prozent steigern. Dennoch gab die Aktie zunächst um rund ein halbes Prozent auf 72,1 Euro nach. Die Investoren hatten offenbar mehr erwartet.
Der Chipkonzern Infineon will für 250 Millionen Dollar die US-Firma Catamaran Communications übernehmen. Der Kaufpreis solle mit eigenen Aktien gezahlt werden, teilte Infineon am Montag vor Börsenbeginn in München mit. Catamaran sei ein im Silicon Valley angesiedeltes Entwicklungsunternehmen im Halbleiterbereich ohne eigene Fertigung. Der Zukauf stärke Infineons strategische Position bei drahtgebundener Kommunikation. Es ist die größte Akquisition seit dem Börsengang Infineons im vergangenen Jahr. Die Aktie gab zunächst rund 0,3 Prozent auf 46,80 Euro nach.
Schlechte Nachrichten von Metabox
Metabox-Papiere gaben am Morgen rund 16 Prozent auf 1,35 Euro nach. Quasi auf den letzten Drücker veröffentlichte der Pleitekandidat seine noch nicht testierten Zahlen für das Geschäftsjahr 2000 - allerdings zunächst nur auf der eigenen Homepage. Die Deutsche Börse hatte dem Unternehmen eine Frist bis Freitag 24 Uhr gesetzt. Die Ad-hoc-Meldung folgte allerdings erst am Sonnabend.
Demnach betrage der Jahresfehlbetrag 26,8 Millionen Mark (13,7 Millionen Euro), teilte die Metabox AG (Hildesheim) am Sonnabend mit. Das sind fast 8 Millionen Mark mehr als noch im Januar angegeben. Zugleich revidierte Metabox den für 2001 erwarteten Umsatz von 600 Millionen Mark (307 Millionen Euro), nannte aber keine Zahlen. Der Hersteller so genannter Settop-Boxen zur Internetnutzung per Fernseher habe 2000 Umsatz von 47,2 Millionen Mark Umsatz erwirtschaftet, hieß es.
Die Aktien des Senoirenheimbetreibers Refugium verteuerten sich um rund fünf Prozent auf 2,10 Euro obwohl der geplante Einstieg der Marseille Kliniken nach Presseberichten an der Goldzack AG, dem größten Gläubiger von Refugium, scheitern könnte.
Die schweren Stunden des Thomas Haffa
Im Mittelpunkt des Interesses dürfte heute der Auftritt von EM.TV-Chef Thomas Haffa stehen. Der gefallene Börsenstar wird die verspätete Bilanz für das Jahr 2000 vorlegen und nach Schätzung von Analysten einen Milliardenverlust ausweisen. Die Schätzungen über den Verlust liegen zwischen 554 Millionen Mark und 1,8 Milliarden Mark. Die Unsicherheiten in den Vorhersagen liegen an möglichen Abschreibungen auf Beteiligungen, die EM.TV eingegangen war. Vieles hängt von den Plänen ab, die Vorstandschef Haffa mit der amerikanischen Jim Henson Corporation (JHC) und der Tele München Group (TMG) hat. Übrigens rechnen die Experten auch für das erste Quartal mit einem Verlust. Zu Handelsbeginn konnte die Aktie um rund ein Prozent auf 5,30 Euro zulegen.
Haffa will auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz am Vormittag über die strategische Neuausrichtung nach dem Einstieg der KirchGruppe bei dem krisengeschüttelten Medienkonzern berichten und einen Ausblick auf das laufende Jahr geben. Einen Rücktritt schloss der viel kritisierte Firmenchef Haffa am Wochenende noch einmal aus.
Händler optimistisch für die Woche
Für die anstehende, verkürzte Handelswoche zeigen sich die Händler und Analysten optimistisch. Schlechte Nachrichten hatten die Märkte in den zurückliegenden Tagen ohne große Blessuren überstanden. Hiobsbotschaften seien in der auslaufenden Berichtssaison vermutlich nicht mehr zu erwarten.
Weder die ausbleibende Zinssenkung der Europäischen Zentralbank, noch die gesenkte Konjunkturprognose der Bundesregierung konnten den Aufwärtstrend der deutschen Aktienmärkte schwächen. Eine im ersten Quartal stärker gewachsene US-Wirtschaft als erwartet hatte den amerikanischen Börsen Auftrieb verliehen und zugleich die Stimmung an den deutschen Wertpapierbörsen positiv beeinflusst. Wenn sich damit auch die Aussichten auf eine weitere Zinssenkung in den USA zur Sitzung der US-Notenbank am 15. Mai verringert hätten, so bleibe Fed-Chef Alan Greenspan doch in Alarmbereitschaft, glauben Analysten.
Die asiatische Leitbörse in Tokio bleibt am heutigen Montag wegen eines Feiertages geschlossen. Die US-Aktienmärkte hatten sich am Freitag versöhnlich ins Wochenende verabschiedet. Der Dow Jones hatte um 1,1 Prozent zugelegt. Die US-Technologiebörse Nasdaq hatte im Vergleich zur zurückliegenden Woche zwar vier Prozent verloren. Die guten Konjunkturdaten hatten den Index am Freitag aber ein Plus von rund zwei Prozent beschert. "Die Wirtschaft ist viel gesünder als viele Beobachter dies erwartet hatten", erklärten Händler in New York.
Weitere Termine in dieser Woche
Am Mittwoch muss der Deutsche Post-Vorstandschef Klaus vom Zumwinkel zum Zahlen-Rapport. Experten gehen davon aus, dass der Gelbe Riese nach Rekordzahlen im vergangenen Jahr auch im ersten Halbjahr 2001 Umsatz und Ertrag steigern werde. Vorstandschef Klaus Zumwinkel kündigte gegenüber der "Welt am Sonntag" indes an, bald nur noch 50 des Gewinns mit dem auch in Zukunft monopolisierten Briefbereich erwirtschaften zu wollen. Die andere Hälfte soll aus den Bereichen Express und Logistik kommen. Die weltweite Vernetzung der bislang getrennt auftretenden Tochterfirmen soll angepackt und ihre Potentiale ausgeschöpft werden. Das ist Balsam auf für die Aktionäre, die seit langem dieses Ungleichgewicht bemängeln.
Am Donnerstag dann legen die Deutsche Bank, Fresenius Medical Care, Adidas Salomon und Epcos Geschäftszahlen vor.
Bei Adidas rechnen Analysten der DG-Bank rechnen noch nicht mit einer Belebung des Nordamerika-Geschäfts. Der Turnaround bei dürfte sich angesichts der schwächeren Auftragseingänge auf die zweite Jahreshälfte verschieben.
Das schwierigere Marktumfeld sollte sich im Quartalsbericht der Deutschen Bank niederschlagen, der ebenfalls für Donnerstag erwartet wird. Die Zahlen dürften jedoch besser ausfallen als noch zu Jahresbeginn befürchtet.
Epcos hatte bereits im Vorfeld auf das schwächere Geschäft mit Handy-Komponenten im zweiten Quartal hingewiesen. Bei Fresenius Medical Care rechnen die Analysten der DG-Bank dagegen mit positiven Quartalszahlen und einer Verbesserung des Nettoergebnisses um 15 Prozent.
Am Neuen Markt werden die beiden Schwergewichte Intershop und Singulus am Mittwoch, 2. Mai, Quartalszahlen vorlegen. Während bei Singulus die Talfahrt gestoppt scheint, äußern die Analysten bei Intershop Zweifel an dem längerfristigen Geschäftsmodell.