Börsenausblick Adieu Tristesse
Hamburg - Schluss mit dem Genörgel und Trübsal. Die Bullen sind zurück. Und glaubt man den euphorisch gestimmten Experten, werden sie noch einige Zeit rumtoben an den Aktienmärkten. Für Pessimisten ist kein Platz: Die letzten Fonds springen auf den fahrenden Börsenzug, die letzten Banken geben ihre zweifelnde Haltung auf und erhöhen ihren Aktienanteil.
Für die allseits kolportierte Jahresendrallye spreche nach Ansicht von Marktbeobachtern auch, das institutionelle Anleger zum Jahresende Aktien zukaufen werden, um ihre Performance noch ein wenig aufzupolieren. Schließlich haben die Investoren vorerst auch nichts zu verlieren: Die Ertragssaison ist gelaufen, die nächste Welle der Gewinnwarnungen wird bis Anfang kommenden Jahres auf sich warten lassen.
Zudem mehren sich in den USA die Stimmen, die eine schnellere Erholung der Wirtschaft erwarten und wie zum Beispiel Salomon Smith Barney gestern ihre Prognosen für die durchschnittlichen Unternehmensgewinne der US-Konzerne angehoben haben. Mittlerweile sehen Analysten den Dax zu Silvester bei einem Stand zwischen 5500 und 6000 Punkten.
Sozusagen einen Tag zu früh hat der Nikolaus den Investoren den Stiefel mit Hightech-Überraschungen gestopft und damit die gestrige Kursrallye an den internationalen Aktienmärkten erst ausgelöst. Für eine weitere Überraschung könnte heute der weltgrößte Chipkonzern Intel sorgen, der nach Börsenschluss in den USA einen Ausblick auf das vierte Quartal abgibt. In Deutschland wird heute mit Spannung die Prognose erwartet, die Siemens für das laufende Geschäftsjahr erwartet.
Bei einigen Dax-Tech-Titeln kann es heute vermutlich zu Gewinnmitnahmen kommen. Die Vorgaben für den Handelstag in Deutschland sind trotz der Rallye am Vortag aber nicht schlecht. So legte die US-Börsen nach Handelsschluss in Deutschland noch zu. Der Dow Jones schloss mit einem Plus von 2,2 Prozent auf 10.114 Punkten. Die Technologiebörse Nasdaq hatte zum ersten Mal seit fünf Monaten die Marke von 2000 Punkten übersprungen und beendete den Handel bei 2046 Zählern: ein Plus von 4,6 Prozent.
-
3 Min
-
3 Min
-
2 Min
Der Technologiekonzern Siemens wird heute auf der Bilanzpressekonferenz bekannt geben, wann die ursprünglich für 2003 geplanten Zielrenditen für die verlustträchtige Netzwerk- und Mobilfunksparte erreicht werden. Mit Spannung warten Marktteilnehmer zudem auf Aussagen zum laufenden Geschäftsjahr, die nach Meinung von Experten angesichts des schwierigen Marktumfeldes jedoch nicht sehr konkret ausfallen dürften. Bereits bei der Vorlage der vorläufigen Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2000/2001 (30. September) Mitte November hatte sich der Vorstandsvorsitzende Heinrich von Pierer mit Prognosen für 2001/2002 deutlich zurückgehalten.
Er kündigte jedoch an, dass die im Rahmen der sogenannten Operation 2003 festgelegten Ziele im Bereich Information und Kommunikation (IC) nicht so schnell wie ursprünglich geplant erreicht werden. Angesichts der veränderten Marktbedingungen auf dem IT- und Handymarkt müsse man den IC-Bereichen mehr Zeit geben, um ihre Zielmargen zu schaffen, hieß es. Bislang hatte Siemens bei der Handy- (ICM) und Netzwerksparte ICN bis 2003 eine operative Marge zwischen acht und elf Prozent in Aussicht gestellt. Bei dem ebenfalls zu IC gehörenden Geschäftsfeld IT-Dienstleistungen (SBS) waren fünf bis sechs Prozent prognostiziert worden.
- manager-magazin.de:Börsenrallye - Fonds in der Klemme
- manager-magazin.de:Börsenkolumne - Kaufen vor dem Aufschwung
- manager-magazin.de:Mit 50 aussteigen - Reich nach Plan
Der Bayer -Aufsichtsrat wird heute über Vorschläge des Vorstands zum Konzern-Umbau beraten. In Branchenkreisen wird erwartet, dass das Kontrollgremium grünes Licht geben wird für die Bildung einer so genannten Holding-Struktur. Danach würden in allen Kerngeschäften selbstständige Tochterfirmen mit eigenen Vorständen geschaffen. Das würde sowohl den Verkauf von Unternehmensteilen wie auch Börsengänge erleichtern. Bayer hatte im Herbst angekündigt, die Sparten Gesundheit und Pflanzenschutz auszugliedern.
Die Europäische Zentralbank (EZB) wird heute voraussichtlich keinen Zinsschritt nach unten beschließen. Die deutsche Kreditwirtschaft rechnet damit, dass die EZB den zentralen Leitzins weiter bei 3,25 Prozent belässt.
Vor allem in den USA gebe es erste Anzeichen, dass der wirtschaftliche Abschwung zu Ende geht, heißt es zur Begründung am Finanzplatz Frankfurt. Erst im nächsten Jahr wird eine Senkung auf 3,0 Prozent erwartet. Vor einem Monat hatte die EZB den zentralen Leitzins um 0,5 Prozentpunkte auf 3,25 Prozent zurückgenommen.
Nikkei testet 11.000-Punkte-Marke
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Donnerstag fest geschlossen. Der Nikkei ging nach der positiven Vorgabe der Wall Street mit einem Gewinn von 143 Punkten oder 1,3 Prozent beim Stand von 10.857 Punkten aus dem Markt. Zwischenzeitlich hatte das fernöstliche Kursbarometer sogar die psychologisch wichtige Kursmarke von 11.000 Punkten getestet.
Die Aktien des Baukonzerns Aoki stürzten zuvor ab, nachdem das Unternehmen angesichts eines milliardenschweren Schuldenberges vor einem Tokioter Gericht am Donnerstag Gläubigerschutz beantragt hatte.