Börsenausblick Ängste prägen den Handel
Frankfurt - Weltweit dürften die Aktienmärkte nach Einschätzung von Experten auch in der kommenden Woche von Rezessions- und Kriegsängsten bestimmt sein. Ausschlaggebend für den Handel seien vor allem mögliche Militäraktionen der USA, sagten Händler und Analysten. "Sollte da etwas in dieser Richtung passieren, wird es am Montag wahrscheinlich weiter runter gehen", sagte ein Händler. Nur wenige Börsianer gingen von steigenden Kursen in der kommenden Woche aus; nach dem Kursverfall sei die Mehrheit der Aktien fundamental völlig unterbewertet, begründeten sie ihre Prognose.
"Es wäre unseriös, den Anspruch zu erheben, die künftigen Kursausschläge verlässlich vorherzusagen", sagte ein Händler der Hessisch-Thüringischen Landesbank (Helaba). Auch eine Vielzahl von Konjunkturdaten in Europa und den USA, die demnächst bekannt gegeben werden, helfen Börsenexperten nicht unbedingt weiter.
Investoren warten auf klare Zeichen aus der Politik. "Niemand möchte auf dem falschen Fuß erwischt werden, wenn die USA ihre Vergeltungsschläge beginnen", sagte ein Hamburger Händler. "Möglicherweise sind derzeit einige Kursverluste übertrieben, aber nach dem 11. September, dem Tag der verheerenden Terroranschläge auf New York und Washington, ist alles möglich."
Konjunkturzahlen finden wenig Beachtung
Finanzexperten erwarten sich auch von den anstehenden Konjunkturdaten wenig Hilfe für Anlageentscheidungen. "Die Zahlen sind mittlerweile völlig veraltet", sagte Ulrich Beckmann, Analyst bei der Deutschen Bank. Die Wirtschaftsdaten stammten noch aus den vergangenen Monaten. Daher könnten sie keinen Aufschluss über die Auswirkungen der Terror-Serie auf das Verhalten der US-Verbraucher geben.
Am Montag werden die US-Frühindikatoren für den August vorgelegt. Hier rechnen die Analysten der DGZ-DekaBank mit den ersten Rückgang seit fünf Monaten. Am Dienstag wird das US-Verbrauchervertrauen für den September veröffentlicht. Möglicherweise sind in diese Studie bereits Daten eingeflossen, die nach dem 11. September erhoben wurden. Mit Spannung erwartet werden die endgültigen Zahlen zum US-Wirtschaftswachstum der im zweiten Quartal. In der zweiten Schätzung war die Wachstumsrate von 0,7 auf 0,2 Prozent gesenkt worden. In der nun abschließenden dritten Erhebung könnte ein Stillstand angezeigt werden.
In Europa stehen vor allem Inflations-Indikatoren im Mittelpunkt des Interesses. Für Deutschland werden am Montag die vorläufigen September-Zahlen zu den Verbraucherpreisen veröffentlicht. Experten rechnen damit, das der jüngste Ölpreisanstieg bereits seine Spuren hinterlassen hat. Die Teuerungsrate für Italien wird am Freitag bekannt gegeben. Zusammen mit den am Donnerstag veröffentlichten Daten zur Geldmenge M3 in der Eurozone wird die Europäische Zentralbank (EZB) am gleichen Tag ihre Entscheidung über die Leitzinsen bekannt geben. Analysten rechnen mit keiner weiteren Reduzierung nach der jüngsten Zinssenkung vergangenen Montag.
Katastrophale Börsenwoche in Frankfurt und New York
Der Dax hatte am Freitag den Handel 0,6 Prozent schwächer verlassen. Damit büßte der Leitindex über die Woche mehr als zwölf Prozent ein und seit den Anschlägen vom 11. September mehr als 20 Prozent. Den Neuen Markt traf es noch härter: Der Nemax50-Index schloss am Freitag auf einem Rekordtief von 680 Punkten und damit mit einem Verlust von 25 Prozent seit den Anschlägen. Händler sprachen teilweise von panikartigen Verkäufen. An den New Yorker Börsen erlitten die Aktien über die Woche die größten Kursverluste seit der Depression der 30er Jahre. Nur wenige Papiere hatten keine Verluste zu verbuchen, alle Sektoren zog es nach unten.
Dabei verzeichneten die Börsen nach Händlerangaben das bisher größte Handelsvolumen, nachdem die Wall Street nach den Anschlägen vier Handelstage lang geschlossen geblieben waren.
Der Dow-Jones-Index 30 führender Industriewerte fiel am Freitag um 1,68 Prozent auf 8236 Zähler. Der technologielastige Nasdaq-Composite-Index ging um 3,25 Prozent auf 1423 Zähler zurück. Während der Woche gab der Dow-Jones-Index insgesamt 14,2 Prozent nach, der Nasdaq-Index 16 Prozent. Auch die Londoner Börse hatte den Handel am Freitag mit einem Minus von 2,7 Prozent geschlossen. Der FTSE 100-Index der 100 wichtigsten Werte ist seit den Anschlägen um rund 13 Prozent eingebrochen.