Börsenausblick AMD-Schock am Morgen
Frankfurt am Main - Die amerikanischen Aktienmärkte haben am Dienstag im späten Geschäft ihre Verluste noch deutlich ausgebaut. Dies dürfte heute den Handel in Deutschland zunächst belasten. Es ist aber denkbar, dass die Aktienmärkte in Frankfurt im weiteren Handel wie schon öfter in den vergangenen Tagen zu einer kräftigen technischen Gegenreaktion ansetzen.
Der Dow Jones schloss 1,1 Prozent schwächer auf 9007 Zählern und damit über der psychologisch wichtigen Marke von 9000 Punkten. Der Index für die US-Technologiebörse, der Nasdaq Composite, gab 3,3 Prozent auf 1357 Punkte ab, der tiefste Stand seit fünf Jahren. Das umfassendeste Börsenbarometer, der S&P 500, fiel auf den tiefsten Stand seit Januar 1998 zurück, notierte aber immerhin knapp über der langfristigen Unterstützungslinie von 944 Punkten. Sollte der Index hier in den nächsten Tagen durchrauschen, wäre ein Absturz bis auf 800 Punkte möglich, hieß es.
Natürlich lasteten auch in New York die Spekulationen um den französisch-amerikanischen Konzern Vivendi auf den Märkten. So gab etwa AOL Time Warner deutlich ab. Heute wird bei Vivendi über die Nachfolge von Jean-Marie Messier entschieden.
Viel mehr als Vivendi drückten allerdings neu aufgeflammte Ängste über mögliche weitere Bilanzierungsskandale nach Worldcom auf die Stimmung. Besorgt zeigten sich die Märkte auch darüber, dass es am Nationalfeiertag Independence Day (4. Juli) zu Terroranschlägen kommen könnte. Dies habe ebenfalls zu Verkäufen geführt, sagten Händler in New York.
In einer ungewöhnlich offenen Rede bat Unternehmenschef John Sidgemore am späten Dienstagabend Investoren, Gläubiger und "ganz Amerika" eindringlich um Geduld. Sidgemore versprach volle Aufklärung des Bilanzskandals, wollte aber eine Insolvenz des Telekomkonzerns nicht ausschließen.
Gerüchte um die Deutsche Bank
Aus deutscher Sicht waren am Morgen keine herausragenden Unternehmensnachrichten zu vermelden. Spannend könnte es allerdings bei der Deutsche Bank werden. In Frankfurt machen Gerüchte die Runde, denen zufolge der neue Vorstandschef Josef Ackermann eine Übernahme der Crédit Suisse Group plane. Einige Fachleute halten das für durchaus möglich. Weder die Deutsche Bank noch der Schweizer Konzern kommentierten dies. Nach Händlerangaben vom Dienstag könnte die Deutsche Bank bei einer möglichen Pleite von Vivendi indes auf 44 Millionen Aktien des Konzerns sitzen bleiben, die die Bank im Juni erworben haben soll. Die Anteilsscheine sollte Vivendi ursprünglich wieder zurück kaufen.
Bei France Télécom ist heute eine Verwaltungsratssitzung zu den Problemen mit der deutschen Mobilcom angesetzt. Es werde ein außerordentliches Treffen mit dem staatlichen Hauptaktionär geben. Offiziell sollen keine Entscheidungen getroffen werden, hieß es. Der französische Staat ist mit rund 55 Prozent an France Télécom beteiligt. Die französische Regierung hatte in dieser Woche Berichte dementiert, dass der Staat angesichts des drastischen Kursverlustes der Aktie und der horrenden Schulden des Konzerns eine Verstaatlichung der France Télécom erwäge.
AMD gibt Umsatzwarnung heraus
Die Aktionäre des am Neuen Markt notierten Chipbrokers CE Consumer treffen sich heute zur Hauptversammlung. Das Unternehmen hatte am Dienstag mit einer Gewinnwarnung überrascht und dies mit einem Wertberichtigungsbedarf in Höhe von 47 Millionen Euro begründet.
Chiptitel könnten heute erneut unter Druck geraten. AMD gab am Morgen eine Umsatzwarnung für das zweite Quartal heraus. Nach ursprünglich 620 bis 700 Millionen Dollar Umsatz erwartet der Konzern nun nur noch 600 Millionen Dollar Umsatz.
Mit deutlichen Kursabschlägen ist auch bei den am Neuen Markt notierten SZ Testsysteme rechnen. Nach Börsenschluss gab der notierte Hersteller von automatischen Testsystemen zur Prüfung von Halbleiterbauteilen eine saftige Gewinnwarnung heraus. Das Unternehmen hat wegen der andauernden Flaute in der Halbleiterindustrie seine Umsatz- und Ergebnisprognose für das laufende Geschäftsjahr 2001/2002 gesenkt. Zudem soll die Zahl der Mitarbeiter weltweit von 390 auf 300 reduziert werden.
Hoffnung für Babcock Borsig
Ein Krisengipfel soll heute in letzter Minute den angeschlagenen Oberhausener Maschinenbaukonzern Babcock Borsig retten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Wolfgang Clement (SPD) hat den Babcock-Vorstand, die Anteilseigner und Banken nach Düsseldorf eingeladen. Ohne Hilfen droht Babcock das Insolvenzverfahren.
Nach Medienberichten gibt es Aussichten auf einen Durchbruch. Unter anderem ist von einem möglichen raschen Verkauf des lukrativen US-Geschäfts die Rede. Der Geldbedarf zur Sanierung wird auf 700 Millionen Euro geschätzt. 50 Millionen Euro müssen noch heute für Gehaltszahlungen aufgebracht werden. Die Aktien der im M-Dax notierten Babcock hatte am Dienstag nach der Offensive Clements ihre Verluste von 20 Prozent nahezu abgebaut.
Die asiatische Leitbörse in Tokio verbuchte am Mittwoch deutliche Gewinne. Der Nikkei schloss 1,8 Prozent fester auf 10.812 Zähler.