Börsenausblick: Angst vor der neuen Blase - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Angst vor der neuen Blase

Die weltweite Rallye der Technologiewerte dürfte sich heute fortsetzen, trotz lauter werdender Mahnungen. Die Nasdaq baute ihre Gewinne im späten Handel aus. In den USA dürfte die Arbeitslosenrate erneut gestiegen sein.
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Frankfurt am Main - Die Party scheint noch nicht vorbei: Trotz der bereits deutlichen Kursgewinne gestern rechnen Händler heute erneut mit einem freundlichen Auftakt. Technologieaktien haben am Donnerstag im späten Handel die wichtigsten US-Börsenbarometer in die Höhe getrieben.

Dow Jones (plus 1 Prozent) und Nasdaq Composite (plus 3,3 Prozent) bauten im späten Handel ihre Gewinne weiter aus, obwohl die Neuanträge auf Arbeitslosenunterstützung in den USA deutlich gestiegen sind. Heute stehen neue US-Arbeitsmarktdaten an: Volkswirte gehen davon aus, dass die Arbeitslosenquote auf 5,8 Prozent gestiegen ist.

Vor allem Chip-, Computer-, Speicher- und Netzwerktitel waren gesucht. Die Halbleiteraktien führen die Rallye an. Analysten überschlugen sich mit Empfehlungen für die Branche. Der Philadelphia Semiconductor Index stieg gestern um mehr als acht Prozent. Für die Initialzündung hatte die Preiserhöhung des koreanischen Chipherstellers Hynix gesorgt: Investoren setzen darauf, dass die Chipindustrie nach dem Preisverfall im Vorjahr zu neuem Leben erwacht, sofern die Überkapazitäten abgebaut werden.

Deutliche Gewinne verbuchten Intel  , AMD, EMC, IBM, Dell Computer, Hewlett-Packard, Oracle und Microsoft   . Airline-Aktien wie AMR, UAL und Delta zogen steil nach oben. Pharma-Aktien wie Pfizer und Merck   sowie Biotech-Werte wie Amgen gaben hingegen nach. Der Chemieriese Dow Chemical konnte sich trotz einer Gewinnwarnung verbessern.

Händler warnen vor Blase am Neuen Markt

Im Sog der festen US-Börsen war der Dax am Donnerstag um zwei Prozent geklettert und schloss auf 5270 Punkten. Der Auswahlindex Nemax 50 stieg sogar um satte 7,4 Prozent auf 1252 Punkte. "Es wird einfach gekauft, obwohl der Markt seit September fast schon 100 Prozent zugelegt hat", kommentierte ein Händler. Mehr als 20 Aktien am Neuen Markt seien zweistellig gestiegen, obwohl keine positiven Unternehmensmeldungen vorlägen. Die hohen Kurse würden allerdings kaum durch die Konjunkturdaten untermauert. Ein weiterer Händler sah der Grund für das kräftige Plus in der Reaktion auf die "erhebliche Bereinigung der Depots zum Jahresende".

Für den Dax sind Börsianer zuversichtlicher. "Viele große Anleger sind noch nicht ausreichend im Markt", sagte ein Händler. Bis März könnte der Dax mit kleineren Konsolidierungsphasen auf 5600 bis 5800 Punkte steigen, fügte er hinzu.

Infineon führt den Dax an

Die Aktie des Chipherstellers Infineon   setzte am Donnerstag seinen steilen Kursanstieg fort und verteuerte sich um weitere 6,1 Prozent auf 26,20 Euro. Der Münchener Halbleiter-Hersteller wird vermutlich dem Beispiel seines südkoreanischen Konkurrenten Hynix folgen und ebenfalls die Speicherchip-Preise für Großkunden erhöhen. Im Sog von Infineon präsentierten sich auch die Aktien der Konzernmutter Siemens   und Epcos   sehr fest.

Auto-Absatzzahlen gestiegen

Doch auch die Autotitel werden zum Wochenschluss im Blickpunkt der Anleger stehen: Die deutschen Hersteller, allen voran BMW   , Audi und Porsche, haben ihren Absatz in den USA verbessert. An der Wall Street konnten sich bereits Ford, General Motors und DaimlerChrysler   dank guter Absatzergebnisse im Dezember verbessern.

Der Aufwärtstrend geht derzeit an Pharma- und Biotechtiteln vorbei. Leicht im Minus schlossen gestern Schering-Titel  . Zuvor war bekannt geworden, dass der Pharmakonzern die restlichen 40 Prozent an der französischen CIS Bio International von Areva kaufen will.

Rallye in Tokio - Euro fällt unter 90 Cent

Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am ersten Handelstag des neuen Jahres bei verkürzten Handelszeiten deutliche Gewinne verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte um 328,87 Punkte oder 3,1 Prozent zu und schloss beim Stande von 10.871 Punkten. Händler in Tokio sahen in den Vortagsgewinnen an der Wall Street den Grund für den guten Start ins neue Jahr. Vor der Handelseröffnung hatten am Freitag in der Tokioter Börse alle Anwesenden drei Mal in die Hände geklatscht, ein japanischer Brauch, um sich Glück zu wünschen.

Von dem guten Start in Tokio profitierten vor allem die Hightech-Werte, allen voran Sony, die um 7,2 Prozent auf 6.420 Yen zulegen konnten. Auch Advantest legte deutlich zu.

Der Euro notierte am Morgen mit 0,8995 Dollar. Zum Yen notierte die europäische Gemeinschaftswährung mit 118,47-51 Yen nach 118,30-40 Yen am Vortag in New York.