Börsenausblick: Anleger gehen in Deckung - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Anleger gehen in Deckung

In der zweiten Septemberhälfte hat der Dax rund zehn Prozent eingebüßt. Ein Goldener Oktober kann es nur werden, wenn die Zahlen zum dritten Quartal besser ausfallen als erwartet. Die schwachen US-Konjunkturdaten dürften den Dax aber zunächst weiterhin belasten.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Hamburg - Seit zwei Wochen geben die Bären wieder den Ton an. Ein überraschend schwaches US-Verbrauchervertrauen und ein schwacher Einkaufsmanager-Index aus Chicago gaben gestern den Pessimisten Auftrieb: Sie rechnen mit einer nur zögerlichen Erholung der US-Konjunktur und erwarten von der in der kommenden Woche beginnenden Berichtssaison zum dritten Quartal eher enttäuschende Unternehmenszahlen.

Quartalszahlen: Anleger gehen in Deckung

Kennzeichnend für die neue Vorsicht sind die massiven Verluste des Aluminiumkonzerns Alcoa, der am 7. Oktober die Quartalssaison eröffnet. Die Aktie gab nach negativen Analystenaussagen 4,4 Prozent ab und war größter Verlierer im Dow Jones. Die Analysten von UBS erwarten bei der Vorlage der Drittquartalszahlen von Alcoa am 7. Oktober einen Gewinn pro Aktie von 0,25 Dollar, was deutlich unter der Konsensschätzungen von 0,30 Dollar liegt.

Dunkler Schatten auf Alcoa

Die Verluste bei Alcoa und die Enttäuschung über die schwachen Konjunkturdaten drückten den Dow Jones im späten Handel wieder tiefer ins Minus: Der Index gab bis 22 Uhr 105 Punkte (1,1 Prozent) ab und schloss bei 9275 Zählern. Der Nasdaq Composite büßte sogar 2,1 Prozent auf 1786 Punkte ein.

"Die enttäuschenden Konjunkturdaten könnten nicht so schnell vergessen werden", sagte ein Händler. Das Verbrauchervertrauen fiel auf 76,8 von 81,7 im August - die schwachen Arbeitsmarktdaten nähren die Befürchtung, die Konjunkturerholung werde sich als "Aufschwung ohne Jobs" und damit als nicht nachhaltig erweisen. Auch der Einkaufsmanagerindex sank von 58,9 im August deutlich auf 51,2 im September.

Sun Microsystens bricht ein

An der Nasdaq verhagelte vor allem der Chiphersteller Sun Microsystems die Stimmung: Wegen einer aufgeschobenen Steuerzahlung in Höhe von 1,05 Milliarden Dollar muss Sun Microsystems die jüngsten Quartalsergebnisse revidieren. Nach Unternehmensangaben ist demnach ein Verlust von 1,04 Mrd Dollar oder 0,32 Dollar je Aktie angefallen.

Im Juli hatte Sun noch einen Gewinn von zwölf Millionen Dollar für das Quartal ausgewiesen - Makulatur. Als Reaktion auf die Nachricht haben drei Investmenthäuser ihre Anlageempfehlung für Sun Microsystems gesenkt. Sun Microsystems gaben satte 14,2 Prozent nach.

Dax schwächer erwartet: Halten die 3200 Punkte?

Damit ist auch die leichte Stabilisierung dahin, die sich gestern Abend nach der Intervention der japanischen Notenbank abzeichnet. Die Bank of Japan wehrt sich mit Eingriffen am Devisenmarkt gegen eine weitere Abwertung des US-Dollar: Der Abwertungsdruck des Dollar könnte sich so vor allem über der europäischen Gemeinschaftswährung entladen. Der starke Euro ist seit zwei Wochen einer der größten Belastungsfaktoren für den Dax und die weiteren Indizes in Europa. Am Morgen notierte der Euro wieder etwas schwächer bei 1,1675 US-Dollar.

Der Dax   dürfte auf Grund der späten Verluste in den USA erneut schwächer eröffnen. Der Index verlor gestern 2,0 Prozent auf 3256 Punkte. Börsianer befürchten, dass der Index in dieser Woche unter die Marke von 3200 Punkten rutschen könnte - ein schwacher Dollar und weitere Herabstufungen vor der Quartalssaison könnten den Kursrutsch beschleunigen.

Trotz der deutlichen Verluste der vergangenen Handelstage notiert der Dax aber immer noch deutlich höher als zu Anfang des Jahres. Im dritten Quartal hat der Index 1,1 Prozent zugelegt, während der Dow Jones um 3,2 Prozent kletterte.

Nikkei fest - Hoffnung auf Erholung ungebrochen

Ein Hoffnungszeichen kommt aus Tokio: Der Nikkei-Index schloss trotz der schwachen US-Vorgaben 1,4 Prozent im Plus bei 10361 Punkten. Stützend wirkte sich Händlern zufolge der kurz vor Handelsbeginn veröffentlichte Quartalsbericht der Zentralbank aus, wonach sich die Stimmung der japanischen Großindustrie so weit aufgehellt hat wie seit mehr als zwei Jahren nicht mehr.

Der Euro notierte am Morgen bei 1,1676 US-Dollar, nachdem er gestern im Tagesverlauf kurzzeitig über 1,17 US-Dollar gestiegen war. Zum Yen tendierte der Euro etwas fester mit 129,96-130,00 Yen nach 128,85-89 Yen am späten Vortag.