Börsenausblick: Ausgerechnet WorldCom gibt Hoffnung - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Ausgerechnet WorldCom gibt Hoffnung

Nach kurzem Erholungsversuch sind die US-Börsen im späten Handel erneut eingeknickt. Trotzdem rechnen Händler zum Auftakt nur mit moderaten Verlusten im Dax. Die Märkte in Asien trotzten dem schwachen Trend - ausgerechnet WorldCom gibt ein wenig Hoffnung.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Indizes müssen heute zum Auftakt erneut extrem schwache Vorgaben verkraften. Der Dow Jones ist in den letzten beiden Handelsstunden um 234 Punkte eingebrochen und schloss 2,9 Prozent schwächer bei 7784 Punkten - erstmals seit Oktober 1998 schloss der Dow unter 8000 Zählern. "Another day, another plunge", kommentierten Börsianer in New York den anhaltenden Kursverfall. Die Technologiebörse Nasdaq Composite schloss 2,8 Prozent schwächer bei 1282 Zählern.

Der Dax, der bereits gestern 5,2 Prozent auf 3691 Zähler verloren hatte, dürfte heute zunächst weiter nachgeben. Auch der Nemax 50 fiel gestern um weitere 2,3 Prozent und droht unter 500 Punkte zu fallen. Händler rechnen zum Auftakt jedoch nur mit moderaten Verlusten, da die US-Futures positiv sind und Asien sich behauptet gezeigt hat. Doch für den gesamten Handelstag wagt niemand eine Prognose: Das September-Tief im Dax ist nur noch rund 150 Punkte entfernt. Zehn Tage nach den Attentaten hatte der Index ein Rekordtief von 3539 Zählern markiert. Dow und Nasdaq haben ihre September-Tiefs bereits nach unten durchschlagen.

Asien, Texas Instruments und WorldCom geben Hoffnung

Viele Anleger haben kapituliert. Nur wenige Optimisten betonen, dass es Chancen auf eine technische Gegenreaktion gibt: So hat zum Beispiel der Nikkei den Handelstag trotz der Verkaufsorgie in New York mit einem Plus von 0,3 Prozent auf 10.215 Punkte beendet, und auch der Dollar zog in Asien wieder an. Außerdem sei es nicht überraschend, dass auf einen extrem schwachen Freitag auch ein schwacher Montag folge - nun sei der größte Verkaufsdruck weg.

Weiterhin habe Texas Instruments nach US-Börsenschluss die Erwartungen erfüllt und einen positiven Ausblick gegeben: Der Halbleiterhersteller rechnet mit fünf Prozent Umsatzwachstum im dritten Quartal. Und der Telekomkonzern WorldCom  , mit seinem Antrag auf Gläubigerschutz ein Auslöser für den Verkaufsrausch, habe durch eine Zwischenfinanzierung seine Zahlungsfähigkeit vorläufig sichergestellt.

Citigroup bricht ein, WorldCom zieht an

Doch Händler warnen davor, jetzt in ein noch fallendes Messer zu greifen. "Der Markt ist derart verunsichert, dass der Dow diese Woche spielend noch einmal 500 Punkte verlieren könnte", sagte William Schneider, der Leiter des Aktienhandels bei der Bank UBS Warburg.

Für den Standardwerte-Index war es der zehnte Rückschlag während der letzten elf Sitzungen. Das mangelnde Anlegervertrauen in die Bilanzrechnungen der Unternehmen und die Angst, die Börsen-Baisse werde auch auf die langsam anziehende Konjunktur durchschlagen, sind die Triebfedern des Abschwungs. Lediglich Präsident George W. Bush zeigt sich optimistisch: Die Wirtschaft sei in guter Verfassung, Unternehmensgewinne verbesserten sich, doch ein paar sinnvolle Reformen seien notwendig, sagte Bush.

Zu den größten Verlierern an der Wall Street zählten die Citigroup   und andere Finanzdienstleister, die WorldCom Kredite gewährt haben. Citigroup fielen um elf Prozent auf 32,04 Dollar. Unterdessen stimmte ein US-Gericht einer Kreditlinie in Höhe von zwei Milliarden Dollar zu, damit das mit 30 Milliarden Dollar verschuldete WorldCom   laufende Rechnungen bezahlen kann. Die Aktie klettert um 40 Prozent auf 14 Cent.

Die Indizes zeigen sich extrem volatil - Zeichen der enormen Verunsicherung. Der Dow Jones bewegte sich zum Beispiel in einer Spanne von rund 330 Punkten. An der Nasdaq konnte der Biotechnologie-Branchenführer Amgen seine Verluste bei 0,5 Prozent in Grenzen halten: Die Pharmaaufsicht FDA hatte zuvor das Medikament Aranesp zur Behandlung von Blutarmut als Folge einer Chemotherapie zugelassen. Amgen hatte bereits vor Wochen den Rückkauf eigener Aktien angekündigt.

Zittern in Europa - Finanzwerte angeschlagen

Auch in Europa wollen einige Schwergewichte die Kursschwäche zum Rückkauf eigener Aktien nutzen. Der Schweizer Pharmariese Novartis   hat ein Aktienrückkaufprogramm im Wert von mehr als vier Milliarden Schweizer Franken angekündigt.

In Frankfurt gehen Anleger erst einmal in Deckung. Besonders Finanz- und Technologiewerte sind schwer angeschlagen. Die Aktie der Deutsche Bank  , die mit 1,1 Milliarden Dollar zu den größeren Kreditgebern beim Pleiteunternehmen WorldCom gehört, gab gestern 6,6 Prozent ab und schloss deutlich unter 60 Euro. Titel der Münchener Rück   verloren fast sieben Prozent auf 186,50 Euro, Allianz   7,6 Prozent auf 151,20 Euro. Die Versicherer belastet auch die Gewinnwarnung des Versicherers Aegon.

Die Aktie der Deutschen Telekom   konnte am Montag ihre Verluste mit 1,7 Prozent noch in Grenzen halten. Der Konzern will unter dem neuen Vorstandschef Sihler die Sanierung des Unternehmens beschleunigen.

Euro unter Parität

Der Kurs des Euro ist im asiatischen Handel am Dienstag unter die Parität zum Dollar gesunken. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete am Morgen 0,9989 Dollar, nachdem sie zwischenzeitlich bis auf 0,9956 Dollar abgesackt war. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag noch deutlich über der Parität bei 1,0086 (Freitag: 1,0146) Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 0,9915 (0,9856) Euro.