Börsenausblick: Bushs Beruhigungspille - DER SPIEGEL
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Börsenausblick Bushs Beruhigungspille

Angesichts immer neuer Bilanzskandale hat US-Präsident George W. Bush verschärfte Gesetze angekündigt. Ob die Vertrauenskrise dadurch gelöst wird, ist fraglich. Vorerst deuten die Indikatoren auf nachgebende Kurse.
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Frankfurt am Main - Nach den gestrigen Verlusten sollten Dax und Nemax auch am Dienstag im roten Bereich starten. Die Vorgaben aus den USA sind schwach, vor allem in den letzten beiden Handelsstunden haben die Indizes ihr Minus ausgebaut.

Der Dow Jones fiel um 1,1 Prozent auf 9274 Punkte, der Nasdaq schloss bei 1405 Zählern, ein Minus von drei Prozent. Fortgesetzte Spekulationen über milliardenschwere Bilanztricks beim US-Pharmariesen Merck & Co.   und enttäuschend ausgefallene Geschäftszahlen des weltgrößten Aluminiumherstellers Alcoa   hatten für Kursverluste gesorgt.

Der Dax ging am Montag rund 0,9 Prozent schwächer auf 4442 Punkten aus dem Handel. Der MDax kletterte um 0,2 Prozent auf 3911 Punkte. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 auf 579 Zählern, ein Minus von 1,2 Prozent.

"Harte Gesetze" gegen Finanzskandale

US-Präsident George W. Bush hat unterdessen harte Gesetze zur Verhinderung künftiger Finanzskandale in amerikanischen Unternehmen angekündigt und sich gleichzeitig hinter den Chef der US-Börsenaufsicht SEC, Harvey Pitt, gestellt. Pitt mache seinen Job gut und habe rasch auf die jüngsten Buchungsunregelmäßigkeiten reagiert, sagte Bush auf einer kurzfristig angesetzten Pressekonferenz am Montag in Washington. Mehrere prominente Politiker hatten zuvor den Rücktritt des SEC-Chefs gefordert.

Bush betonte, das erschütterte Vertrauen von Verbrauchern und Investoren in US-Unternehmensführungen müsse wieder hergestellt werden. Einzelheiten will Bush an diesem Dienstag in einer Rede in New York bekannt geben. Vorwürfe, dass er selber Anfang der 90er Jahre als Unternehmer möglicherweise von Insiderwissen profitiert und den Aufsichtsbehörden verspätet Verkaufsdokumente vorgelegt habe, wies der Präsident erneut zurück. Die Vorgänge um die Firma Harken Energy seien alle untersucht und klar gestellt worden, versicherte Bush.

Arbeitslosenzahlen wieder gestiegen

Wichtige Unternehmenszahlen stehen am Dienstag nicht an. Von der Konjunkturseite könnte die Arbeitslosenstatistik für Bewegung sorgen. Die Zahl der Erwerbslosen in Deutschland ist im Juni nach Informationen der "Bild"-Zeitung und der dpa überraschend um 8000 auf 3,954 Millionen gestiegen. Damit waren Ende Juni 260.000 Menschen mehr ohne Beschäftigung als vor einem Jahr. In Westdeutschland registrierten die Arbeitsämter den Informationen zu Folge 2,560 Millionen Arbeitslose - rund 1000 weniger als im Mai. In den neuen Ländern stieg die Zahl der Erwerbslosen um 9000 auf 1,394 Millionen. Arbeitsmarkt-Experten hatten für Juni noch eine Abnahme der Arbeitslosenzahl um etwa 20.000 prognostiziert.

Deutsche Telekom forciert Schuldenabbau

Die Deutsche Telekom   prüft einem Zeitungsbericht zufolge den Verkauf von Teilen ihrer Informationstechnologie -Sparte (IT) T-Systems. Vorderstes Ziel sei dabei der Schuldenabbau, berichtet die "Financial Times Deutschland" unter Berufung auf Unternehmenskreise. "Es gibt keine Tabus. Es gibt auch Szenarien, die den Verkauf von Einheiten der IT-Sparte einschließen", heiße es in den Kreisen. Es könnten zum Beispiel Rechenzentren oder ähnliche Teile verkauft werden, schreibt das Blatt weiter. Den Erlös aus dem Verkauf könne das größte europäische Telefonunternehmen zum Abbau seiner Schulden von 67,2 Milliarden Euro nutzen. Eine aus den Verkäufen zu erzielende Summe sei nicht genannt worden. Ein Telekom-Sprecher habe dazu keinen Kommentar abgegeben. Am Vortag ging die T-Aktie mit einem Minus von 1,9 Prozent auf 10,60 Euro aus dem Handel.

ProSiebenSat.1-Hauptversammlung im Zeichen der Kirch-Pleite

Die Kirch-Pleite dürfte auf der heutigen Hauptversammlung des TV-Konzerns ProSiebenSat.1   dominierendes Thema sein. Nach der Insolvenz der Muttergesellschaft KirchMedia wird ProSiebenSat.1 wohl einen neuen Mehrheitsgesellschafter bekommen. An einem Einstieg sind zahlreiche Medienkonzerne und Finanzinvestoren aus aller Welt interessiert. Das im MDax notierte Unternehmen leidet derzeit wie die gesamte Branche unter der Werbeflaute. Im ersten Quartal brach das Ergebnis vor Steuern von 28,6 auf 8,5 Millionen ein. Der Umsatz sank um fünf Prozent auf 489,3 Millionen Euro.