Börsenausblick: Chancen für Hightech-Titel - DER SPIEGEL
Zum Inhalt springen

Börsenausblick Chancen für Hightech-Titel

Die Zahlen des Computerriesen Dell lassen auf Erholung bei den Technologietiteln hoffen. Telekom-Chef Sihler denkt über einen "Teilrückzug aus dem Ausland" nach. Nach der freundlichen Schlusstendenz in New York rechnen Händler mit einem behaupteten Auftakt.
Dieser Beitrag stammt aus dem SPIEGEL-Archiv. Warum ist das wichtig?

Frankfurt am Main – Anleger können zum Wochenschluss auf eine leichte Erholung hoffen. Der US-Computerhersteller Dell   hat am Donnerstag für das zweite Quartal einen Gewinn von 19 US-Cent pro Aktie ausgewiesen. Damit traf das Unternehmen die Durchschnittserwartung Analysten. Zudem lieferte Dell-Präsident Kevin Rollins einen optimistischen Ausblick auf das laufende Geschäft. Wie Dell weiter mitteilte, kletterte der Umsatz im abgelaufenen Quartal von 7,611 Milliarden Dollar auf 8,459 Milliarden Dollar. Analysten hatten im Schnitt lediglich mit einem Ansteig auf 8,28 Milliarden US-Dollar gerechnet.

Der Dow-Jones-Index ging mit einem Plus von 0,9 Prozent auf 8818 Zähler aus dem Handel. Der Technologieindex Nasdaq Composite legte um 0,8 Prozent auf 1345 Punkte zu. Auch nach der Rallye am Vortag zeigten sich die US-Indizes nach einem volatilen Handelstag gut behauptet.

Nach dem gestrigen Feiertag in weiten Teilen Deutschland rechnen Händler in Frankfurt für heute mit einem sehr umsatzschwachen Tag und einer zunächst eher freundlichen Tendenz. Über den Kursverlauf werden vor allem neue Zahlen zur US-Konjunktur und zum US-Verbrauchervertrauen entscheiden, die am Nachmittag bekannt gegeben werden.

AOL steigt trotz Bilanztricks kräftig

Die Anleger sind davon angetan, dass nach der eidesstattlichen Bestätigung der Bilanzen durch hunderte Firmen- und Finanzchefs der größten US-Konzerne größere unangenehme Überraschungen bisher ausgeblieben sind. Zwar hat der Medienkonzern AOL TimeWarner Bilanztricksereien einräumen müssen. Beim Internet-Anbieter AOL sei der Umsatz um 49 Millionen Dollar (49,7 Millionen Euro) aufgeblasen worden. Dennoch zeigten sich Anleger unbeeindruckt: Die Aktie von AOL Time Warner   stieg bis Handelsschluss in New York um rund sieben Prozent auf 11,86 Dollar.

Schwache Konjunkturdaten bremsen Aufwärtstrend nicht

Die Zuversicht über die heilenden Kräfte des Bilanzeides wog schwerer als die schwachen Konjunkturdaten, die nur kurzfristig für Verkaufsdruck sorgten. Die amerikanische Industrieproduktion ist im Juli nur noch um 0,2 Prozent gestiegen, und die Auslastung der US-Fabriken erreichte 76,1 Prozent. Außerdem hat die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stärker als erwartet zugenommen. Negativ wirkte sich der Geschäftsklimaindex der Federal Reserve von Philadelphia aus. Das Stimmungsbarometer ist im August stärker als erwartet gefallen und weist zum ersten Mal im laufenden Jahr einen negativen Wert auf.

HP legt zu, Sun nach Abstufung schwächer

Nach positiven Analystenkommentaren stiegen Hewlett Packard   um 2,53 Prozent auf 15,00 Dollar. Lehman Brothers hat das Papier des Computerkonzerns auf "Equalweight" heraufgestuft. Auch IBM   gewannen rund zwei Prozent auf 76,50 Dollar. EMC schlossen im Plus, obwohl Goldman Sachs den Titel gemeinsam mit dem Papier von Sun Microsystems   von seiner Empfehlungsliste genommen hat. Sun ging nach der Abstufung deutlich schwächer aus dem Handel.

Nach anfangs massiven Verlusten erholten sich UAL Corp. und gewannen bis Handelsende 4,90 Prozent auf 2,57 Dollar. Deren wichtigste Beteiligung, die Fluglinie United Airlines, wird möglicherweise nach Chapter 11 Gläubigerschutz beantragen. Dies belastete auch das Papier der Deutschen Lufthansa  .

Imclone will Geld vom Chef zurück

Das in einen Insider-Skandal verwickelte US-Biotechnologie-Unternehmen ImClone   setzte gestern mit einem zweistelligen Kursplus zu einer Erholung an. Das Unternehmen verklagt seinen früheren Chef Samuel Waksal wegen Behinderung strafrechtlicher Ermittlungen. ImClone verlangt von Waksal Abfindungen in Höhe von 7 Millionen Dollar und andere Bonuszahlungen zurück.

Dax behauptet erwartet

Aufgrund der freundlichen Schlusstendenz an der Wall Street und nach den Zahlen von Dell rechnen Händler in Frankfurt mit einem behaupteten Start im Dax. Der Index hatte gestern 2,1 Prozent auf 3665 Zähler zugelegt. Am Neuen Markt schloss der Nemax 50 auf 491 Zählern, ein Plus von 3,5 Prozent.

Besonders die Technologiewerte Siemens  , Infineon   und SAP stehen heute im Blickpunkt. Nach den recht guten Zahlen von Dell   nach US-Börsenschluss hoffen Börsianer auf eine weitere Erholung in der Branche.

Telekom: Abschied von Voicestream?

Marktschwergewichte wie die T-Aktie   und DaimlerChrysler   dürften heute das Interesse der Anleger auf sich ziehen. Der Vorstandsvorsitzende der Telekom Helmut Sihler, bereitet deutliche Kurskorrekturen in der Unternehmenspolitik vor. Er machte in einem Interview mit der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" deutlich, dass ein Teilrückzug aus dem Auslandsgeschäft erwogen wird. Dagegen steht die DaimlerChrysler AG nach einem Bericht der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) offenbar kurz davor, eine Mehrheit bei Fuso, der Transportsparte der Mitsubishi Motors Corp, zu übernehmen.

Kartellamt prüft Lufthansa-Deal

Nach einem guten Start war das Papier der Lufthansa   gestern deutlich ins Minus gerutscht. Nicht nur die drohende Pleite von Star-Alliance-Mitglied United Airlines belastet: Das Bundeskartellamt hat die längst genehmigte Beteiligung der Deutschen Lufthansa AG an der Eurowings Luftverkehrs AG laut einem Bericht der FTD erneut ins Visier genommen. Eine der damals vereinbarten Auflagen, die Abtretung von Start- und Landerechten an die Fluggesellschaft Germania, habe die Fluglinie nach Ansicht der Behörde nicht erfüllt.

Epcos auf Erholungskurs

Zu den größten Gewinnern gehörte gestern der Bauelemente-Spezialisten Epcos  . Der Wert verteuerte sich um knapp 3,6 Prozent auf 14,97 Euro und profitierte von seinem Klassenerhalt im Dax. Auch die Aktie des Heidelberger Finanzdienstleisters MLP   tendierte trotz Gewinnwarnung deutlich fester: Analysten hatten zum Teil mit noch schwächeren Quartalszahlen gerechnet. Zudem hat auch MLP seinen Platz im Dax gerettet.

Allianz: Was wird mit Dresdner Bank?

Selbst ein drastischer Gewinneinbruch ihrer Finanzsparte Dresdner Bank konnte den Aufwärtstrend der Allianz-Aktie   zunächst nicht bremsen. Gerüchte, der Allfinanzkonzern verhandele mit der französischen Großbank BNP Paribas   über einen Verkauf des im vergangenen Jahr übernommenen Geldhauses setzten, den Kurs später allerdings unter Druck.

Tokio knapp behauptet, Euro über 0,98 Dollar

Die Aktienbörse in Tokio hat am Freitag knapp behauptet geschlossen. Der Nikkei-225-Index für 225 führende Werte gab 0,1 Prozent auf 9788 Punkte ab. Der Euro wurde am Morgen mit 0,9805Euro gehandelt. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Vortag bei 0,9777 Dollar festgesetzt. Der Dollar kostete damit 1,0228 Euro.