Börsenausblick Dämpfer aus Seattle
Frankfurt am Main - Die Quartalszahlen der Citigroup von General Electric hatten gestern die Anleger positiv überrascht: Beide Aktien legten in New York mehr als zwei Prozent zu und zogen andere Werte mit. Dow Jones (plus 1,4 Prozent) und Nasdaq Composite (plus 2,1 Prozent) bauten nach Handelsschluss in Deutschland ihre Gewinne sogar aus, doch nun ziehen zwei Branchenriesen erneut die Bremse.
Sowohl der weltgrößte Software-Hersteller Microsoft als auch der weltgrößte PC-Hersteller IBM meldeten einen Gewinnrückgang. Bei Microsoft drückten hohe Prozesskosten im Kartellverfahren auf den Quartalsgewinn, während IBM unter einer schwachen PC-Nachfrage litt. Die Aktien der beiden Unternehmen gaben im nachbörslichen Handel jeweils rund zwei Prozent nach. Die Berichte belasteten nachbörslich auch die Aktien des Konkurrenten Oracle und des PC-Herstellers Compaq.
Microsoft: Umsatz gestiegen, Ausblick verhalten
Bei Microsoft ist der Nettogewinn um 13 Prozent auf 2,28 Milliarden Dollar oder 41 Cent je Aktie gefallen. Mitverantwortlich für den Ergebniseinbruch seien Kosten in Höhe von 660 Millionen Dollar für Gerichtsprozesse gewesen. Der Umsatz stieg dank der starken Nachfrage nach der neuen Anwendungsoberfäche Windows XP um 18 Prozent auf 7,74 Milliarden Dollar. Der Softwarekonzern geht davon aus, dass die PC-Verkäufe weltweit in der ersten Jahreshälfte 2002 weiter fallen werden.
Umsatz bei IBM um elf Prozent gesunken
Auch IBM hat im vierten Quartal 2001 ein um 13 Prozent niedrigeres Ergebnis verbucht. Die Umsätze aus dem Dienstleistungsgeschäft und den Personalrechner- und Halbleiter- Bereichen seien niedriger gewesen als erwartet gewesen, teilte der Konzern mit . Während der abendlichen Analystenkonferenz bestätigte der IBM-Finanzvorstand John Joyce die Prognose für das Geschäftsjahr 2002. Ein Ergebnis von 4,81 Dollar je Aktie sei "angemessen".
Dunkle Wolken bei Sun
Der US-Hardware-Hersteller Sun Microsystems wird am heutigen Freitag voraussichtlich einen Verlust von 4 US-Cent pro Aktie für das 2. Quartal (per 31. Dezember 2001) ausweisen. Das erwarten die von Thomson Financial/First Call befragten Analysten. Im vergleichbaren Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 16 Cent erwirtschaftet. Beim Umsatz erwarten die Experten einen Rückgang von 5,115 Milliarden auf 3,079 Milliarden Dollar.
Dax und Nemax auf Schlingerkurs
Vor allem die Technologiewerte SAP, Siemens , Epcos und Infineon dürften im Dax zunächst unter Druck geraten. Der Dax hatte am Donnerstag drei Prozent fester bei 5133 Zählern geschlossen. Unterstützt von einem freundlichen Handelsverlauf an den US-Börsen kletterte der Nemax 50 um 3,5 Prozent auf 1180 Stellen. Die Kauffreude der Anleger wurde nach Händlereinschätzung noch durch einen starken Anstieg des Konjunkturindexes der Federal Reserve Bank von Philadelphia verstärkt. Die Fed betonte jedoch, dass ein einmonatiger Anstieg noch keine Erholung der Industrieproduktion in den USA bedeute.
Finanzwerte im Fokus
Trotz der Erholung gestern gibt es noch keine Entwarnung. Vor allem Finanzwerte werden heute Mühe haben, ihre stolzen Vortagesgewinne zu halten. Die Commerzbank hatte gestern knapp zehn Prozent zugelegt: Die Münchener Rück hat ihren Anteil an der Commerzbank von fünf auf 10,4 Prozent erhöht. Anleger spekulieren nun auf eine Fusion der Commerzbank mit der HypoVereinsbank , an der die Rückversicherung mit 5,1 Prozent beteiligt ist.
Porsche: Immun gegen die Flaute?
Der Sportwagenhersteller Porsche hat im vergangenen Quartal seinen Umsatz um sechs Prozent und das Ergebnis um zehn Prozent gesteigert. Trotz der Konjunkturschwäche strebt das Unternehmen ein Jahresergebnis auf Vorjahresniveau an. Ob der Funke auch auf die anderen Autowerte überspringt, ist aufgrund der Sonderstellung des ertragsstarken Luxuswagen-Herstellers zweifelhaft.
Mehr Kunden bei Telekom und T-Online Die T-Aktie baute ihre Zugewinne gestern auf mehr 4,47 Prozent aus und notierte knapp unter der Marke von 18 Euro. Nach Meinung von Händlern waren viele Anleger überrascht über die gute Entwicklung der Kundenzahlen bei den Mobilfunktöchtern T-Mobile, One2One und Voicestream. Die Zahl der VoiceStream-Kunden ist im Jahr 2001 um 668.000 auf sieben Millionen gestiegen ist. Auch T-Online verbuchten ein Plus von 2,91 Prozent auf 12,04 Euro. Die Muttergesellschaft Deutsche Telekom hatte bekannt gegeben, der Internetdienstleister habe im vierten Quartal 900.000 Neukunden gezählt und damit den stärksten Kundenzuwachs des vergangenen Jahres verbucht.
Infineon schwach vor Quartalszahlen
Die Liste der Verlierer im Dax wurde am Donnerstag von den Aktien des Chipherstellers Infineon angeführt. Der verhaltene Ausblick des weltgrößten Prozessor-Herstellers Intel drückte den Infineon-Kurs um rund 0,74 Prozent auf 24,22 Euro. Der Halbleiterhersteller legt am kommenden Montag seine Geschäftszahlen vor. Infineon hat nach der Einschätzung von Analysten im abgelaufenen Quartal wieder tiefrote Zahlen geschrieben, die Verluste verglichen mit dem vorangegangenen Vierteljahr aber eingedämmt.
Nikkei fester, Euro kaum verändert
Die asiatische Leitbörse in Tokio hat am Freitag nach den guten Vorgaben der Wall Street Gewinne verbucht. Der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte legte 165,14 Punkte oder 1,63 Prozent zu und ging beim Stand von 10.293,32 Punkten aus dem Markt. Innerhalb der vorausgegangenen sieben Handelstage hatte der Nikkei um mehr als 800 Punkte nachgegeben.
Der Kurs des Euro notierte am Freitag Morgen bei 0,8811 Dollar. Die Europäische Zentralbank hatte den Referenzkurs am Donnerstag bei 0,8819 Dollar festgesetzt.