Börsenausblick Daimler und VW trommeln
Frankfurt am Main/New York - Die positive Seite sahen US-Investoren erst auf den zweiten Blick. Der viel beachtete Einkaufsmanager-Index des Institute of Supply Management (ISM) in Chicago ist im Februar zwar auf 61,4 Punkte gefallen, blieb aber weiter über der entscheidenden Marke von 50 Punkten. Zugleich stieg die sogenannte Beschäftigungskomponente des ISM-Index auf 56,3, den höchsten Stand seit Dezember 1987. Damit signalisiert das Branchenbarometer den stärksten Stellenzuwachs seit mehr als 16 Jahren.
"Das bedeutet, dass die Wirtschaft weiter schrittweise vorankommt", sagte ein Analyst in New York mit Blick auf die im späten Handel deutlich steigende Kurse. Bei Investoren wächst nun wieder die Zuversicht, dass der Arbeitsmarktbericht für den Monat Februar am Freitag doch etwas besser ausfällt als erwartet.
Der Dow Jones legte um fast 100 Zähler zu und schloss 0,9 Prozent fester auf 10678 Punkten. Auf Tageshoch beendete der Technologieindex Nasdaq Composite den Handel - die verbesserten Beschäftigungsaussichten in der Industrie trieben den Index um 1,4 Prozent auf 2057 Zähler.
Der Dax , der bereits gestern freundlich tendiert hatte, dürfte mit dem Rückenwind aus New York seine Klettertour fortsetzen und bei 4065 Zählern eröffnen. Händler halten einen Test der 4100-Punkte-Marke im Verlauf des Handelstages für möglich.
Zu den größten Gewinnern im Dow gehörten zyklische Werte, die von einer nachhaltigen Erholung der Konjunktur stark profitieren. Der Aluminiumkonzern Alcoa schloss 2,5 Prozent fester. In Deutschland gehörte das Chemieunternehmen BASF zu den größten Gewinnern im Dax: Der klassische Frühzykliker hatte zuvor von einem "Wachstum in allen Bereichen" berichtet.
Akzente im Dax könnten heute auch die Automobilwerte setzen. Nicht nur der wieder etwas schwächere Euro, sondern auch der am Donnerstag beginnende Genfer Autosalon lenkt den Blick auf die Autobauer. Die Konzerne nutzen die Gelegenheit, bereits vor Beginn der Show kräftig zu trommeln: Heute werden unter anderem DaimlerChrysler , Mitsubishi, Volkswagen und Audi viel Lobendes über ihre Neuheiten berichten.
DaimlerChrysler dürfte es jedoch schwer fallen, die Investoren zu begeistern. Nach Einschätzung Chrysler-Chef Dieter Zetsche habe sich der US-Automat im vergangenen Monat schleppender entwickelt als erwartet. Nach der langwierigen und teuren Sanierung ist Chrysler zwingend darauf angewiesen, dass die neuen Modelle am Markt ankommen.
Telekom: 440 Millionen Schaden durch Maut-Desaster
Auch die Aktie der Deutschen Telekom steht wieder im Blickpunkt. Das Debakel bei der Einführung der LKW-Maut wird das Ergebnis der Deutschen Telekom für das vergangene Jahr nach Informationen des "Handelsblatt" mit voraussichtlich 440 Millionen Euro belasten. Knapp die Hälfte der Belastung entstehe durch Verluste und die Zahlung von Vertragsstrafen des Mautbetreiberkonsortiums Toll Collect, an dem die Telekom mit 45 Prozent beteiligt ist.
Deutsche Bankenlandschaft: HSBC winkt ab
Das Übernahme- und Fusionsfieber hat seit Wochen auch die deutsche Finanzbranche infiziert. Neben den üblichen Verdächtigen Commerzbank und HypoVereinsbank konnte auch die Deutsche Bank jüngst von Übernahmefantasien profitieren: Börsianer halten einen Einstieg der Citigroup für möglich.
Die britische Großbank HSBC ist unterdessen offenbar nicht am Kauf einer deutschen Bank interessiert. "Ich frage mich, warum ausgerechnet HSBC in einen Markt einsteigen sollte, wenn nicht einmal die heimische Institute es dort schafft, ordentliche Gewinne einzufahren", sagte der Chairman der zweitgrößten Bank der Welt, Sir John Bond, dem "Handelsblatt".
Warten auf Arbeitsmarktbericht
Neben dem Aufwärmprogramm zur Detroit Motor Show ist es auf Unternehmensseite eher ruhig. Heute legen der Erotikkonzern Beate Uhse sowie Grenkeleasing ihre Quartalszahlen vor. Von den Dax-30-Werten gibt es erst am Freitag mit der Bilanz des Pharmakonzerns Schering wieder Neues: Am 5. März wird auch der monatliche Arbeitsmarktbericht in den USA darüber Auskunft geben, ob die jetzt wieder aufkeimende Hoffnung berechtigt war.
Nikkei auf 21-Monats-Hoch
Der japanische Patient Mitsubishi, an dem DaimlerChrysler zu 37 Prozent beteiligt ist, macht der "Welt AG" zwar ebenso wie die US-Sparte Chrysler noch Sorgen. Von der japanischen Aktienbörse kann man dies jedoch nicht behaupten: Der Nikkei legte nach seinen deutlichen Gewinnen zum Wochenauftakt am Dienstag noch einmal 0,8 Prozent zu und schloss bei 11361 Punkten, das ist der höchste Stand seit 21 Monaten.
Auch die leichte Erholung des US-Dollar trieb die Aktienmärkte in Asien weiter nach oben. Am Dienstag notierte der Dollar bei 109,05 Yen. Der Euro gab gegenüber dem Dollar ebenfalls nach und notierte am Morgen bei 1,242 US-Dollar. Spekulationen über eine Zinssenkung der EZB hatten den Euro in den vergangenen Tagen wieder deutlich nach unten gedrückt: Händler halten eine Zinssenkung der EZB am Donnerstag jedoch für unwahrscheinlich.