Börsenausblick: DaimlerChrysler verstärkt den Blues - DER SPIEGEL
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Börsenausblick DaimlerChrysler verstärkt den Blues

Nach dem Kursdebakel gestern rechnen Händler erneut mit einem schwachen Auftakt. DaimlerChrysler erwartet einen Umsatzeinbruch in diesem Jahr. Auch in der Finanzbranche ist die Stimmung vor den Zahlen der HypoVereinsbank alles andere als rosig: Die Deutsche Bank ist eingebrochen.
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Frankfurt am Main - Die anhaltende Sorge um unsaubere Bilanzen großer US-Unternehmen lockt die Bären wieder hervor. Nach Börsenschluss in Frankfurt haben sowohl Dow Jones als auch Nasdaq Composite ihre Verluste leicht ausgebaut: Die Technologiebörse ging drei Prozent schwächer auf 1750 Zähler aus dem Handel und notiert auf dem tiefsten Stand seit Anfang November. Dax und Nemax, die bereits gestern eingebrochen waren, könnten heute zum Auftakt erneut unter Druck geraten. Seit Jahresbeginn hat der Dax um zehn und der Nemax 50 um 22 Prozent nachgegeben: Besonders am Neuen Markt dürfte es schwer fallen, Investoren zurückzugewinnen.

DaimlerChrysler: Umsatzrückgang erwartet

Zu den größten Verlierern gestern zählte DaimlerChrysler   mit einem Verlust von 4,3 Prozent auf 40,75 Euro. Das Unternehmen erläutert heute während der Bilanz-Pressekonferenz seine Zahlen. Die schwache Konjunktur in USA und Europa sowie der Preiskampf in der Branche setzen den Herstellern enorm zu: Volkswagen   präsentierte gestern zwar ein Rekordergebnis, gab aber dennoch knapp zwei Prozent nach, weil das Unternehmen keinen Ausblick für 2002 wagte.

Der DaimlerChrysler-Konzern erwartet im laufenden Jahr einen deutlichen Rückgang des Fahrzeugmarktes in Nordamerika und einen Umsatzrückgang im Konzern von mehr als zehn Milliarden Euro. Zugleich aber sei ein bereinigter operativen Gewinn geplant, der das Doppelte des Vorjahresniveaus (1,3 Milliarden Euro) "sehr deutlich" übertrifft, bekräftigte der Konzern am Mittwoch zum Auftakt der Bilanz-Pressekonferenz in Sindelfingen. Zum erwarteten Marktrückgang hieß es, in Nordamerika werde ein deutlicher und in Westeuropa ein moderater Abschwung erwartet. Der DaimlerChrysler-Umsatz werde 2002 voraussichtlich auf 142 Milliarden Euro von 153 Milliarden Euro 2001 sinken. Für 2004 werde ein Geschäftsvolumen von 156 Milliarden Euro erwartet.

Deutsche Bank bricht ein, HypoVereinsbank mit Zahlen

Auch die Finanzwerte wie Citigroup   und JP Morgan   blieben in den USA unter Druck. Im Dax war am Dienstag die Deutsche Bank   mit einem Minus von 5,7 Prozent größter Verlierer: Börsianer machten Sorgen um die Aussichten des Rentengeschäftes und die Gewinnwarnung des belgischen Mitbewerbers Fortis für die Verluste verantwortlich. Die Analysten der Commerzbank stuften die Aktie der Deutschen Bank auf "Halten" zurück und senkten das Kursziel auf 70 Euro. Keine gutes Umfeld für die HypoVereinsbank   : Heute legt das Unternehmen vorläufige Jahreszahlen vor.

Anleger im Stimmungstief

Der Dax ist am Montag nahe seines Tagestiefsstandes bei 4764 Punkten aus dem Handel gegangen. Die Charttechniker sehen weiteres Abwärtspotenzial, da die wichtige Unterstützung bei 4870 Zählern gefallen ist. Niemand wolle sich in diesem schlechten Börsenumfeld engagieren, sagte ein Händler. Lediglich der Chiphersteller Infineon   konnte gegen den Trend leicht zulegen. Händler verwiesen zur Begründung auf die anziehenden Preise für Speicherchips.

WCM verliert leicht

Die im Nebenwerte-Index notierte WCM-Aktie   fiel am Montag um 1,8 Prozent auf 10,78 Euro. Die Beteiligungsgesellschaft ist nach eigenen Angaben nicht an einer Übernahme der Commerzbank   oder an einer Einflussnahme auf das operative Geschäft des Geldhauses interessiert. Das Engagement sei auf mehrere Jahre angelegt, sagte WCM Vorstandschef Roland Flach am Dienstag. "Eine Übernahme der Commerzbank steht nicht zur Diskussion."

Neuer Markt: Qiagen im Rahmen der Erwartungen

Kein Vertrauen mehr in den Neuen Markt

Geringe Umsätze, 22 Prozent Kursverlust seit Anfang Januar, schlechte Stimmung. Viele Investoren am Neuen Markt haben sich inzwischen zweimal die Finger verbrannt und dürften sich einen erneuten Einstieg gründlich überlegen. Besonders die Kursverluste der "Blue Chips" wie Aixtron   , deren Titel acht Prozent auf 19,00 Euro abgaben, Qiagen   und T-Online   hätten den Handel am Montag bestimmt, sagte ein Händler.

Qiagens Zahlen im Rahmen

Zwar liegen die nachbörslichen Zahlen von Qiagen   im Rahmen der Erwartungen, doch Händler erwarten auf Grund der schwachen Nasdaq erneut einen schwächeren Start und sehen den Nemax 50 bei zum Auftakt bei 930 Punkten. Dennoch setzen einige Anleger auf eine vorsichtige Erholung bei Qiagen nach den Zahlen: Das Unternehmen hat bereits sechs Tage in Folge verloren und hatte vorab rund 20 Prozent seines Wertes verloren.

Die Papiere von Mobilcom   verloren am Montag vor dem Hintergrund des Streits zwischen Vorstandschef Gerhard Schmid und der France Télécom 10,7 Prozent und beendeten den Handel bei 15,13 Euro. Die Papiere von D.Logistics   stiegen nach dem 45-Prozent Kurssturz vom Vortag mit hohen Umsätzen um 8,6 Prozent auf 3,28 Euro.

Konjunkturdaten aus den USA

In den USA waren die Papiere des Computerherstellers IBM   mit einem Verlust von 3,3 Prozent größter Verlierer. Der IBM-Finanzchef hatte im "Wall Street Journal" angekündigt, künftig detaillierter zu bilanzieren. Der Computerkonzern soll laut Presseberichten in seinem Geschäftsbericht zum vierten Quartal die Veräußerung eines Geschäftszweiges und damit einen Erlös von 300 Millionen Dollar nicht ausgewiesen haben.

Konjunkturdaten aus den USA

Heute um 14.30 Uhr werden in den USA die Verbraucherpreise für Januar veröffentlicht. Analysten erwarten einen Anstieg um 0,2 Prozent. Am Montag hatte das US-Handelsministerium positive Konjunkturdaten veröffentlicht. Die Zahl der Baubeginne neuer Eigenheime in den USA ist im Januar unerwartet stark um 6,3 Prozent auf eine saisonbereinigte und annualisierte Zahl von 1,678 Millionen Einheiten gestiegen.

Nikkei knapp behauptet, Euro fester

Tokio knapp behauptet

Die Aktienbörse in Tokio hat am Mittwoch knapp behauptet geschlossen. Der Nikkei-Index für 225 führende Werte büßte 13,03 Punkte auf 9834,13 Zähler ein. Der breitere TOPIX verlor 3,05 Punkte und beendete den Handel beim Stand von 956,91 Punkten. Der Euro notierte am Morgen etwas fester mit 0,8769 US-Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs des Euro am Dienstag bei 0,8692 Dollar festgesetzt.