Börsenausblick: "Das Geld folgt den Märkten" - DER SPIEGEL
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Börsenausblick "Das Geld folgt den Märkten"

Händler rechnen mit weiteren Kursgewinnen zum Handelsstart: Die US-Börsen haben ihre Gewinne im späten Handel ausgebaut. Finanzwerte erhalten eine neue Steilvorlage aus New York, und BMW gibt ein neues Absatzziel aus. Die Deutsche Telekom legt Zahlen vor.
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Frankfurt am Main - Die deutschen Börsen starten heute erneut mit Rückenwind aus den USA. Dax und Nemax 50 hatten mit einem Plus von 2,9 Prozent beziehungsweise 2,2 Prozent bereits gestern deutlich zugelegt, doch nach Börsenschluss in Frankfurt bauten die US-Börsen bei hohen Umsätzen ihre Gewinne jeweils noch um rund ein Prozent aus. Der Dow Jones ging mit einem Zuwachs von 2,1 Prozent aus dem Handel, während der Nasdaq Composite 3,1 Prozent fester tendierte.

500 Punkte in zwei Handelstagen

Für den Dow Jones, der seit Freitag um 500 Punkte gestiegen ist, war es der höchste Schlussstand seit sieben Monaten. 1,59 Milliarden Aktien wurden umgesetzt. Zu den größten Gewinnern im Dow Jones zählte General Motors   nach positiven Analystenstimmen aus dem Hause JP Morgan. Auch Finanzwerte wie die Citigroup   und American Express   legten deutlich zu.

Finanztitel gefragt - Merrill Lynch sieht Konjunkturwende

"Das Geld folgt den Märkten", kommentierte ein Händler den raschen Kursanstieg. Viele Investoren sind trotz gemischter Nachrichtenlage eingestiegen, um nicht den Kursanstieg im Index zu verpassen. Die Hoffnung auf eine Konjunkturwende treibt die Märkte: Das amerikanische Bruttoinlandsprodukt ist im vierten Quartal stärker als erwartet gestiegen, und in der herstellenden Industrie zeichnete sich laus ISM-Index im Februar erstmals seit 19 Monaten eine Erholung ab. Auf diese Daten folgte am Montag ein Kommentar der Investmentbank Merrill Lynch, die auf Grund der anziehenden Konjunktur mit einer deutlichen Gewinnsteigerung der Unternehmen rechnet.

Nasdaq trotz Gewinnwarnung von Oracle sehr fest

Auch Technologiewerte waren gefragt, obwohl der Softwarehersteller Oracle nach einer Gewinnwarnung und einer Abstufung einen Kursverlust von 14 Prozent erlitten hat. Oracles Konkurrenten IBM  , Microsoft   und Adobe Systems profitierten. Nach dem erneuten kräftigen Zuwachs steigt aber auch das Risiko von Gewinnmitnahmen.

Dax: Gewinne auf breiter Front

Der Dax hat die Marke von 5200 Punkten bereits am Montag deutlich übersprungen. Zu den größten Gewinnern im Dax zählten die Technologietitel, aber auch die Finanzwerte wie MLP   und Deutsche Bank   profitierten von den guten Vorgaben aus den USA. Am Dienstag kletterten Finanztitel in Tokio weiter, nachdem die US-Schwergewichte Amexo und Citigroup ihre Gewinne ausgebaut hatten.

Einziger Verlierer im Dax war am Montag die Aktie von Henkel   mit einem Verlust von 1,2 Prozent. Das Unternehmen legt heute ebenso wie die Deutsche Telekom   und Fresenius Medical Care   Zahlen für das abgelaufene Jahr vor.

Tiefrote Zahlen bei Telekom erwartet

Die T-Aktie   ist am Montag wieder über die Marke von 17 Euro geklettert. Heute dürfte das Unternehmen zwar eine tiefrote Bilanz für 2001 präsentieren. Analysten rechnen jedoch damit, dass Telekom-Chef Ron Sommer trotz des gescheiterten Kabelnetz-Verkaufs an Liberty Media einen positiven Ausblick geben wird. "Die Telekom könnte statt dessen auch Immobilien verkaufen oder ihre Beteiligung an der France Télécom verringern", sagte ein Analyst.

BMW will mehr als eine Million Fahrzeuge verkaufen

Auch die zyklischen Autowerte setzten ihre Erholung fort - die Autoshow in Genf und die positive Einschätzung zu General Motors durch JP Morgan locken Käufer hervor. DaimlerChrysler   und Volkswagen   gewannen am Montag zwischen drei und vier Prozent, während bei BMW   das Plus noch moderat blieb.

Die BMW AG strebt 2002 erstmals den Absatz von mehr als einer Million Fahrzeugen an. "Die BMW Group hat allen Grund, für das Jahr 2002 überaus zuversichtlich zu sein", sagte der scheidende Vorstandsvorsitzende Joachim Milberg im Vorfeld des Genfer Automobilsalons. In den ersten zwei Monaten lieferte der Münchener Automobilbauer nach eigenen Angaben einschließlich Mini rund 151.000 Fahrzeuge an die Kunden aus, was einem Plus von rund 17 Prozent entspricht.

Neuer Markt klettert mit der Nasdaq

T-Online mit Kurssprung

Der Nemax 50 ließ sich am Montag erneut von der US-Technologiebörse nach oben ziehen. Die Aktien des Softwareentwicklers Intershop   haben mit einem Kurssprung von rund 30 Prozent auf 1,58 Euro auf die Nachricht reagiert, dass Vorstandschef Stephan Schambach 8,334 Millionen Inhaber-Stammaktien aufkaufen will. Auch das Index-Schwergewicht T-Online   verzeichnete deutliche Aufschläge von rund acht Prozent auf 13,47 Euro.

US-Börsen: Testfall Beige Book

US-Konjunkturbericht am Mittwoch

Auch die wenig zuversichtlichen Aussagen des Softwarekonzerns Oracle sowie negative Einschätzungen einiger Analystenhäuser konnten die Stimmung an der Wall Street nicht trüben. Oracle hatte angekündigt, das Ergebnis je Aktie werde im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2002 auf Grund der Schwäche in Asien wohl um einen US-Cent unter den Erwartungen liegen. Merrill Lynch hat die Aktie daraufhin auf "Neutral" herabgestuft. "Negative Nachrichten finden kaum Widerhall. Der Markt will nach oben", kommentierte ein Händler die erstaunlich robuste Reaktion an der Nasdaq.

In den USA werden am Mittwoch unter anderem vom Beige Book, dem Wirtschaftsbericht der US-Notenbank, neue Erkenntnisse über die Konjunkturentwicklung erwartet. Das Beige Book werde zum Testfall für den Aufschwung sagten Händler. Noch streiten sich Börsianer darüber, ob es sich lediglich um eine Bärenmarktrallye handelt oder der Aufschwung von der Konjunkturwende getragen ist.

Gewinnmitnahmen in Tokio

Nach dem Kursfeuerwerk vom Vortag hat die Aktienbörse in Tokio am Dienstag schwächer geschlossen. In Folge von Gewinnmitnahmen büßte der Nikkei-Index für 225 führende Aktienwerte 0,8 Prozent auf 11.348 Punkte ein. Am Montag war das Börsenbarometer um 5,9 Prozent gestiegen. Der Euro notierte fester mit 0,8692Dollar nach 0,8660 Dollar am Vortag zur gleichen Zeit. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs am Montag bei 0,8649 US-Dollar festgesetzt.