Börsenausblick Das große Zittern vor der Eröffnung
Frankfurt am Main Das sieht nicht gut aus: Intel hat am Donnerstagabend vor schwachen Umsätzen gewarnt und sogar noch die revidierten Prognosen der Analysten unterboten. Der Aktienkurs des US-Chipkonzerns fiel daraufhin im außerbörslichen Handel zeitweilig um 15 Prozent. Für die deutschen Aktienmärkte wird dies voraussichtlich nicht ohne Folgen bleiben. Vor allem die Technologiewerte sollten wieder stark unter Druck geraten.
Intel und der Erzrivale Advanced Micro Devices Inc. (AMD) hätten unter einer relativ schwachen Nachfrage zu leiden, sagte Analyst Scott Randall von Wit SoundView vor der Veröffentlichung der Quartalsprognosen. Dies sei zwar teilweise saisonbedingt, aber auf die Nachfrage drücke weiterhin, dass die Unternehmen noch nicht deutlich in neue Technologien zum Aufrüsten ihrer Computer und Netzwerke investierten. Die Investmentbank Merrill Lynch hatte bereits in Erwartungen eines enttäuschenden Quartalsausblicks von Intel den Wert von "Strong Buy" auf "Neutral" herabgestuft. Ihre Begründung für die Herabstufung lautete: Wenn Intel nach Börsenschluss die Öffentlichkeit über den Quartalsverlauf auf den neuesten Stand bringt, dürfte sich das Unternehmen sehr vorsichtig äußern.
Dow Jones schließt auf Acht-Monatstief
Die amerikanische Leitbörse hat zuvor auf einem Acht-Monatstief geschlossen. Der Dow-Jones-Index fiel um 172,16 Zähler oder 1,8 Prozent auf 9624 Punkte. Die Nasdaq gab um 40,38 Zähler oder 2,5 Prozent auf 1554 Punkte nach. Der S&P 500-Index sackte um 20,75 Zähler oder zwei Prozent auf 1029 Punkte ab. Es wiesen an der New Yorker Börse nur 979 Aktien Pluszeichen auf, während 2215 Werte nachgaben. 186 Aktien blieben unverändert. Es wurden bei lebhaftem Geschäft fast 1,6 Milliarden Aktien gehandelt.
Die Anleger verkauften in großem Stil, hieß es. Marktbeobachter verwiesen auf die neuen Probleme im Nahen Osten, die Auseinandersetzungen zwischen Indien und Pakistan und die geplante Neuorganisation der Terrorbekämpfung in den USA. Zudem habe Vizepräsident Dick Cheney mit einer Rede die Angst vor einem Waffengang der USA mit dem Irak erneut geschürt. Selbst etwas kürzere Schlangen in den US-Landesarbeitsämtern ließen keine gute Stimmung aufkommen.
Der Dax hat sich am Donnerstag noch gut behauptet und stieg um 0,7 Prozent auf 4657 Punkte. Die Nebenwerte im MDax konnten sich der trüben Stimmung nicht entziehen und verloren durchschnittlich um 0,2 Prozent und drückten den Index auf 4249 Zähler. Am Neuen Markt scheint die Talfahrt des Nemax 50 kein Ende zu nehmen. Der Auswahlindex sackte um 2,1 Prozent auf 754 Punkte.
Zum Wochenschluss stehen in Frankfurt keine wichtigen Unternehmensmeldungen mehr an. Allerdings sollten die Technologiewerte aufgrund der Intel-Umsatzwarnung wieder in Sippenhaft genommen werden und deutlich abgeben. Die Deutsche Telekom notierte im vorbörslichen Handel bereits schwächer auf 10,40 Euro. Damit würde das erst gestern aufgestellte Allzeittief von 10,51 Euro wieder unterboten.